{"id":936,"date":"2012-06-16T09:12:53","date_gmt":"2012-06-16T07:12:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=936"},"modified":"2012-06-16T09:12:53","modified_gmt":"2012-06-16T07:12:53","slug":"eleganz-und-torgefahrlichkeit-madchenfusball-im-kaukasus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=936","title":{"rendered":"Eleganz und Torgef\u00e4hrlichkeit &#8211; M\u00e4dchenfu\u00dfball im Kaukasus"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=937\" rel=\"attachment wp-att-937\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-937\" title=\"juni_maedchenfussball_DSC_0530\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/juni_maedchenfussball_DSC_0530-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/juni_maedchenfussball_DSC_0530-300x199.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/juni_maedchenfussball_DSC_0530-150x99.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/juni_maedchenfussball_DSC_0530.jpg 425w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ein Bericht vom Vierl\u00e4ndertunier der U-17 M\u00e4dchenationalmannschaft\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Von Kathrin Schneider\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Von weitem ert\u00f6nt der Klassiker &#8222;Life is Life&#8220;, hoch auf der Trib\u00fcne des Dinamo Stadions wehen die Fahnen der T\u00fcrkei, Aserbaidschans, Kasachstans, Georgiens und der FIFA. Kein Zweifel, hier findet heute ein internationales Fu\u00dfballspiel statt. Genauer gesagt handelt es sich um die Endrunde des Vierl\u00e4ndertuniers der U-17 Nationalauswahl: Georgien gegen die T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Doch von den schwarzen Lederjacken, die sich \u00fcblicherweise Sonnenblumenkerne kauend durch die Eing\u00e4nge des Stadions w\u00e4lzen, keine Spur. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn tummeln sich lediglich rund 20 Zuschauer auf der Trib\u00fcne, bei Anpfiff sind es immerhin rund 150. Vielleicht liegt es an der Kleinigkeit, dass heute M\u00e4dchen um den Pokal ringen. Die wenigen Zuschauer allerdings warten nerv\u00f6s auf den Anpfiff. Hier scheint jeder jeden zu kennen. Man begr\u00fc\u00dft sich mit Handschlag und fachsimpelt \u00fcber Georgiens Chancen, das Match zu gewinnen. Fragt man nach dem Ursprung des &#8211; offensichtlich ungew\u00f6hnlichen &#8211; Interesses f\u00fcr die Begegnung, so lautet die Antwort meist, eine Freundin oder Schwester spiele mit. Den Ursprung f\u00fcr die geringe Popularit\u00e4t des georgischen Frauenfu\u00dfballs allgemein sehen viele in der fehlenden Werbung und der geringen staatlichen Unterst\u00fctzung. Die Vermutung, dass Fu\u00dfball spielende M\u00e4dchen in der georgischen Mehrheitsgesellschaft weniger akzeptiert sind, weil sie dem Bild dessen, was junge M\u00e4dchen ausmachen sollten nicht in gleicher Weise entsprechen wie etwa jene, die im georgischen Ballett tanzen, weisen die Befragten entschieden zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&#8222;Der Frauenfu\u00dfball braucht einfach mehr Infrastruktur und mehr Sponsoren. Leider gibt es auch zu wenig Interessentinnen f\u00fcr diesen Sport,&#8220; lautet Wasilis Mleradidisis Einsch\u00e4tzung. Er ist mit seinen zwei Br\u00fcdern hergekommen, um seine Schwester zu unterst\u00fctzen. Bei soviel Interesse f\u00fcr den georgischen Frauenfu\u00dfball hake ich nach und frage, ob die Br\u00fcder es ebenso begr\u00fc\u00dfen w\u00fcrden, wenn ihre Ehefrauen und Freundinnen aktiv in diesen Sport einsteigen w\u00fcrden. &#8222;Naja&#8220;, z\u00f6gert Konstantin, &#8222;sie k\u00f6nnte schon Fu\u00dfball spielen, aber sie darf halt nicht vergessen, dass sie elegant und sch\u00f6n sein soll.&#8220; Auch die anderen zwei Br\u00fcder antworten zur\u00fcckhaltend. W\u00e4hrend sie der kleinen Schwester eine Profikarriere w\u00fcnschen, sind sie sich einig, dass sich Fu\u00dfball f\u00fcr die Partnerinnen doch nicht so gut eigne, zumal es die Frauen auch \u00e4u\u00dferlich zu ihrem Nachteil ver\u00e4ndere, sie zu m\u00e4nnlich mache.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund unterhalte ich mich mit den georgischen und aserbaidschanischen Spielerinnen. Die Tiflisserinnen Ana Sakaridse und Nasi Dsidsiguri begeisterten sich schon fr\u00fch f\u00fcr den Sport. &#8222;Als mein Bruder angefangen hat zu spielen, habe ich einfach mit gekickt&#8220;, erz\u00e4hlt Nasi. Sie sei immer besser geworden und schlie\u00dflich in die U17- Nationalmannschaft gekommen.\u00a0 Anf\u00e4ngliche Ironie h\u00e4tte sich in positives Feedback verwandelt, als die Leute erstaunt feststellten, wie gut sie spielte, schildert Ana die Reaktion von Eltern und Freunden. Die M\u00e4dchen sehen ihre berufliche Zukunft im Fu\u00dfball und w\u00fcrden dies auch gerne in ihrem Heimatland Georgien verwirklichen.<\/p>\n<p>Die Fu\u00dfballliebe der aserbaidschanischen Spielerinnen Suneyla Ilter, Melis Saraltin und Sabrina Ronaghi beginnt ebenso auf dem Bolzplatz oder auf der Stra\u00dfe, an der Seite der Br\u00fcder und Cousins. &#8222;Aber es hat lange gedauert, bis meine Eltern akzeptiert haben, dass ich zum Fu\u00dfball m\u00f6chte und nicht Basketball spielen oder schwimmen will&#8220;, erz\u00e4hlt Suneyla, die zwar einen aserbaidschanischen Pass hat und daher in der aserbaidschanischen Nationalauswahl spielt, aber in Berlin-Neuk\u00f6lln zu Hause ist. Warum sie gerade diese Sportart f\u00fcr sich ausgesucht haben, frage ich die M\u00e4dchen. &#8222;Beim Fu\u00dfball kannst du alles vergessen. Probleme in der Schule, schlechte Noten. Das ist dann auf einmal alles weg und man konzentriert sich nur aufs Spiel&#8220; antwortet Melis, die in K\u00f6ln aufwuchs. Eltern und Freunde h\u00e4tten sie stets unterst\u00fctzt. Selbst der muslimische Glaube stand dem Sport nicht im Weg. F\u00fcr Sabrina und Suneyla z\u00e4hlen vor allem der Mannschaftsgedanke und die &#8222;coolen Tricks&#8220;, die sie noch lernen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Wenn sie zum Fu\u00dfball spielen in Aserbaidschan sind, leben sie gemeinsam mit den \u00fcbrigen aserbaidschanischen M\u00e4dchen in der sogenannten Akademie, eine Art Fu\u00dfballinternat f\u00fcr die Kaderspielerinnen, dass 2010 eigens zur F\u00f6rderung des aserbaidschanischen M\u00e4dchenfu\u00dfballs gegr\u00fcndet wurde. Federf\u00fchrend bei diesem Unternehmen war und ist die ehemalige deutsche Nationalspielerin und langj\u00e4hrige Trainerin Sissi Raith. Seit zwei Jahren arbeitet sie als Trainerin der U-17 M\u00e4dchennationalmannschaft in Baku. &#8222;Bevor ich kam, gab es dort nichts, keinen Spielbetrieb, keine Mannschaften. Wir haben buchst\u00e4blich bei Null angefangen. Diese Idee, in einem Land wie Aserbaidschan so etwas aufzubauen war so verr\u00fcckt, das musste ich einfach machen. Ich h\u00e4tte es sonst immer bereut&#8220;, schildert sie ihre Beweggr\u00fcnde. Bis September 2012, wenn Aserbaidschan Austragungsort der U-17 Weltmeisterschaft der M\u00e4dchen sein wird, wirkt sie am Aufbau einer tragf\u00e4higen Fu\u00dfballstruktur mit. Und ihre bisherige Bilanz f\u00e4llt positiv aus: Landesweite Scoutings, integrierte Trainings mit den Eliteteams der Jungen und intensives Coaching im Rahmen der Fu\u00dfballakademie tragen Fr\u00fcchte. Der aserbaidschanische M\u00e4dchenkader ist wahrscheinlich der am st\u00e4rksten trainierte und gef\u00f6rderte der gesamten Region. Raiths Wunsch f\u00fcr die WM im Herbst: &#8222;Uns m\u00f6glichst teuer verkaufen und zeigen, dass wir in zwei Jahren ein Fundament aufgebaut haben, auf das man stolz sein kann. Ich hoffe, dass so noch viele Frauen und M\u00e4dchen zum Fu\u00dfball spielen motiviert werden.&#8220;<\/p>\n<p>Leider hei\u00dft der Sieger dieses Finales weder Aserbaidschan noch Georgien. Die T\u00fcrkei wird ihrer Favoritenrolle gerecht und erzielt das entscheidende Tor in der 81. Minute. Dennoch ist bei den Georgierinnen die Freude \u00fcber den zweiten Platz und die eigene gute Leistung un\u00fcbersehbar. Und au\u00dferdem: Sonnenblumenkerne gab es auch. Der Frauenfu\u00dfball im Kaukasus ist auf dem Weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bericht vom Vierl\u00e4ndertunier der U-17 M\u00e4dchenationalmannschaft\u00a0\u00a0\u00a0 Von Kathrin Schneider\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Von weitem ert\u00f6nt der Klassiker &#8222;Life is Life&#8220;, hoch auf der Trib\u00fcne des Dinamo Stadions wehen die Fahnen der T\u00fcrkei, Aserbaidschans, Kasachstans, Georgiens und der FIFA. 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