{"id":955,"date":"2012-06-18T18:24:03","date_gmt":"2012-06-18T16:24:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=955"},"modified":"2018-10-31T09:23:15","modified_gmt":"2018-10-31T08:23:15","slug":"dann-war-ich-doch-wieder-hier-daheim","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=955","title":{"rendered":"&#8222;Dann war ich doch wieder hier daheim.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Diplomat und Buchautor Fried Nielsen besucht nach acht Jahren wieder Georgien\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Er war etwas unsicher, was ihn in Georgien des Jahres 2012 erwarten w\u00fcrde. Fried Nielsen, von 1992 bis 1995 st\u00e4ndiger Vertreter in der Deutschen Botschaft in Tiflis, hatte Georgien zum letzten Mal im Jahr 2004 besucht in der Delegation des damaligen deutschen Au\u00dfenministers Joschka Fischer. Damals war der Eindruck Georgiens eher bedr\u00fcckender als ein Jahrzehnt zuvor. Und heute? Der erste Eindruck? \u201eEigentlich war ich etwas entt\u00e4uscht. Die Fahrt vom Flughafen zur Stadtmitte verlief v\u00f6llig normal.\u201c Fried Nielsen wollte schon wieder umkehren, erst als der Fahrer mitten in der Nacht das Hotel nicht finden konnte, war f\u00fcr den Georgien-Oldie unter den deutschen Diplomaten die Welt irgendwie wieder in Ordnung. \u201eDa war ich dann doch wieder hier daheim.\u201c<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen das Ritual wie beim ersten Besuch in Tiflis am 8. August 1992: ein langer Spaziergang durch die Stadt und ein v\u00f6llig neues Bild. \u201eNoch nie habe ich in Tiflis so viele Menschen arbeiten sehen.\u201c\u00a0 Nielsen f\u00e4llt die positive Atmosph\u00e4re auf in der Stadt, die Kleidung ist bunter geworden, nicht mehr nur schwarz. \u201eEine Stimmung, dass man was rei\u00dfen und machen kann, dass man sein Leben aus eigenem Antrieb gestalten kann. Diese Stimmung ist neu f\u00fcr mich.\u201c<\/p>\n<p>Es wird gebaut. Aber was wird gebaut? Und wie wird gebaut? \u201eJa, ja, ich wei\u00df, diese Br\u00fccke aus Glas, die Friedensbr\u00fccke.\u201c Man m\u00fcsse sie nicht sch\u00f6n finden. Aber, dass sie das Stadtbild zerst\u00f6re, wie man ihm in Deutschland immer wieder suggerierte, \u201edas ist Quatsch. Georgien braucht auch Momente moderner Architektur, um sich neu zu erfinden.\u201c Und ob am Aghmaschenebeli-Prospekt alle Feinheiten des Denkmalschutzes ber\u00fccksichtigt wurden, m\u00fcsse er auch nicht bewerten. In Baku jedenfalls sei man weitaus unsensibler mit dem Stadtbild umgegangen als in Tiflis.<\/p>\n<p>Wer Nielsen schw\u00e4rmen h\u00f6rt, muss ihm unweigerlich die Frage stellen, ob er das Hohelied der Regierenden singe. \u201eDie Regierung kenne ich nicht, die ist mir egal. Ich beschreibe, was ich sehe. Und wer das nicht sieht, ist krank. Die Leute auf der Stra\u00dfe sehen doch viel besser aus als vor ein paar Jahren. Und Momente der Unsicherheit, die wir immer erleben mussten, werden so nicht mehr eintreten.\u201c<\/p>\n<p>Und dann schweift er in die Geschichte ab, auch in die eigene: Schewardnadse habe in schwierigsten Zeiten die Grundlage gelegt f\u00fcr eine Entwicklung, von der auch seine Nachfolger profitieren. Und das mit kr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung durch Deutschland. Nielsen erinnert sich an erste Berichte der neu errichteten Botschaft ans Amt, so hei\u00dft das deutsche Au\u00dfenministerium unter Insidern. \u201eWir m\u00fcssen unser Geld in die Modernisierung des georgischen Rechts stecken\u201c, drahtete die Botschaft in Tiflis. Der Beginn einer Erfolgsstory: \u201eWas dann mit deutscher Hilfe geschehen ist, hat das Fundament geschaffen, auf dem Staat, Verwaltung und Wirtschaft heute aufbauen.\u201c<\/p>\n<p>Nielsen ist nicht in offizieller Mission in Georgien. W\u00e4hrend der deutschen Woche stellt er sein drittes Georgien-Buch vor, nach zwei Auflagen seines Erz\u00e4hl-Klassikers \u201eWind, der weht\u201c eine georgische Antologie mit Texten \u00fcber Georgien von der Antike bis heute. Was kaum jemand wei\u00df: Mit rund 1.000 Titeln besitzt Fried Nielsen eine der gr\u00f6\u00dften Georgika-Bibliotheken. Sie k\u00f6nnte demn\u00e4chst erweitert werden, denn das Urgestein der nachsowjetischen deutschen Diplomatie in Georgien plant ein weiteres Buch, eines \u00fcber Tiflis. Sein Kurzbesuch von einer Woche, der erste nach neun Jahren, hat ihn wieder motiviert.<\/p>\n<p>Eine Story dieses Buches d\u00fcrfte unvermeidlich sein: Die Klage Nielsens \u00fcber das Verschwinden des Laghidze-Restaurants auf dem Rustaweli. Ein St\u00fcck Kulturgeschichte Georgiens ist da verschwunden, als die mit Marmorplatten ausgestaltete Trinkhalle einem modernen Bekleidungsgesch\u00e4ft weichen musste. Der deutsche Filmemacher und Regisseur Stefan Tolz, der seit Jahren in Tiflis wohnt, bereitet derzeit einen Film \u00fcber Mitrophane Laghidze vor, den Apotheker, dessen Fruchtsaft-Konzentrate, verd\u00fcnnt mit Mineralwasser, mehrere Generationen von Georgiern liebten und sch\u00e4tzten. Heute kommen die Konzentrate f\u00fcr Erfrischungsgetr\u00e4nke aus \u00dcbersee. Und einer der Enkel Laghidzes arbeitet l\u00e4ngst f\u00fcr eine Marke mit weltweiter Pr\u00e4senz. Und Fred Nielsen w\u00fcrde viel daf\u00fcr geben, in dem Film eine kleine Nebenrolle spielen zu d\u00fcrfen\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Diplomat und Buchautor Fried Nielsen besucht nach acht Jahren wieder Georgien\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Er war etwas unsicher, was ihn in Georgien des Jahres 2012 erwarten w\u00fcrde. 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