Reinhold Messner und das Messner Mountain Museum in Mestia

„Den Berg kulturell unterfüttern“

Die Ansage von Reinhold Messner beim KaPost-Besuch in Südtirol im August war klar: „Ich habe ein Museum in Mestia versprochen. Ich komme mit einem Architekten. Wenn die Regierung den akzeptiert und das Konzept, das ich vorschlage, dann geht es flott.“ Bekommt also Mestia, der Tourismusmagnet in Swanetien, schon bald das siebte Messner Mountain Museum, das erste außerhalb Italiens? Die anderen sechs sind in Südtirol, sie sollen, so der Museumsgründer, die Geschichte der Beziehungen zwischen Mensch und Berg vermitteln und darüberhinaus Messner persönliches Erbe, all seine Erlebnisse, Erfahrungen, Ängste und Triumphe weitergeben.

In Mestia will Messner „den Kaukasus erzählen“, den er auf Einladung der georgischen Regierung im Sommer anscheinend erstmals besuchte. Jedenfalls schwärmte er in einem TV-Clip unter anderem vom Uschba, den er vorher noch nie gesehen hatte und den er jetzt seinem früheren Lieblingsberg Matterhorn vorzieht. Messner will mit dem Museum in Mestia „den Berg kulturell unterfüttern“ und so den Tourismus „entschleunigen“. Die Zeiten, „wo man den Gästen ein Abendessen angeboten hat, ein gutes Glas Wein und ein Hotelbett, sind vorbei“. Einen Platz für das Museum hat er bereits ausgesucht, den Gipfel des Hatsvaldi, des Hausberges von Mestia, im Sommer wie im Winter gut zu erreichen mit Liftanlagen österreichischer Bauart. Noch im Herbst will er der Regierung seinen Architekten samt Museumskonzept vorstellen, erklärte er uns im August. „Dann kanns losgehen“, sofern die georgische Regierung einverstanden ist, das Geld aufbringt und die Leute, die das Konzept inhaltlich ausfüllen und das Museum führen. Denn Messner liefert nur das Grundkonzept. „Ich führe es nicht, ich helfe nur, es zu machen. Möglicherweise drehe ich parallell einen Film über den Uschba.“ Das ethnografische Museum in Mestia allerdings hat er bei seinem Hubschrauber-Kurztripp nach Swanetien nicht besuchen können. Dazu fehlte die Zeit. Von wegen Entschleunigung. In der wirklich sehenswerten Dependance des georgischen Nationalmuseums wird viel von Swanetien, seinen Menschen, Bergen und seiner Geschichte erzählt. Und das in einem Museums-Ambiente von internationalem Rang.


Eine Nachfrage bei der Pressestelle des Premierministers nach dem Museumsprojekt der Südtiroler Bergikone lässt allerdings erhebliche Zweifel an der Seriosität des Planes aufkommen. Man sagte uns, wir sollten das direkt mit Reinhold Messner besprechen. Man wisse doch in der Regierungszentrale nicht, ob dieser in Mestia ein Mountain Museum eröffnen wolle. Und eine Anfrage an das Nationalmuseum zum dem Projekt wurde gleich gar nicht beantwortet. Allzu euphorisch scheint man dort der Messner`schen Ankündigung nicht gegenüber zu stehen.

Irgendwie erinnert das ganze Projekt an die Trump-Türme in Batumi. Auch Donald Trump, wie kürzlich erst zu erfahren war, hatte 2012 nie die Absicht, zu investieren oder die beiden Appartement-Türme gar zu vermarkten. Er hatte damals nur sich vermarktet, seinen guten Namen hergegeben und dafür, wie man damals schon munkelte, eine stolze Lizenz-Gebühr kassiert. Im Gegenzug durfte der georgische Präsident Saakaschwili mit dem Trump-Zitat Werbung betreiben: „In fünf Jahren ist Batumi die beste Stadt der Welt.“ Gehört der Messner-Plan für Mestia in dieselbe Kategorie, nur etwas preiswerter? Der Verdacht liegt nahe. Messner im August auf Schloss Sigmundskron bei Bozen: „Wenn die Regierung sagt, das gefällt uns nicht, dann verabschiede ich mich.“ Die georgische Regierung ist jetzt wohl am Zug und sollte sich deutlich erklären, ob sie das Museum stemmen will, um mit dem Namen Messner weiter Tourismus-Werbung machen zu können.

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