RAINwurf

Neues von WITZ-Air auf der monatlichen Satire-Seite der Kaukasischen Post

Nein, das war keine WITZ-Airline, das war eine immer wieder kolportiere Geschichte aus der Luftfahrt der frühen georgischen Jahre: Für den Flug Frankfurt-Tiflis konnte man Tickets nur in Cash und das am Schalter der georgischen Fluggesellschaft kaufen, eine Gesellschaft, die noch deutlich den Charme der glanzvollen Aeroflot-Ära versprühte. Der Manager verstaute das Geld in einem kleinen Aktenkoffer, mit dem er dann – die Passagiere waren längst im Flugzeug und konnten den Vorgang beobachten – neben dem Tankwagen stand und das Kerosin in Cash bezahlte, dem Cash, den er gerade eingenommen hatte. Reichte der Betrag nicht, dann ging der Flieger kommentarlos im bulgarischen Burgas zu Boden, zum Auftanken. Dort hatte man  anscheinend das, was man in Frankfurt nicht hatte, Kredit….

Wäre daraus nicht ein Geschäftsmodell für den Billigflieger der Zukunft zu basteln? Die Passagiere liefern an der Gangway ihren Beitrag für den Treibstoff direkt beim Fahrer des Tankwagens ab. Reicht das Geld, kann der Flieger starten, reicht es nicht, wird einfach noch einmal gesammelt. Damit liegt die Verantwortung, ob das Flugzeug starten kann oder nicht bei denen, die den Flug verursachen, den Passagieren. Und die Airline spart Verwaltungskosten, Geldtransfers, Ärger mit Banken und Treibstoff-Lieferanten und vieles mehr.

Ähnlich ist es mit dem Catering an Bord: Warum teures Kabinen-Personal durch die Maschine schicken, in der mangels Knete kaum jemand etwas zu essen und trinken kauft? Warum Speisen und Getränke vorhalten und zwischenlagern und das mit einem gehörigen Risiko, dass diese verfallen? Kostet das nicht zu viel Geld, Geld, das man den Aktionären vorsätzlich entzieht? Und warum den Platz im Flugzeug für zwei Anrichtküchen verschwenden, auf dem (stehend natürlich) locker 20 bis 30 zusätzliche Passagiere untergebracht werden könnten? Warum nicht ein kleiner, mobiler Automat für Speisen und Getränke im Warteraum vor dem Gate?

Oder: Warum die teure Gepäckabwicklung des Flughafens bezahlen? Sollen doch die Passagiere, die es sich überhaupt noch leisten können, Gepäck aufzugeben, dieses selbst bis zum Flieger tragen und dort auf das  Förderband legen, das es in den Bauch des Fliegers bringt. Nach der Landung holen sie es ganz sicher widerspruchslos ab. War doch früher auch so in Tiflis, vor allem im Winter, wenn das Gepäck-Personal den mit Holz beheizten Kanonen-Ofen im Personal-Bereich der eisigen Kälte auf dem Flugfeld vorzog: Die Passagiere haben sich nach der Landung das Gepäck direkt vom Gepäck-LKW geholt, Schneetreiben hin oder her. Von wegen Förderbänder für Koffer und solches Zeugs und Leute, die diese befüttern. Alles unnötige Kosten in Anschaffung, Wartung und Betrieb.

Überhaupt: Warum mit Sitzreihen die Passagierzahl im Flugzeug unnötig begrenzen? Stehend fliegen heißt die Spar-Devise der Zukunft, zumindest in der Hartz-Klasse, das ist die international anerkannte, neu eingeführte Vorstufe zur Holzklasse. An der Kabinen-Wand mit Sicherheitsgurten angeschnallt, gibt es kaum Probleme mit irgendeiner Luftfahrtaufsicht. Und kuschelig kann das auch werden.

Auch für die teuren Sitzplätze gibt es eine Einspar-Variante: Einfache Alu-Boxen, in denen man das Handgepäck verstaut, ein Sitzkissen drauf, fertig. Mit all diesen Maßnahmen kann die Passagier-Kapazität eines Flugzeuges nahezu verdoppelt werden. Wetten dass, dies die Börsianer freut?

Und dann das Cockpit: Was soll denn der Luxus mit einem Ko-Piloten? Irgendeiner der Passagiere wird doch bereit sein, neben dem Kapitän zu sitzen und Kurs zu halten, sollte dieser wegen Überziehens der Arbeitszeiten einschlafen. Im Zweifelsfall hilft ein Knopf „Automatische Notlandung einleiten“.

Viel Zeit ließe sich einsparen, wenn Passagiere das Flugzeug am vorderen Ausgang verließen, während am hinteren Eingang bereits die nächsten warten, natürlich in Folge der Sitzreihe. Auch die mittlerweile übliche Flugplatz-Rundfahrt mit dem Omnibus kann eingespart werden. Sind wir früher nicht in Regionalflughäfen des Sowjetreiches immer zu Fuß zum Flieger und zurück? Streng bewacht vom Militär und alles höchst diszipliniert in einer langen Reihe?

Man sieht, es gäbe jede Menge an Ideen, das Fliegen künftig noch billiger zu machen als heute und dabei noch größere Gewinne für die Aktionäre einzufahren. Die KaPost-WITZ-Air – der Börsenliebling des nächsten Jahrzehnts.

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