Georgien zum Jahreswechsel (3): Noch immer Außenhandelsdefizit

Exportsteigerungen nicht nachhaltig genug

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zum Außenhandel, die selbstredend als Erfolg georgischer Wirtschaftspolitik verkauft werden, wirft ein besonderes Licht auf die derzeitige Wirtschaftskraft des Landes und unterstreicht die Notwendigkeit, industrielle Arbeitsplätze zu schaffen. In den ersten elf Monaten des Jahres 2017 stieg das Handelsvolumen um 13 Prozent auf 9,6 Milliarden Dollar. Dabei sind die Exporte um 27 Prozent gestiegen, die Importe lediglich um 13 Prozent. Die Exportsteigerung ist sicher ein gewisser Erfolg. In absoluten Zahlen betrachtet sieht es so aus: Den Exporten von insgesamt 2,4 Milliarden Dollar (Vorjahr 1,9) stehen Importe von 9,6 Milliarden Dollar (Vorjahr: 8,5) gegenüber. Das heißt, trotz der enormen Steigerung der Exporte verbleibt ein  Außenhandelsdefizit von 4,7 (Vorjahr 4,6). Das ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Aber die wichtigsten Güter des Exports sind Mangan, Kupfer-Produkte, Stickstoff-Dünger und der Re-Export importierter Kraftfahrzeuge – alles Produkte, deren Auswirkungen auf die Arbeitsplätze im Lande wenig nachhaltig oder zukunftsträchtig sind. Die Rohstoffe, vor allem Mangan, sind nicht unerschöpflich. Und der Gebrauchtwagen-Im-Export ist ein durchaus anfälliges Geschäft. Gäbe es nicht eine deutliche Steigerung der Einnahmen im Tourismus und bei den Überweisungen der georgischen Gastarbeiter im Ausland, würde der georgische Lari noch weitaus stärker unter Druck geraten als es eh schon der Fall ist. Und Tourismus, das sollte man in dieser Weltgegend aus Erfahrung der letzten zwei Jahrzehnte wissen, ist ein ebenso anfälliger Wirtschaftszweig wie die Geldzuflüsse der georgischen Gastarbeiter im Ausland.

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