{"id":716,"date":"2012-05-12T11:17:01","date_gmt":"2012-05-12T09:17:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=716"},"modified":"2012-05-12T11:17:01","modified_gmt":"2012-05-12T09:17:01","slug":"tourismus-im-aufwind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=716","title":{"rendered":"Tourismus im Aufwind?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Georgian National Tourist Agency pr\u00e4sentiert die Tourismuszahlen f\u00fcr 2011<\/strong><\/p>\n<p><strong>Von Daniel Nitsch<\/strong><\/p>\n<p>Die Bem\u00fchungen Georgiens, das Land f\u00fcr den Tourismus attraktiv zu gestalten, waren in den letzten Jahren gewaltig. Die Hauptstadt Tiflis wird stetig renoviert und neue Hotels schie\u00dfen wie Pilze aus dem Boden. Auch an der Schwarzmeerk\u00fcste wird flei\u00dfig gebaut und ein weiterer Fokus liegt im Winter- und Bergsporttourismus. Spezielle Themenreisen wie \u201eWein in Kachetien\u201c sollen au\u00dferdem Nischen f\u00fcllen, um im harten internationalen Konkurrenzkampf punkten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Tourismus wird als gr\u00f6\u00dfte Hoffnung der Georgischen Wirtschaft gesehen, die seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion sehr von Importen abh\u00e4ngig ist. Daher sind die touristischen Pl\u00e4ne der Regierung durchaus ambitioniert, wenn auch kostspielig. Diese Bem\u00fchungen bringen erste Erfolge, in 2011 reisten 2,8 Millionen Personen mit ausl\u00e4ndischer Staatsb\u00fcrgerschaft nach Georgien ein, das ist ein Plus von 39 Prozent gegen\u00fcber 2010 und mehr als sieben mal soviel wie im Jahr 2000. Jedoch fiel das Wachstum geringer aus als erhofft, die angestrebte Zahl von drei Millionen wurde knapp verfehlt.<\/p>\n<p>Die Daten stammen von den Georgischen Grenzbeh\u00f6rden, die nicht nur Touristen sondern alle Einreisen erfassen. Nur 60 % dieser Einreisen erfolgten zu touristischen Zwecken, sch\u00e4tzt die National Tourist Agency, ein Anteil, den Fachleute allerdings als viel zu hoch einsch\u00e4tzen. Nach Vorgaben der Welttourismus-Organisation allerdings ist jeder, der eine Landesgrenze \u00fcberschreitet, ein Tourist.<\/p>\n<p>Nach Herkunftsregionen stammen 62 Prozent der Ausl\u00e4nder, die 2011 nach Georgien eingereist sind, aus der GUS, etwa 6 Prozent aus den \u00fcbrigen Europ\u00e4ischen Staaten (ohne T\u00fcrkei) und 3 Prozent aus Asien. 86 Prozent der erfassten Einreisen erfolgten von Staatsb\u00fcrgern der Nachbarstaaten. Die T\u00fcrkei, Aserbaidschan und Armenien liegen, in dieser Reihenfolge, auf den Top-Pl\u00e4tzen und stellten jeweils etwa ein Viertel aller Touristen in der Statistik; zehn Prozent aller Einreisen erfolgten von Staatsb\u00fcrgern der Russischen F\u00f6deration. Es ist aufgrund der Zahlen also davon auszugehen, dass ein gro\u00dfer Teil der Einreisen auf den kleinen Grenzverkehr entfallen.<\/p>\n<p>Das Top-EU-Land befindet sich hinter dem Iran, der Ukraine, Israel und den USA auf Platz 9 der Rangliste: 22.204 das hei\u00dft 0,8 Prozent aller eingereisten Ausl\u00e4nder sind Staatsb\u00fcrger der Bundesrepublik Deutschland. Der Zuwachs lag von 2010 bis 2011 bei 26 Prozent und fiel damit unterdurchschnittlich aus. Die beiden anderen deutschsprachigen L\u00e4nder scheinen in der Liste unter \u201eferner liefen\u201c auf. 3.144 Einreisen \u00d6sterreichischer und 2.378 Einreisen Schweizer Staatsb\u00fcrger wurden im Jahr 2011 registriert.<\/p>\n<p>Der Anstieg an Einreisen aus Europa lag mit 35 Prozent im Durchschnitt. Die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dften Zuw\u00e4chse wurden von Reisenden aus Russland (plus 60 Prozent auf 280.000) und dem Iran (plus 180 Prozent auf 60.000) verzeichnet. Ein weiterer Wachstumsmarkt ist der Asiatische Raum. Aus Kasachstan kamen 2011 18.500 Personen nach Georgien (plus 120 Prozent). Die Zahl Chinesischer Staatsb\u00fcrger, die Georgien besuchten, stieg um 140 Prozent auf 6.500.<\/p>\n<p>Touristen kommen also fast zur G\u00e4nze aus L\u00e4ndern, von denen Georgien auch am Landweg erreichbar ist. Besucher aus den kaufkraftstarken L\u00e4ndern Europas tragen nur durchschnittlich zum Wachstum bei. Warum die Besucher aus Europa vorerst noch nicht in den Mengen kommen, wie erhofft, hat mehrere Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Einerseits wird in Europa kaum Tourismuswerbung gemacht. Zwar ist Georgien auf zahlreichen Tourismusmessen vertreten, es gibt jedoch<br \/>\nkeine Tourismusb\u00fcros, an die sich Interessierte direkt wenden k\u00f6nnen. Dieses Informationsdefizit erschwert die Planung einer Individualreise. Viele Hotels, speziell au\u00dferhalb von Tiflis, haben auch keine Internetpr\u00e4senz, \u00fcber die man im Vorfeld Informationen \u00fcber Preise und Verf\u00fcgbarkeit einholen kann. Buchungen von Zugfahrten oder den Inlandsfl\u00fcgen nach Mestia sind \u00fcber Internet ebenso nicht durchf\u00fchrbar, sondern k\u00f6nnen erst vor Ort erledigt werden. Dies erfordert entweder Georgisch- oder Russischkenntnisse, oder die Hilfe eines lokalen Reiseveranstalters.<\/p>\n<p>Von der Tourismusbeh\u00f6rde werden ebenso wie von Reiseveranstaltern au\u00dferdem Defizite im gastronomischen Angebot erkannt, das speziell au\u00dferhalb von Tiflis noch nicht ausreichend differenziert ist. Bei Unterk\u00fcnften haben Touristen die Wahl zwischen Luxus- und Privatquartier, jedoch ist die Mittelklasse fast nicht vorhanden.<\/p>\n<p>Doch das Hauptdefizit liegt in der Erreichbarkeit des Landes. Von Europa aus ist Georgien nur mit dem Flugzeug sinnvoll zu erreichen. Dabei sind die Flugpreise im internationalen Vergleich relativ teuer, Reiseunternehmer beklagen auch das mangelnde Entgegenkommen von Fluglinien, die keine Erm\u00e4\u00dfigungen f\u00fcr Gruppenbuchungen anbieten. Dadurch ist es f\u00fcr Reiseunternehmen praktisch unm\u00f6glich, attraktive Gesamtpakete anzubieten.<\/p>\n<p>Zahlreiche Europ\u00e4ische Metropolen sind au\u00dferdem nur mit m\u00fchsamen Umsteigeverbindungen erreichbar, was zus\u00e4tzlich zu den unkomfortablen Flugzeiten \u2013 der Gro\u00dfteil der Flugbewegungen am Flughafen Tiflis findet in der Nacht statt \u2013Georgien als Destination f\u00fcr Kurzurlaube unattraktiv macht.<\/p>\n<p>Auch wenn 2012 Tiflis von einigen neuen Destinationen aus angeflogen wird (Doha, Rom und Tallinn sind bereits fix), erfolgt die Einbeziehung Georgiens ins internationale Netzwerk nur schleppend. Besonders europ\u00e4ische Fluglinien sind von der Wirtschaftskrise betroffen und daher expansionsscheu. Noch erschwerend kommt hinzu, dass Georgien eine reine Incoming-Destination ist. Flugreisen sind f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil der heimischen Bev\u00f6lkerung unleistbar und die Visabestimmungen Europ\u00e4ischer L\u00e4nder haben noch eine zus\u00e4tzliche prohibitive Wirkung.<\/p>\n<p>Dabei f\u00fchren Verbesserungen in der Erreichbarkeit rasch und nachhaltig zu einem Anstieg der Reisebewegungen. Das erw\u00e4hnte starke Wachstum russischer Touristen ist auf die Wiederaufnahme von direkten Fl\u00fcgen zwischen der Russischen F\u00f6deration und Georgien zur\u00fcckzuf\u00fchren, die 2006 eingestellt und ab 2010 langsam wieder aufgenommen wurden, sowie die 2010 erfolgte Wiederer\u00f6ffnung des zwei Jahre zuvor geschlossenen Grenz\u00fcberganges an der Georgischen Heerstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Ein zweites gutes Beispiel ist die polnische Fluglinie LOT, die im Herbst 2010 Direktfl\u00fcge von Warschau nach Tiflis aufgenommen hat. Die Touristenzahlen aus Polen sind daraufhin im Jahr 2011 auf 12.000 gestiegen, was einen Zuwachs von 70 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr bedeutet.<\/p>\n<p>F\u00fcr 2012 erwartet die Georgische Tourismusbeh\u00f6rde einen weiteren Anstieg der Touristenzahlen um 27 Prozent auf 3,5 Millionen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, sind jedoch zahlreiche Anstrengungen notwendig. Einerseits muss die Erreichbarkeit des Landes weiterhin verbessert, andererseits auf die Attraktionen des Landes besser hingewiesen werden. Aber am Ende ist eines klar: Die beste Werbung ist ein zufriedener Tourist, der Freunden und Verwandten begeistert vom Urlaub erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Georgian National Tourist Agency pr\u00e4sentiert die Tourismuszahlen f\u00fcr 2011 Von Daniel Nitsch Die Bem\u00fchungen Georgiens, das Land f\u00fcr den Tourismus attraktiv zu gestalten, waren in den letzten Jahren gewaltig. 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