{"id":799,"date":"2012-05-17T07:23:25","date_gmt":"2012-05-17T05:23:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=799"},"modified":"2012-05-18T13:34:57","modified_gmt":"2012-05-18T11:34:57","slug":"heute-in-tiflis-30-jahre-universitats-partnerschaft-tiflis-saabrucken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=799","title":{"rendered":"Gert Hummel &#8211; Hochschullehrer und Bischof"},"content":{"rendered":"<p>Heute begehen die Universit\u00e4ten Saarbr\u00fccken und Tiflis das 30-j\u00e4hirge Bestehen ihrer Partnerschaft. Aus diesem Anlass portraitieren wir eine der wichtigsten Pers\u00f6nlichkeiten dieser Geschichte auf deutscher Seite: Prof. Dr. Gert Hummel, der im\u00a0 M\u00e4rz 2004 in Tiflis gestorben ist.<\/p>\n<p><strong>Der erste Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien<\/strong><\/p>\n<p>Zu den eindrucksvollsten Pers\u00f6nlichkeiten der deutsch-georgischen Geschichte der Neuzeit geh\u00f6rt zweifelsohne Gert Hummel. Der Theologie-Professor kam bereits in den 80-er Jahren als Partnerschaftsbeauftragter der Universit\u00e4t Saarbr\u00fccken nach Georgien. Viele Germanistik-Studenten Georgiens verdankten Hummel einen Studienaufenthalt in Deutschland, lange bevor bundesdeutsche Institutionen diese Aufgabe offiziell \u00fcbernahmen. Und Hummel hatte sich immer mit viel Engagement auch der Betreuung \u201eseiner\u201c Austausch-Studenten gewidmet.<br \/>\nWie er nach einem erfolgreichen Berufsleben als Theologe und Wissenschaftler auf die Idee kam, im Kaukasus noch einmal von ganz vorne anzufangen, erz\u00e4hlte er ausgerechnet beim Abendessen anl\u00e4sslich seiner Bischofsweihe. Ein Professor f\u00fcr Atheismus der georgischen Universit\u00e4t machte ihn am Rande eines offiziellen Partnerschaftstreffen darauf aufmerksam, dass in Tiflis noch ein paar verstreute Reste deutscher Protestanten lebten, Nachfahren jener schw\u00e4bischen Aussiedler, die Anfang des 19. Jahrhunderts zumeist aus wirtschaftlicher Not aus ihrer Heimat ausgewandert waren. Der Schwabe und Protestant Hummel entdeckte urpl\u00f6tzlich einen Teil seiner pers\u00f6nlichen Wurzeln wieder, denn unter den Aussiedlern damals waren auch entfernte Vorfahren Hummels, die im azerischen Dorf Chanlar, fr\u00fcher Helenental, eine Weinhandlung &#8222;Gebr\u00fcder Hummel&#8220; f\u00fchrten. Dies freilich erfuhr auch Hummel erst, als er bereits im Kaukasus war und die Geschichte seiner Schwaben hier recherchierte.<\/p>\n<p>Hummel suchte fortan bei seinen universit\u00e4ren Dienstreisen nach Georgien die kleine protestantische Rest-Gemeinde von Tiflis auf, um mit ihnen Gottesdienst zu feiern. Der Rest der Geschichte ist schnell erz\u00e4hlt: Nach seiner Emeritierung verkaufte Hummel einen Teil seines ererbten Privatbesitzes, um damit und mit zus\u00e4tzlich gesammelten Spenden eine neue protestantische Kirche in Tiflis zu bauen, die er Vers\u00f6hnungskirche nannte. Zusammen mit seiner Frau zog er dann nach Georgien, um zun\u00e4chst als Gemeindepastor noch einmal von vorne zu beginnen. Aus der kleinen Gemeinde wurde kirchenrechtlich eine eigenst\u00e4ndige Landeskirche, aus dem Pastor ein Bischof, der erste evangelisch-lutherische Bischof in Georgien.<\/p>\n<p>Neben der Seelsorge widmete sich Hummel vor allem der Diakonie in Georgien, seiner Diakonie, f\u00fcr die er nie m\u00fcde wurde, in Deutschland Geld einzusammeln. Urlaubsreisen in die Heimat waren f\u00fcr den Unerm\u00fcdlichen nie reine Erholung: Vortr\u00e4ge, Begegnungen, Kollekten. Wie vielen Menschen er im Alltag geholfen hat, wie viele Leute, auch aus seiner privaten Tasche bezahlt, ein festes Monatseinkommen von ihm erhielten, hat er nie offen gelegt. Aber dass er als Kirchenmann damals die Lohnsumme eines mittleren georgischen Unternehmens bewegte, darauf hat er hin und wieder mit Stolz verwiesen.<\/p>\n<p>Hummel stand f\u00fcr eine Kirche im Leben und nicht im Jenseits. Sicher, in der Orthodoxie erkannte der moderne Theologe aus Deutschland auch eine kontemplative Seite des Christentums, eine feiernde und feierliche, eine Seite, aus der die manchmal etwas n\u00fcchtern wirkenden deutschen Protestanten durchaus auch ihre Anregungen beziehen konnten. Aber ein wenig mehr an sozialem Engagement h\u00e4tte er sich von seinen christlichen Amtsbr\u00fcdern der lokalen Kirche hie und da schon gew\u00fcnscht.<br \/>\nHummel hat sich intensiv der Zusammenarbeit mit der Orthodoxie gewidmet, so schwer dieses Feld auch zu beackern war. F\u00fcr einen Teil des orthodoxen Klerus war Hummel ein unbequemer, weil in Diakonie und Jugendarbeit erfolgreicher Mann. Mit dem Patriarchen versuchte er, trotz aller Spannungen zwischen Orthodoxie und den anderen christlichen Religionen das freundschaftliche Verh\u00e4ltnis weiter zu pflegen, das er zu Zeiten seiner Saarbr\u00fccker Universit\u00e4ts-Missionen in Georgien zum ihm aufgebaut hatte. Der offizielle Umgang zwischen Bischof und Patriarch war l\u00e4ngst ein institutioneller, ein schwieriger Balanceakt, zumal der Patriarch damals von seinem Obersten Synod gedr\u00e4ngt worden war, aus dem Rat der Weltkirchen auszutreten, dem er jahrelang in f\u00fchrender Position angeh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p>Hummel war auch ein Mann der klaren politischen Ansprache. In der Predigt anl\u00e4sslich seiner Bischofsweihe prangerte er die Unf\u00e4higkeit und Ungerechtigkeit eines Staates und einer Gesellschaft an, die \u2013 damals &#8211; ihre Renten nicht bezahlten, die kurz vor dem Wahltag aber Stromzuteilungen gew\u00e4hrten, tags danach aber in \u201ezynischer Menschenverachtung\u201c (Originalton Hummel) das ganze Land wieder im Dunkel einer der Korruption geschuldeten Energiekrise versinken lie\u00dfen. Mit dem Bischofskreuz, so Hummel damals in einer Klarheit, die beeindruckte, stehe er auch in der Verpflichtung, sich gegen die M\u00e4chtigen zu stellen und f\u00fcr die Schwachen zu einzutreten.<br \/>\nNach seinem Tod f\u00fchrte Hummel Witwe, Christiane Hummel, das Diakonische Werk in Tiflis bis heute weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute begehen die Universit\u00e4ten Saarbr\u00fccken und Tiflis das 30-j\u00e4hirge Bestehen ihrer Partnerschaft. Aus diesem Anlass portraitieren wir eine der wichtigsten Pers\u00f6nlichkeiten dieser Geschichte auf deutscher Seite: Prof. Dr. Gert Hummel, der im\u00a0 M\u00e4rz 2004 in Tiflis gestorben ist. 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