{"id":751,"date":"2012-05-13T21:41:30","date_gmt":"2012-05-13T19:41:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=751"},"modified":"2012-05-13T22:03:51","modified_gmt":"2012-05-13T20:03:51","slug":"viele-wege-fuhren-zur-toleranz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=751","title":{"rendered":"Viele Wege f\u00fchren zur Toleranz"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=761\" rel=\"attachment wp-att-761\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-761\" title=\"Seminar der Friedrich Naumann Stiftung f\u00fcr die Freiheit\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_4_naumann_seminar_STF_0227.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"241\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_4_naumann_seminar_STF_0227.jpg 283w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_4_naumann_seminar_STF_0227-150x127.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/a>Seminar der Naumann-Stiftung zur Religionsfreiheit in Georgien<\/strong><\/p>\n<p>Wenn zwei dasselbe sagen, ist noch lange nicht gesagt, dass sie dasselbe meinen. Der Vertreter des georgischen Patriarchats, der Priester David Sharashenidze, definierte religi\u00f6se Toleranz aus der Geschichte des Landes, in der andere Religionen wie Muslime oder Juden niemals diskriminiert sondern immer toleriert wurden, wobei er nicht verga\u00df zu erw\u00e4hnen, dass w\u00e4hrend der russischen Zarenherrschaft die georgische autokephale orthodoxe Kirche vom russischen Imperator unterdr\u00fcckt und ihrer Rechte beraubt worden war. Schon aus dieser historischen Erfahrung heraus sei die georgische Orthodoxie zur Toleranz verpflichtet.<\/p>\n<p>Bischof Kiderlen von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien bezeichnete diesen historischen Toleranz-Begriff als eine \u201eethnische Toleranz\u201c, in der die gastgebende Ethnie den zu Gast weilenden anderen Ethnien lediglich den Schutz des Gastgebers zubilligt. F\u00fcr eine moderne Auffassung von Toleranz, die Respekt vor der individuellen Glaubensentscheidung von Personen einfordert, reiche diese Herleitung des Begriffs Toleranz nicht aus. Religionsfreiheit sei das erste Menschenrecht \u00fcberhaupt, postulierte das Oberhaupt einer der kleinsten Kirchen des Landes.<\/p>\n<p>Wie leicht h\u00e4tte sich aus diesen Positionierungen heraus eine hochinteressante, theoretische Diskussion entwickeln k\u00f6nnen. Dass es dazu beim Seminar \u201eReligionsfreiheit und Toleranz in Georgien\u201c der Friedrich Naumann Stiftung f\u00fcr die Freiheit nicht kam, lag dann auch an den Vertretern \u00a0georgischer Religionsminderheiten, die mehr als engagiert jeweils ihre eigenen Interessen vortrugen. Der katholische Vertreter zum Beispiel bem\u00e4ngelte, dass die Orthodoxie mit dem 2002 geschlossenen Konkordat ihren fr\u00fcheren Besitz wieder erhielt, was den Katholiken im Lande verwehrt wurde. Die fr\u00fchere katholische Kirche von Batumi dient bis heute als orthodoxes Gotteshaus. \u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich auch der Vertreter der armenischen Kirche in Georgien. Alle Minderheiten-Religionen bem\u00e4ngelten unisono, dass sie nicht denselben rechtlichen Status h\u00e4tten wie die Orthodoxie.<\/p>\n<p>Schwere Vorw\u00fcrfe kamen von den Muslimen Adschariens, die sich einer massiven Christianisierungskampagne gegen\u00fcber sehen. Jungen muslimischen Georgiern in Adscharien w\u00fcrde erkl\u00e4rt, nur die orthodoxe Konfession sei die wahre georgische Konfession. Und wer als Georgier nicht orthodox sei, erkl\u00e4re sich selbst zum Feind Georgiens. \u201eWir sind Georgier und keine orthodoxen Christen. Sagen Sie uns bitte: Sind wir jetzt auch Feinde Georgiens?\u201c war eine konkrete Frage an den Vertreter des Patriarchats.<\/p>\n<p>Diskussionen gab es auch um die Frage, wie viele Moscheen die adscharischen Muslime br\u00e4uchten, wobei der Vertreter der Orthodoxie die vorhandenen islamischen Gottesh\u00e4usern als t\u00fcrkische Moscheen auf georgischem Territorium bezeichnete und die Frage aufwarf, warum es keine georgischen Gottesh\u00e4user in der T\u00fcrkei g\u00e4be. Au\u00dferdem sei den Georgiern in Adscharien der muslimische Glaube w\u00e4hrend der t\u00fcrkischen Besatzung mit Gewalt aufgezwungen worden.<\/p>\n<p>Alle Vertreter waren sich einig, der Dialog unter den Religionen im Lande sei erheblich verbesserungsw\u00fcrdig, wobei dann wieder unklar blieb, was denn die eine oder andere Seite unter Dialog verstehen will und von ihm erwartet. Der von allen an die Orthodoxie gerichtete Wunsch, Eheschlie\u00dfungen zwischen Angeh\u00f6rigen verschiedener Religionen zu erleichtern, wurde vom Vertreter der Orthodoxie dann allerdings kurz und knapp beschieden: \u201eDas Sakrament der Ehe kann nur zwischen Menschen gestiftet werden, die beide orthodox getauft sind.\u201c Der Dialog zwischen den Religionen und Kirchen d\u00fcrfe grundlegende theologische Positionen nicht tangieren. Es gibt eben doch verschiedene Weisen, Toleranz zu praktizieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seminar der Naumann-Stiftung zur Religionsfreiheit in Georgien Wenn zwei dasselbe sagen, ist noch lange nicht gesagt, dass sie dasselbe meinen. Der Vertreter des georgischen Patriarchats, der Priester David Sharashenidze, definierte religi\u00f6se Toleranz aus der Geschichte des Landes, in der andere &hellip; <a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=751\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":[],"categories":[1],"tags":[155,156,154,157],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/751"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=751"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/751\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":753,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/751\/revisions\/753"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}