KaPost-aktuell: Was steckt hinter den Erfolgszahlen im Tourismus?

Über 8 Millionen Besucher in den ersten elf Monaten des Jahres 2018

Der Tourismus ist mittlerweile zweifelsohne einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Georgien. Nach den jüngsten Statistiken ist die Zahl der ausländischen Besucher in den ersten elf Monaten von 7.3 Millionen im Jahr 2017 auf 8,1 Millionen gestiegen, das ist ein Zuwachs von 10,6 Prozent. In dieser Zahl sind Ausländer, die in Georgien eine Aufenthaltserlaubnis haben, nicht inbegriffen, dafür aber Georgier, die nicht in Georgien, sondern im Ausland residieren. 1,3 Millionen werden als Nicht-Touristen geführt, das sind Kinder unter 15 Jahren und Menschen, die beruflich ins Land kommen. Verbleiben als Touristen noch 6,7 Millionen, von denen allerdings 2,3 Millionen als Tages-Touristen geführt werden, das heißt innerhalb von 24 Stunden das Land wieder verlassen haben. Damit reduziert sich die Zahl der Einreisenden, die mindestens eine Nacht im Land verbleiben, auf 4,5 Millionen, das sind 66 Prozent der Menschen, die nach Georgien gekommen sind.

Eine andere Betrachtung ist ebenfalls sehr aufschlussreich: Von den 6,7 Millionen internationalen Besuchern entfallen auf die direkten Anrainerstaaten Russland, Aserbaidschan, Armenien und Türkei immerhin 4,845 Millionen Einreisen, das sind ganze 71 Prozent. Allein diese Auswertung zeigt, dass es sich bei den 6,7 Millionen, die als ausländische Besucher gehandelt werden, nur um einen geringen Teil um klassischen Touristen handelt, die dem Land entsprechendes Einkommen bringen. Denn unter diesen ist sowohl der kleine, ethnische Grenzverkehr zu sehen als auch der Transit von Arbeitsmigranten (Armenien-Russland und zurück), der selten ohne eine Übernachtung in Georgien abgeht. Auch die vielen LKW-Fahrer zwischen der Türkei und Russland zum Beispiel oder der Türkei und Aserbaidschan oder auch Armenien und Russland sind offensichtlich in dieser Zahl enthalten und das sicher mehrfach im Jahr.  Dies wird auch dadurch untermauert, dass 73 Prozent der Einreisen über die Grenzposten zu Land  erfolgen, vornehmlich Sarpi (Türkei), Kazbegi (Russland), Rote Brücke(Aserbaidschan) und Sadachlo (Armenien). Nur 25 Prozent reisen über die drei internationalen Flughäfen Tiflis, Batumi und Kutaissi ein. Der Rest, zwei Prozent, kommt per Eisenbahn oder Schiff. Ein nennenswerter Tourismus aus den Nachbarländern dürfte sich  wohl nur aus Russland entwickelt haben, den man gut und gern mit einer Million Menschen im Jahr ansetzen kann. Übrigens: Am Gesamtzuwachs der internationalen Besucher von 719.485 Personen hat Russland mit 257.945 einen Anteil von 35,85 %. Eine Zahl, die man in Georgien ganz besonders intensiv analysieren sollte. Da rund 16 % des Gesamtzuwachses aus Aserbaidschan (plus 117.601) kommen und 14,86 % aus der Türkei (plus: 106.903), kommen auch mehr als 65 % des Zuwachses an Einreisen aus den drei Nachbarländern. Welchen Anteil daran der Tourismus hat, wäre im Detail noch zu überprüfen.

Die Statistik der Herkunftsländer sieht so aus:
1. Russland: 1.341.127 (19,89 %)
2. Aserbaidschan: 1.311.907 (19,45 %)
3. Armenien: 1.162.220 (17,23 %)
4. Türkei: 1.031.147 (15,29 %)
5. Georgier, die nicht im Land gemeldet sind: 441.717 (6,55 %)
6. Iran: 278.802 (4,13 %)
7. Ukraine: 168.272 (2,50 %)
8. Israel: 148.712 (2,21 %)
9. Polen: 65.469 (0,97 %)
10. Deutschland: 62.776 (0,93 %)

Die weiteren Plätze: Belarus (58.020), Kasachstan (556.984), Saudi-Arabien (50.931), Indien (44.902), USA (39.781), China (30.045); Vereinigtes Königreich (28.014), Frankreich (20.861).

Erfreulich die Entwicklung aus Deutschland, das sich mit einem stolzen Zuwachs von fast 50 % von 41.896 auf 62.776 Reisende gesteigert hat. Sicher ein Ergebnis auch der Frankfurter Buchmesse, wo Georgien als Ehrengast eine besondere Aufmerksamkeit erfuhr. Es wird sich schon in ein oder zwei Jahren zeigen, ob dieser Trend anhält.

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