Fruchtvolle Zusammenarbeit zwischen Georgien, Österreich und der Schweiz

Rauch Fruchtsäfte und Nabeghlavi-Mineralwasser eröffnen Abfüllfabrik in Gurien

Da war jede Menge an politischer und diplomatischer Prominenz in ein kleines Tal in Gurien gekommen, als die Mineralwasser-Fabrik Nabeghlavi dieser Tage eine nagelneue Fabrik einweihte: der georgische Premier samt Außen- und Energieminister und die Botschafter aus Österreich und der Schweiz. Immerhin galt es, eine Investition
von 40 Millionen Euro in Betrieb zu nehmen. Und das ist für Georgien nicht gerade alltäglich, schon gar nicht im ansonsten mehr oder weniger vernachlässigten Bereich Lebensmittelproduktion, wobei nicht vergessen werden sollte, dass das Land – der Legende nach Gottes eigener Paradiesgarten – mehr als zwei Drittel seines Lebensmittel-Verbrauchs einführen muss.

Die beiden Partner haben sich vor Jahren eher zufällig auf einer Getränkemesse in Dubai kennen gelernt. Rauch ist eine der führenden Fruchtsaftmarken in Europa, beheimatet in Österreich. Nabeghlavi ist die Mineralwassermarke Nr. 1 in Georgien, finanziert seit jetzt 20 Jahren vor allem durch private schweizerische Investmentfonds.
An der jetzigen Investition – insgesamt sieben Produktionslinien auf allerhöchstem technischen Niveau – sind neben den beiden Betrieben,  Rauch und Nabgehlavi, erneut schweizerische Kapitalgeber und die EBRD (European Bank for Reconstruction and Development) beteiligt. Die neue Fruchtsaftproduktion soll vor allem die naheliegenden Exportmärkte bedienen, in einem Zeitraum von fünf bis sieben Jahren sollen dann auch einige der Fruchtsaftkonzentrate direkt in Georgien hergestellt werden. 70 Hektar Obstanbau – Äpfel und Pfirsiche in der Hauptsache – sind bereits angepflanzt, die Fläche soll auf 500 Hektar erweitert werden. Sollten diese Pläne realisiert werden, wird die jetzige Investition auch enorme Folge-Investitionen vor allem in der Landwirtschaft Georgiens auslösen und weitere Arbeitsplätze schaffen.
Die Erfolgs-Geschichte von Nabeghlavi ist vor allem die Erfolgsgeschichte eines Mannes, des Hauptaktionärs der Holding-Firma Margebeli AG, Miho Svimonischvili. Zu dieser Holding gehören neben dem Nabeghlavi-Abfüller Healthy Water AG auch die Firmen Marneuli Agro GmbH, Marneuli Food Factory GmbH und die eigene
Distributionsgesellschaft Engadi GmbH. Mit diesen vier Tochtergesellschaften setzte Margebeli im Jahr 2014 insgesamt 36 Millionen US-Dollar um und bietet derzeit rund 1.000 Arbeitsplätze. Tendenz vor allem nach dieser Investition: steigend. Die Firmengruppe ist damit der größte Arbeitgeber des Landes im Agrar- und Lebensmittelsektor.

Nabeghlavi, das Miho Svimonishvili vor genau 20 Jahren mit einem schweizerischen Kredit von 50.000 US-Dollar übernommen hatte, ist heute der größte georgische Wasserproduzent mit einem Marktanteil am Inlandskonsum von etwa 55 Prozent, einem Export in 27 Länder und zwei Vertriebstöchtern im Baltikum und Zentraleuropa.

Im Jahr 2007 gründete Miho Svimonishvili einen landwirtschaftlichen Betrieb in Marneuli samt einer Konservenfabrik. Mit rund 1.000 Hektar Ackerfläche ist

Marneuli Agro GmbH der größte Landbesitzer in Georgien und baut mit modernsten Bewässerungsmethoden vor allem Gurken an, die dann in der eigenen Konservenfabrik eingemacht werden. Neben Gurken, sauren Gemüsen und diversen Saucen und Tomaten-Ketchup bietet Marneuli auch Marmeladen und andere süße Produkte an. In den Supermärkten des Landes ist die Marke mit dem großen roten M nicht zu übersehen, die nahezu einzige inländische Konserven-Marke von Bedeutung und für die Landwirtschaft der bedeutendste Abnehmer im Lande. Über 500 Tonnen Gemüse können am Tag in den modernen Produktionslinien verarbeitet werden. In der Nähe von Marneuli ist man auch mit 80 Prozent an einer großen Rinderfarm beteiligt, die vor allem Milch für einen industriellen Großabnehmer produziert. Im Jahr 2008 wurden eigens 300 Milchkühe aus der Schweiz importiert. Alle landwirtschaftlichen Betriebe und die Konservenfabrik wurden jüngst von einer Gruppe deutscher Landwirtschaftsberater besucht und mehr als nur positiv bewertet.
In Tiflis, Batumi und Kutaissi unterhält der Konzern eigene Lagerhäuser und eine moderne LKW-Flotte zur Verteilung seiner gesamten Produktpalette, die um einige Markenprodukte überwiegend aus Europa erweitert wurde. Mit rund 10.000 Verkaufsstellen werden rund 80 Prozent des Inlandsmarktes abgedeckt.

Erfolgszahlen, die dem heute 41-jährigen Unternehmer Miho Svimonishvili beileibe nicht in der Wiege vorgesungen wurden. Der Vater war Ingenieur und ist heute Generaldirektor der Holding, die Mutter Direktorin einer Privatschule mit Deutsch als erster Fremdsprache. Diese Schule gab es bereits zu Sowjetzeiten, die damals beliebte so genannte 6. Deutsche Autorisierte Schule des Germanistik-Professors Guram Ramischwili, einem Großonkel Mihos. Miho lernte auf dieser Schule Deutsch und konnte so ausweislich seines Firmen-offiziellen Lebenslaufs in den Jahren 1997-1999 in Zürich Wirtschaftswissenschaften studieren. Von da stammen auch seine exzellenten Beziehungen zu schweizerischen Investoren, die in ihm seit 20 Jahren einen mehr als zuverlässigen Partner gefunden haben. Gelobt wird in der Schweiz vor allem das stets einwandfreie Finanzgebaren der Firmengruppe. Nach einem vierjährigen Zwischenspiel in der Politik – Miho war u.a. zwei Jahre lang Landwirtschaftsminister – ist er seit dem Jahr 2009 nur noch in seinen Unternehmen beschäftigt. Mit der soliden österreichisch-schweizerischen Allianz im Hintergrund dürfte auch die künftige Entwicklung des Konzerns als einem der führenden Unternehmen des Landes gesichert sein.

Ein kleiner Nachtrag zum Lebenslauf Miho Svimonishvilis sei allerdings erlaubt und der hat jetzt etwas mit Deutschland zu tun. Gleich nach seinem Mittelschulabschluss mit Deutsch als Fremdsprache absolvierte Miho in den Jahren 2013 – 2015  vermutlich als erster – und damals wohl auch einziger – junger Georgier nach dem Zusammenbruch der UdSSR in einem deutschen Groß- und Außenhandelsbetrieb eine kaufmännische Lehre, die er mit großem Erfolg in Berufsschule und praktischer Prüfung vor einer IHK abschloss. Vielleicht ist dies auch einer der vielen Schlüssel für seine außergewöhnliche unternehmerische Karriere: eine Berufsausbildung im deutschen Dualen System und das rund 20 Jahre bevor sich Bildungsexperten aus vieler Herren Länder in Georgien die Köpfe heiß reden über die Zukunft der beruflichen Bildung im Lande…

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