KaPost-aktuell: Fragwürdige Schengen-Bilanz Georgiens

Nicht einmal zehn Prozent der Bevölkerung nutzen den visafreien Reiseverkehr

Am 28. März 2017 trat für Georgien die lang ersehnte Visafreiheit in die Schengen-Staaten in Kraft. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Euro-atlantische Integration war erreicht, wurde damals allenthalben gejubelt.

Jetzt gibt es erstmals Zahlen, die etwas über die Akzeptanz dieses historischen Ereignisses verdeutlichen. Demnach haben in diesen 20 Monaten (April 2017 – November 2018) insgesamt 339.255 Bürgerinnen und Bürger von der Visafreiheit Gebrauch machen können. Für diese Menschen wurden insgesamt 553.748 visafreie Einreisen in die Schengen-Staaten registriert, was bedeutet, dass diese Menschen im Schnitt 1,6 Mal in 20 Monaten visafrei nach Europa gereist sind. Pro Kalendertag sind damit in den letzten 20 Monaten etwas mehr als 900 Georgierinnen und Georgier visafrei nach Europa gereist.

Trotzdem bleibt, was Kritiker vor allem der immensen Regierungs-PR im März 2017 bereits erwarteten: Von dem großen, nationalen Erfolg des visafreien Reiseverkehrs profitieren nicht einmal zehn Prozent der Bevölkerung, der überwiegende Teil der Menschen in Georgien kann sich eine solche Reise überhaupt nicht leisten. Ein Vergleich mit der Zahl der Ausreisen vorher, als ein Visum noch Pflicht war, wäre interessant. In der offiziellen Statistik des Innenministeriums, die jetzt herausgegeben wurde, fehlen allerdings die entsprechenden Vergleichszahlen.

Das bevorzugte Schengen-Land für Georgien ist Deutschland mit 135.885 Besuchen (24 %), gefolgt von Italien (80.520), Griechenland (68.807), Polen (42.054), Spanien (40.914), Frankreich (39.120), Ungarn (24.120), Zypern (18.258) und Österreich (16.293).

 

 

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