{"id":931,"date":"2012-06-16T09:03:45","date_gmt":"2012-06-16T07:03:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=931"},"modified":"2012-06-16T09:03:45","modified_gmt":"2012-06-16T07:03:45","slug":"ruckblende-ein-stadion-im-candlelight","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=931","title":{"rendered":"R\u00fcckblende: Ein Stadion im Candlelight"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=932\" rel=\"attachment wp-att-932\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-932\" title=\"juni_fussball_blackout\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/juni_fussball_blackout-300x211.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"211\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/juni_fussball_blackout-300x211.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/juni_fussball_blackout-150x105.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/juni_fussball_blackout.jpg 425w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u00dcber ein Fu\u00dfballspiel der ganz anderen Art\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>von Rainer Kaufmann\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Es h\u00e4tte ein ganz gro\u00dfes Fu\u00dfballfest werden sollen, das EM-Qualifikationsspiel zwischen Georgien und Russland im Oktober 2002. Ein Sportereignis, das von beiden Seiten dazu auserkoren war, die politisch-propagandistischen Spannungen zwischen den L\u00e4ndern zu \u00fcberspielen. Staatspr\u00e4sident Schewardnadse war im Stadion, der Vorsitzende des russischen F\u00f6derationsrates Sergej Mironow und der nordossetische Pr\u00e4sident\u00a0 Alexander Dsassochow, fr\u00fcher ein enger Mitarbeiter Gorbatschows und damit wohl auch ein Vertrauter Schewardnadses. Und das alles im nagelneuen Lokomotive-Stadion, einem richtigen Schmuckk\u00e4stchen, finanziert von der staatlichen georgischen Eisenbahn. Dem Staatschef war das Spiel so wichtig, dass er sich tags zuvor in einem Telefonat mit dem Nationaltrainer ausf\u00fchrlich \u00fcber den Stand der Vorbereitungen erkundigt hatte. Und die Sportzeitung Trib\u00fcne, die im Stadion kostenlos verteilt wurde, zierte eine Karikatur, in der ein frisch gelockter Schewardnadse einem etwas trostlos dreinschauenden Torwart Putin mit strammen Schuss das Leder im Netz versenkt.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident des russischen Fu\u00dfballverbandes, Wjatscheslaw Koloskow, hatte noch am Vorabend davon gesprochen, dass seine Delegation keinerlei besonderen Sicherheitsmassnahmen von Tiflis verlangt habe, da man doch zu &#8222;engen Freunden&#8220; gekommen sei. Trotzdem sorgten un\u00fcbersehbar einige Tausend Polizeibeamte f\u00fcr Ordnung und Sicherheit.<\/p>\n<p>Und dann der gro\u00dfe Knall in der 39. Minute: Ausfall der Flutlichtanlage. Totale Dunkelheit, die von Tausenden von Feuerzeugen und brennenden Programmheftchen nur sp\u00e4rlich aufgehoben werden konnte. Ein Stadion im Candlelight. Nach wenigen Minuten konnte die Flutlichtanlage wieder angefahren werden. Allerdings: P\u00fcnktlich mit dem Pausenpfiff ging sie wieder in die Knie und versagte vollkommen. Was als sportlich-friedliches Ende im georgisch-russischen Propagandakrieg der letzten Wochen gedacht war, geriet zur gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Blamage f\u00fcr das Land und vor allem seinen Pr\u00e4sidenten, der zusammen mit einigen Ehreng\u00e4sten aus Russland das Stadion in v\u00f6lliger Dunkelheit verlassen musste. Dem Publikum wurde nichts mitgeteilt, es durfte in der Finsternis \u00fcber eine Stunde ausharren, bis Ehreng\u00e4ste und Kicker den Stadionbereich verlassen hatten und die Sicherheitsorgane es wagten, die Schleusen zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war sofort von Sabotage die Rede, von finsteren M\u00e4chten, die die Regierung blamieren oder gar st\u00fcrzen wollten oder eben einfach nur etwas dagegen hatten, dass da entgegen aller Medienhysterie, die politische Spannungen auf den Rasen \u00fcbertragen wollte, nichts anderes stattfand als ein\u00a0 Sportwettkampf zweier Profiteams in erstaunlich freundschaftlicher Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>Was war geschehen? Nach einem Tag schon erbrachten die technischen Untersuchungen ein klares Bild: Der Grund f\u00fcr den Ausfall der Flutlichtanlage ist wohl eher in einer ungl\u00fcckseligen Kette von Schlampereien bei der Installation und beim Betrieb der elektrischen Anlage des Stadions zu suchen. Die Stromversorgung ins Stadion war nachweislich nicht unterbrochen wie auch die gesamte Stadt an diesem Abend mit Strom versorgt worden war.<\/p>\n<p>Der Erst-Schaden entstand im Stadion-internen Elektrosystem, das wenige Tage zuvor erst von der t\u00fcrkischen Lieferfirma gestestet worden war. Bis zu diesem Punkt der Ereignisse ist eigentlich alles noch normal abgelaufen, ein technischer Schaden kann \u00fcberall auf der Welt passieren. Aber der weitere Fortgang der Geschichte, soweit er rekonstruiert werden konnte, ist nicht nur f\u00fcr den Kenner des Landes mehr als nur pikant.<\/p>\n<p>Nach Auskunft von Elektrizit\u00e4tsexperten h\u00e4tte man den Spannungsregulator mit einer einfachen Schaltung relativ leicht und in wenigen Minuten reparieren k\u00f6nnen. Aber anscheinend war kein entsprechend erfahrener Fachmann vor Ort und es gab keine technischen Instruktiontn auf georgisch, englisch oder russisch, nur auf t\u00fcrkisch und im Augenblick der Katastrophe war niemand zugegen, der dieser Sprache m\u00e4chtig war. Pikant ist auch, dass das Lokomotive-Stadion, wie der Name vermuten l\u00e4sst, auf der Bilanz der staatlichen Eisenbahnverwaltung steht, die es finanziert und gebaut hat. Und diese sollte, wie man vor dem Fu\u00dfballspiel annehmen durfte, doch etwas von Elektrizit\u00e4t und dem Umgang mit derselben verstehen.<\/p>\n<p>Innerhalb weniger Minuten aber konnte der Generator gez\u00fcndet und die Flutlichtanlage wieder hochgefahren werden. Allerdings nur f\u00fcr wenige Minuten, denn der Generator war v\u00f6llig unzureichend bel\u00fcftet, lief nach nur kurzer Zeit hei\u00df und gab den Geist auf. Den Probelauf des Generators, wenige Tage zuvor unter Aussicht t\u00fcrkischer Ingenieure, hatte man bei offenen T\u00fcren des Generatorenhauses gefahren, wie es die technischen Vorschriften besagen. Da aber im Vorfeld des Spiels Propagandisten beider L\u00e4nder die Stimmung angeheizt hatten, hatte der zust\u00e4ndige Sicherheitsoffizier angeordnet, die T\u00fcren des Generatorenhauses zu schlie\u00dfen, um den Generator vor einem eventuellen Terrorangriff hysterischer Fans zu sch\u00fctzen. Ein Treppenwitz mit Folgen.<\/p>\n<p>Erstaunlich war, wie ruhig und gelassen die rund 20.000 Fu\u00dfballfans, die zwischen zehn und 50 Lari f\u00fcr ein Ticket zu zahlen hatten, den Abbruch des Spiels hinnahmen. Lediglich ein paar Jugendliche, die kein Ticket mehr erstehen konnten und vor dem Stadion warteten, haben den Bus mit den russischen Fu\u00dfballern mit Steinen und Eiern beworfen, ein Vorgang, den der Pr\u00e4sident des russischen Fu\u00dfballverbandes mit der Bemerkung herunterspielte, so etwas komme in allen Stadien der Welt vor. Auch die georgischen Sicherheitsbeh\u00f6rden lobten unisono die Disziplin der georgischen Fans, die sich wegen des Spielabbruchs zu keinerlei Provokationen h\u00e4tten hinrei\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>Im russischen Fernsehen wurde der ganze Vorfall jedoch v\u00f6llig anders bewertet. Die &#8222;Ereignisse von Tiflis&#8220; waren einem russischen Staatssender rund zwei Stunden nach dem Stromausfall sogar eine 20-min\u00fctige Sondersendung mit einigen Live-Schaltungen nach Tiflis wert. Dabei wurde immer wieder die einzige Einstellung gezeigt, als ein Wurfgeschoss den Bus der russischen Nationalmannschaft traf. Und ein Telefon-Interview mit einem Reporter direkt am Flughafen beim Einchecken zum Charterflug nach Wolgograd erweckte gar den Eindruck, die russischen Spieler h\u00e4tten Georgien aus Sicherheitsgr\u00fcnden Hals \u00fcber Kopf verlassen m\u00fcssen. Tatsache ist, dass die Kicker bereits zwei Stunden vor dem Spiel um 18.00 Uhr im Sheraton-Metechi-Palace ausgecheckt hatten, ihr sofortiger Abflug nach dem Spiel war Wochen vorher schon geplant, da in Wolgograd wenige Tage danach ein weiteres EM-Qualifikationsspiel auf dem Spielplan stand. Aus diesem Grund lehnten die Russen auch eine Wiederholung des Georgienspiels sofort am Sonntag, wie es in den UEFA-Statuten vorgesehen ist, ab. Die Wiederholung fand dann im M\u00e4rz statt. Diesmal ohne Stromausfall und mit einem Sieg der Georgier. Das Vorspiel zum Nachspiel allerdings, die Verhandlungen der beiden Fu\u00dfballverb\u00e4nde in Moskau, musste \u00fcbrigens auch unterbrochen werden. Dieses Mal wartete der russische Fu\u00dfballverband mit einem Stromausfall auf.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.georgien-news.de\">www.georgien-news.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber ein Fu\u00dfballspiel der ganz anderen Art\u00a0\u00a0\u00a0 von Rainer Kaufmann\u00a0\u00a0\u00a0 Es h\u00e4tte ein ganz gro\u00dfes Fu\u00dfballfest werden sollen, das EM-Qualifikationsspiel zwischen Georgien und Russland im Oktober 2002. 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