{"id":681,"date":"2012-05-10T07:25:55","date_gmt":"2012-05-10T05:25:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/?p=681"},"modified":"2012-05-10T07:53:19","modified_gmt":"2012-05-10T05:53:19","slug":"ruckblende-die-seifenoper-um-das-pankisital","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=681","title":{"rendered":"R\u00fcckblende: Die Seifenoper um das Pankisital"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/?attachment_id=686\" rel=\"attachment wp-att-686\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-686\" title=\"Pankisi Karte\" src=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_3_pankisi.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"149\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_3_pankisi.jpg 198w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_3_pankisi-150x112.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>Eine Inszenierung, die ihresgleichen sucht<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Pankisital in Ostgeorgien, wo heute ein inmittem einer bl\u00fchenden Landwirtschaft ein\u00a0friedlicher \u00d6kotourismus stattfindet, wurde genau vor\u00a0einem Jahrzehnt\u00a0in einer internationalen Medien-Hype zum Hotspot des internationalen Terrorismus aufgeblasen. &#8222;Bin Laden im Pankisital&#8220; titelten sogar seri\u00f6se deutsche Zeitungen, ohne zuvor ein einziges Mal in dem kleinen Seitental des Alasaniflusses gewesen zu sein.\u00a0Was war geschehen?<\/p>\n<p>Der russische Au\u00dfenminister Iwanov erkl\u00e4rte am Rande irgendeiner internationalen Konferenz, dass im georgischen Pankisital K\u00e4mpfer der Al Qaida, m\u00f6glicherweise sogar Osama Bin Laden h\u00f6chstpers\u00f6nlich, untergetaucht w\u00e4ren. Und dies mit der flapsigen Begr\u00fcndung: \u201eWer kann behaupten, dass er nicht im Pankisital ist?\u201c. Iwanow war aber nicht der Urheber dieser obskuren Geschichte, er reagierte nur auf ein Interview, das der damalige amerikanische Gesandte, Philipp Remmler, einer georgischen Zeitung gegen\u00fcber gegeben hatte. In diesem hatte Remmler erkl\u00e4rt, man habe Hinweise, dass sich afghanische Taliban in den Kaukasus durchgeschlagen h\u00e4tten, m\u00f6glicherweise ins Pankisital, und deshalb m\u00fcssten die USA Georgien im Kampf gegen den internationalen Terrorismus mit Milit\u00e4rhilfe, Training und Ausr\u00fcstung, unterst\u00fctzen. Sogar George W. Bush, sicher ein intimer Kenner aller Seitent\u00e4ler des Kaukasus, erkl\u00e4rte in einer TV-Ansprache das Pankisital zum Hotspot des internationalen Terrorismus. Und Eduard Schewardnadse setzte dem ganzen Treiben die Krone auf, indem er erkl\u00e4rte, man k\u00f6nne ja in Iwanows Elternhaus in Achmeta nach Bin Laden suchen, wenn der Russe, in Achmeta geboren und aufgewachsen, sich seiner Sache so sicher sei. Egal, die Weltpresse \u00fcberfiel das Pankisital auf der Jagd nach Fotos und O-T\u00f6nen vom gef\u00e4hrlichsten Mann der Welt. Nach wenigen Tagen wurde die mediale Hatz auf Osama ergebnislos abgeblasen.<\/p>\n<p>Was war geschehen? Das Pankisital\u00a0war damals eine mehr oder weniger rechtsfreie Zone. Neben den einheimischen Kisten hatten sich mehrere Tausend Fl\u00fcchtlinge aus Tschetschenien dort niedergelassen, unter ihnen ganz sicher auch verletzte K\u00e4mpfer und einige bekannte Feldkommandanten aus der mit Moskau verfeindeten nordkaukasischen Republik. Ein sicheres R\u00fcckzugsgebiet f\u00fcr die Aufst\u00e4ndischen, zumal Eduard Schewardnadse, alle Augen zugedr\u00fcckt, nur von einem humanit\u00e4ren Problem sprach. Russland hatte immer wieder gefordert, im Pankisital milit\u00e4risch eingreifen zu d\u00fcrfen, forderte sogar eine eigene milit\u00e4rische Boden-Pr\u00e4senz und hatte diesen Anspruch gelegentlich mit Bombenabw\u00fcrfen im direkten Grenzgebiet.<\/p>\n<p>Washinton hatte vor dieser inszenierten Krise mit Georgien ein 64-Millionen-$ schweres milit\u00e4risches Trainings- und Ausbildungsprogramm vereinbart, das weder in Russland noch im amerikanischen Kongress auf gro\u00dfe Gegenliebe gesto\u00dfen war. Das Programm hatte allerdings mit dem Pankisital \u00fcberhaupt nichts zu tun. Amerikanische Milit\u00e4rs in Georgien &#8211; f\u00fcr die Moskauer Generalit\u00e4t nahezu unvorstellbar. In Tiflis und Batumi hatte Russland damals noch eigenes Milit\u00e4r stationiert. Und in Amerika waren es vor allem die Haushaltspolitiker, die ein weiteres Engagement in der Welt nicht gerade in Freude versetzte.<\/p>\n<p>Beide Widerst\u00e4nde waren politisch-propagandistisch nur zu \u00fcberwinden, indem Washington sowohl heimischen Geldgebern als auch Moskauer Befindlichkeiten gegen\u00fcber die US-Milit\u00e4rhilfe f\u00fcr Georgien als Beitrag zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus begr\u00fcndete. Mit derselben Begr\u00fcndung hatte Russland immer wieder ein Eingreifen im Pankisital gefordert, allerdings die Tatsache kaschierend, dass es sich bei ihrem Problem Tschetschenien eigentlich um ein innerrussisches handelte. Da mussten dann eben doch internationale Terroristen her, wenn ein milit\u00e4risches Engagement Amerikas gerechtfertigt sein sollte. Nichts anderes kann Philipp Remmler, der eigentliche Verursacher der Krise, im Sinn gehabt haben. Einen Tag nach seinem folgenschweren Statement fuhr er \u00fcbrigens, wie gro\u00dfe Teile des diplomatischen Korps, zum Wochenend-Skiausflug nach Gudauri und auf dem H\u00f6hepunkt der Pankisikrise veranstaltete die georgische Modedesignerin Maka Asatiani eine Modenschau an einem\u00a0 Sicherheitsposten im Pankisital. Die Show wurde live in Georgien und Amerika \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Einige Zeit sp\u00e4ter schrieben die Georgier ihren Akt in der Seifenoper um das Pankisital. Russische Milit\u00e4rhubschrauber hatten in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit den georgischen Luftraum verletzt, die georgischen Proteste verpufften wirkungslos. In den georgischen Medien allerdings wurden diese Vorg\u00e4nge immer als Angriffe auf bewohnte Gebiete im Pankisi und dem angrenzenden Tianeti-Bezirk dargestellt, wenngleich sich die Vorf\u00e4lle immer weit ab der Siedlungsgebiete ereigneten. Ein paar Rinder und Schafe sollen get\u00f6tet worden sein.<\/p>\n<p>Bei einem dieser Man\u00f6ver waren die Hubschrauber nach Angaben der OSZE-Beobachtermission rund 30 km in den georgischen Luftraum eingedrungen und dabei war eine Bombendetonation beobachtet worden. Die georgische Seite meldete zun\u00e4chst drei Tote, sp\u00e4ter dann nur noch einen, einen 70-j\u00e4hrigen Mann, der angeblich fr\u00fchmorgens beim Holzsammeln getroffen worden war. Der Fundort des Mannes lag allerdings weit au\u00dferhalb der 30-km-Zone, innerhalb der die\u00a0 OSZE-Beobachter den Bombenabwurf lokalisiert hatten. Eine Obduktion der Leiche hat nicht stattgefunden.<\/p>\n<p>Eduard Schewardnadse erkl\u00e4rte im georgischen Fernsehen, nach diesem Bombenanschlag unterst\u00fctze die ganze Welt Georgien, fuhr zur feierlich aufgezogenen Beerdigung des Mannes in dessen Heimatdorf und anschlie\u00dfend zu seiner ersten Visite ins Pankisital. Und die USA hatten einen Grund, Russland endg\u00fcltig auf die Wahrung der Souver\u00e4nit\u00e4t Georgiens im Pankisital zu verdonnern.<\/p>\n<p>Als sich die Wogen um Osama Bin Laden gegl\u00e4ttet hatten, durchk\u00e4mmten amerikanische, russische und georgische Spezialkommandos in trauter Eintracht das Pankisital, fanden dort keine Taliban, daf\u00fcr ein paar lange gesuchte Araber und Tschetschenen. Die Araber wurden \u00a0ohne Auslieferungsverfahren sofort nach Amerika verfrachtet, ein paar Tschetschenen nach Russland, v\u00f6lkerrechtlich ein mehr als bedenkliches Verfahren. Im September schlie\u00dflich wurde das amerikanische Trainingscamp in der N\u00e4he von Tiflis er\u00f6ffnet. Die Milit\u00e4rpr\u00e4senz der USA in Georgien war etabliert.<\/p>\n<p>Quellen: <a href=\"http:\/\/www.georgien-news.de\/\">www.georgien-news.de<\/a> 2002 &#8211; Old archives<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Inszenierung, die ihresgleichen sucht &nbsp; Das Pankisital in Ostgeorgien, wo heute ein inmittem einer bl\u00fchenden Landwirtschaft ein\u00a0friedlicher \u00d6kotourismus stattfindet, wurde genau vor\u00a0einem Jahrzehnt\u00a0in einer internationalen Medien-Hype zum Hotspot des internationalen Terrorismus aufgeblasen. &#8222;Bin Laden im Pankisital&#8220; titelten sogar seri\u00f6se &hellip; <a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=681\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":[],"categories":[1],"tags":[138,137,136,132,139,140,141],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/681"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=681"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/681\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":698,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/681\/revisions\/698"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}