Georgien zum Jahreswechsel (4): Mehr ausländisches Investment

Wenig Auswirkungen auf nachhaltige Arbeitsplätze

Eine immer wieder positiv bewertete volkswirtschaftliche Komponente, das FDI (Foreign Direct Investment), ist bei näherer Betrachtung auch nicht gerade ein Indikator für langfristig sichere Arbeitsplätze. In den ersten elf Monaten des Jahres 2017 wurden insgesamt 1,3 Milliarden Dollar von ausländischen Investoren im Land ausgegeben, eine Steigerung von drei Prozent, allein im dritten Quartal betrug die Steigerung 18 Prozent, wie die Agenturen des Landes in ihren Schlagzeilen berichten. Von den rein rechnerisch zu beweisenden Rückgängen in den Quartalen davor wurde nicht annähernd so intensiv berichtet. Die wichtigsten Wirtschaftssektoren ausländischen Investments sind Transport und Kommunikation, Bauwesen und drittens der Energiesektor. Zusammen machen sie fast zwei Drittel der Investitionen aus. Alles Sektoren, die meist nur kurzfristig Arbeitsplätze schaffen, keine nachhaltigen und – vor allem – kaum Produkte, die für den Export taugen. Allein die Hälfte der Gelder stammen aus Aserbaidschan und der Türkei. Auch diese Zahlen beweisen, wie fragil das derzeitige Wirtschaftswachstum in Georgien ist. Der Premierminister rühmt sich und seine Regierung mit der Aussage, noch nie sei soviel in die Infrastruktur des Landes investiert worden wie derzeit. Dabei wäre allerdings zu hinterfragen, welche Tilgungslasten für die nächsten Generationen aufgehäuft wurden und ob diesen Verpflichtungen auch genügend Industrie gegenüber steht, die Arbeitsplätze garantiert und die Wertschöpfung, die nötig ist, um die Kredite langfristig zu bedienen. Neue Straßen alleine sind keine Versicherung für eine positive Entwicklung der Wirtschaft.
Nachtrag: Das georgische Wirtschaftsministerium erklärte kurz vor Redaktionsschluss, dass Indonesien Interesse an einem Freihandelsabkommen mit Georgien angemeldet habe. Die georgischen Importe aus Indonesien machten in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 einen Betrag von 8,13 Millionen Dollar aus. Die Exporte Georgiens nach Indonesien ganze 300 Dollar. Da ist noch viel Luft nach oben.

 

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