Vorsicht Satire: RAINwurf – Dinner for two

Erschienen in der Printausgabe der KaPost vom Juli 2017

Dinner for two – der georgische Premierminister lässt kaum eine Gelegenheit verstreichen, mehr oder auch weniger bedeutende Gäste in intimem Rahmen zu bewirten. Im letzten Jahr war es der Ausländer, bei dessen Einreise nach Georgien die Zahl sechs Millionen erreicht war, ein unbekannter Holländer. Das zweisame Gastmahl mit Folklore-Einlage wurde auf youtube ausführlich gezeigt und von den PR-Strategen der Regierung hinlänglich beworben. Jetzt war es ein prominenter Südtiroler, kein Geringerer als die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner, den Kwirikaschwili ausweislich der offiziellen Webseite der georgischen Regierung zu einem „informellen Dinner“ eingeladen hatte. Dabei informierte der Regierungschef seinen Gast über die stürmische Entwicklung des Tourismus in Georgien, deren Ende nicht abzusehen sei. Er erklärte die großen Möglichkeiten vor allem der Hochgebirgs-Gebiete in der weiteren Entwicklung des Tourismus und hob hervor, dass die Unterstützung von so renommierten Personen wie Reinhold Messner ganz sicher zur Steigerung der weltweiten Popularität Georgiens beitragen werde. Soviel von der regierungsamtlichen Information zu diesem Treffen, das Anfang Juli in Telawi stattgefunden haben soll. Eine Stellungnahme Reinhold Messners fehlt allerdings in dieser Meldung, auch die Agenturen, die von dem Treffen berichteten, konnten mit keiner Aussage Reinhold Messners zur Tourismus-Situation in Georgien aufwarten.

Eine Anfrage der KaPost bei der Pressestelle des Premiers nach weiteren Informationen zu diesem Gespräch zeitigten bislang keinen Erfolg, Anfragen beim Pressebüros des Premiers würden nicht unter zehn Tagen beantwortet, hieß es trotz unseres Hinweises auf Redaktionsschluss. So bleibt uns nichts anderes übrig, als den Verlauf des Meinungsaustausches  zu erahnen. Er könnte wie folgt abgelaufen sein.

Natürlich zeigte sich Reinhold Messner begeistert von den gewaltigen Anstrengungen Georgiens, seine unverbrauchte Hochgebirgslandschaft endlich internationalen Tourismusstandards anzupassen. Vor allem die Entwicklung von Ski-Gebieten wie die am Tetnuldi oder auf dem Goderzi-Pass fanden den Zuspruch Messners, der unbedingt weitere Skilifts in Tuschetien und in der Gegend von Schatili forderte. Auch im kleinen Kaukasus  verortet Messner noch genügend Platz für das eine oder andere Ski-Paradies. Und für die Sommer-Saison sollten großzügige Wasserrutschen und Sommerbobbahnen eingeplant werde mit zentralen Drohnen-Landeplätzen. Die braucht man für die privaten youtube-Archive. Sorgen machte sich Messner allerdings über die mangelnde Verkehrs-Erschließung vor allem der neuen Gebiete und unterstütze die Pläne der georgischen Regierung, eine direkte Autobahn von Kutaissi zum Tetnuldi zu bauen und den Goderzi-Pass Autobahn-ähnlich auszubauen. Auch der Abano-Pass nach Tuschetien bedürfe, so Messner in dem vertraulichen Gespräch, einer großzügigen Ertüchtigung, sollte das touristische Potential dieser Region auch wirklich ausgeschöpft werden. Eine Panorama-Schnellstraße von Schatili nach Omalo wäre dann das Fernziel. Messner versprach, italienische Straßenplaner und Baufirmen für diese Projekte anzuwerben, möglicherweise auch italienische Staatskredite. Letzteres sicher nicht ganz uneigennützig, die Finanzierung solcher Mammutprojekte hat gelegentlich auch Auswirkungen auf die Beschäftigungszahlen der Herkunftsländer der Geldströme.

Kwirikaschwili hob in diesem Zusammenhang die äußerst positive Entwicklung der georgischen Regionalflughäfen Mestia und Ambrolauri hervor. Der Königin-Tamar-Flughafen in der swanischen Tourismus-Metropole habe im ersten Halbjahr eine Steigerung der Passagierzahlen um 116 Prozent auf 3.240 aufzuweisen, das sind pro Kalendertag durchschnittlich 18 Personen, die abzufertigen waren. Am Flughafen Ambrolauri waren im ersten Halbjahr seines Bestehens 457 Passagiere gestartet und gelandet, pro Kalendertag durchschnittlich 2,5.  Reinhold Messner, so berichten Teilnehmer des intimen Dinners, habe sich von diesen Zahlen mehr als beeindruckt gezeigt. Sie unterstrichen die Bedeutung dieser Investitionen für die touristische Entwicklung der Regionen Georgiens. Er forderte deshalb weitere Flughäfen in Tuschetien, Chewsuretien und anderen abgelegenen Gebieten Georgiens, diese sollten dann aber etwas großzügiger dimensioniert werden, damit Charter-Direktflüge aus Europa möglich würden. Es sei ihm, Messner, ein Herzenswunsch, möglichst viele Hochgebirgstouristen aus den überlaufenen Alpen-Regionen in andere Gegenden der Welt umzuleiten. Das käme der Entwicklung beider Seiten zugute.

Besonders beeindruckt zeigte sich Messner auch von der ökologischen Form der Abfallbeseitigung in den Bergregionen des Landes. Anstatt die reine Gebirgsluft mit den Dieselabgasen von Müllfahrzeugen meist deutscher (sic) Bauart unnötig zu belasten, überlasse man diese Aufgaben wie seit Jahrtausenden den Kräften der Natur: Der nächste Starkregen oder die jährliche Schneeschmelze entsorgen die Unmengen an Müll auf ökologisch saubere Weise. Er werde diese Form der Müllentsorgung jetzt auch in seiner europäischen Heimat anregen.

In einem weiteren Punkt allerdings gab es keine Übereinstimmung zwischen Messner und seinem Gastgeber. Messner forderte für den Gipfel des Kazbek, der von immer mehr Touristen bestiegen werde, ein Fast-Food-Restaurants vom Typ McDonalds. Kwirikaschwili soll, so haben wir gehört, die Tafel wütend verlassen haben. In dieser Frage verstehe er keinen Spaß.

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