{"id":636,"date":"2012-05-09T14:32:13","date_gmt":"2012-05-09T12:32:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/?p=636"},"modified":"2012-05-09T14:40:28","modified_gmt":"2012-05-09T12:40:28","slug":"naturkatastrophen-durch-klimawandel-im-kaukasus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=636","title":{"rendered":"Naturkatastrophen durch Klimawandel im Kaukasus?"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/?attachment_id=639\" rel=\"attachment wp-att-639\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-639\" title=\"Im Gro\u00dfen Kaukasus bei Kasbeghi\" src=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_2_amies_IMG_04131.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"132\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_2_amies_IMG_04131.jpg 198w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_2_amies_IMG_04131-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>Hochwasser und Hanginstabilit\u00e4ten in Georgien nehmen zu<\/strong><\/p>\n<p>Entlang der historisch wichtigen Heerstra\u00dfe von der georgischen Hauptstadt Tiflis \u00fcber den Gro\u00dfen Kaukasus nach Russland sind Hochwasserereignisse und Murg\u00e4ngen sowohl in der H\u00e4ufigkeit als auch im Ausma\u00df angestiegen. Auch in der Region Bakuriani im Kleinen Kaukasus sind im Zuge des Baus der Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan (BTC -Pipeline) durch gro\u00dffl\u00e4chige Eingriffe in die Landschaft vermehrt Hanginstabilit\u00e4ten aufgetreten. Inwieweit der Klimawandel und Starkregenereignisse oder auch die ver\u00e4nderte Landnutzung in postsowjetischer Zeit Ausl\u00f6ser von h\u00e4ufigeren Massenbewegungen und Hochwasserereignissen sind, wird im Teilprojekt \u201eKlimawandel und Massenbewegungen\u201c des Forschungsprojektes \u201eAnalysing multiple interrelationships between environmental and societal processes in mountainous regions of Georgia &#8211; Interdisciplinary research to foster sustainable land use, land development, and quality of life (amies)\u201c untersucht. Partner sind die Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen (JLU) sowie die georgischen Universit\u00e4ten Ivane Javakhishvili Tbilisi State University (TSU) und Ilia Chavchavadze (ICU), deren Partner eng kooperieren. Die laufenden Arbeiten haben zun\u00e4chst die Region Pasanauri \u2013 Kreuzpass \u2013 Stepantsminda im Fokus.<\/p>\n<p><strong>Das Klima<\/strong><\/p>\n<p>Das lokale Klima im Untersuchungsraum variiert entsprechend der H\u00f6henlage, dem Relief und der Hangexposition. In geringen bis mittleren H\u00f6henlagen sind die Sommer lang und feucht, die Winter eher kurz und trocken. Im Sommer k\u00f6nnen, wie in vielen Hochgebirgsregionen typisch, gewitterhafte Starkniederschl\u00e4ge auftreten. Sie sind oft nur lokal begrenzt und k\u00f6nnen Hochwasserereignisse und Murg\u00e4nge ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Klimawandel und Gletscherschmelze<\/strong><\/p>\n<p>Aktuelle Studien belegen einen anhaltenden Gletscherr\u00fcckzug im Gro\u00dfen Kaukasus. So wurde im Sommer 2010 die L\u00e4nge der Gletscherzunge des etwa 8,5 km langen Gergeti-Gletschers s\u00fcd\u00f6stlich des Kazbeg vermessen. Im Vergleich zur letzten Messung 2004 ist die Gletscherzunge um 123 m zur\u00fcck geschmolzen, d.h. durchschnittlich um 20 m pro Jahr. Dieser Trend kann von unterschiedlichen Klimavariablen unterst\u00fctzt werden, so in Sommern durch h\u00f6here Lufttemperaturen oder st\u00e4rkere Strahlung infolge geringerer Bew\u00f6lkung. Aber auch eine Abnahme der Schneeniederschl\u00e4ge kann daf\u00fcr verantwortlich sein, andererseits tr\u00e4gt Regen zu verst\u00e4rktem Abschmelzen bei. Die statistischen Analysen der lokalen Klimaverh\u00e4ltnisse und der kurz- bis mittelfristigen Klima\u00e4nderungen mittels Daten mehrerer Klimastationen zeigen, dass der j\u00e4hrliche Temperaturverlauf ab Mitte der 1960er Jahre einen positiven Trend zeigt. Dieser liegt in Kazbegi zwischen 0,2\u00b0C und 0,3\u00b0C pro Jahrzehnt. Vor 1965 fehlt ein signifikanter Trend. Auch f\u00fcr den Niederschlag ist ab Ende der 1960er Jahre eine Trendwende zu beobachten und es sind sogar positive Niederschlagstrends zwischen 6 und 13 mm pro Dekade vorhanden. Dies ist jedoch nichts \u00dcberraschendes, denn h\u00f6here Temperaturen k\u00f6nnen h\u00f6here Niederschl\u00e4ge bewirken. Auch die langfristigen \u00c4nderungen der Gletscherl\u00e4ngen und Abfl\u00fcsse der durch Gletscher gespeisten Fl\u00fcsse zeigen entsprechende Tendenzen.<\/p>\n<p><strong>Hochwasserrisiko und Gefahrenkarten<\/strong><\/p>\n<p>Durch Starkregenereignisse ausgel\u00f6ste Hochwasserereignisse werden durch eine statistische Analyse der t\u00e4glichen Niederschlagsdaten untersucht. Gel\u00e4ndearbeiten und computerbasierte Modellierungen liefern weitere Erkenntnisse. Neben der Modellierung von Klima und Abfluss werden potenzielle \u00dcberschwemmungsfl\u00e4chen im Gel\u00e4nde kartiert und mit Hilfe digitaler H\u00f6henmodelle und topographischer Karten in Hochwassergefahrenkarten dargestellt.<\/p>\n<p><strong>Gefahren durch Murg\u00e4nge im Kaukasus<\/strong><\/p>\n<p>Wie in jedem Hochgebirgsraum treten auch in der Kasbegi-Region \u00a0Steinschlag, Hangrutschungen, Lawinenabg\u00e4nge und Muren auf. In verst\u00e4rktem Ma\u00dfe finden solche \u201eMassenbewegungen\u201c in den letzten Jahrzehnten statt, was auch mit der globalen Klima\u00e4nderung zusammenh\u00e4ngen kann. Ein Murgang ist ein schnell flie\u00dfendes Gemisch aus Schutt, Schlamm und Luft sowie einem hohen Anteil an Wasser. Muren k\u00f6nnen Geschwindigkeiten von \u00fcber 50 km\/h erreichen und erhebliche Sch\u00e4den an Geb\u00e4uden und sonstigen Einrichtungen der Infrastruktur verursachen. Im Ort Mleta f\u00fchren immer wieder gr\u00f6\u00dfere Muren zu bedeutenden Sch\u00e4den an Wohnh\u00e4usern, so letztmals im Juni 2010 nach einer l\u00e4ngeren, intensiven Regenperiode. Um der Bev\u00f6lkerung einen sicheren Schutz vor den potenziellen Massenbewegungsereignissen gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die besonders gef\u00e4hrdeten Gebiete definiert werden.<\/p>\n<p>Die Entstehung von Muren ist von mehreren Faktoren abh\u00e4ngig. Ein Gefahrenpotenzial stellen vor allem gro\u00dfe Lockermaterialmassen in steilen Hanglagen dar. In der Region Kazbegi z\u00e4hlen dazu instabile und zu Rutschungen neigende Flysch-Gesteine, die geologisch alte Meeresablagerungen sind. Murg\u00e4nge werden durch die hydrologischen Verh\u00e4ltnisse ausgel\u00f6st, wie Starkniederschl\u00e4ge, Schneeschmelze sowie die Hangwasserverh\u00e4ltnisse im Untergrund. Weitere Faktoren sind neben der Hangneigung auch die H\u00f6henlage und die Exposition, aber auch die Landnutzung und Vegetation k\u00f6nnen viel dazu beitragen.<\/p>\n<p><strong>Ursachenanalyse als Planungshilfe<\/strong><\/p>\n<p>Die Gefahrenbewertung erfolgt in mehreren Schritten mit der Auswertung der vorhandenen Grundlagendaten, Gel\u00e4ndeuntersuchungen und einer GIS-basierten Modellierung der Murgangsprozesse. Im Sommer 2010 wurde das Gel\u00e4nde geomorphologisch kartiert, Murg\u00e4nge und Hangrutschungen inventarm\u00e4\u00dfig aufgenommen und an ausgew\u00e4hlten H\u00e4ngen, die m\u00f6glichst nah zu den h\u00e4ufig auftretenden Murg\u00e4ngen liegen, Bodentemperaturlogger eingebracht. Die fortlaufende Registrierung der Bodentemperaturen gibt wertvolle Hinweise auf die Frost- und Auftauprozesse im Untergrund, die in Verbindung mit dem Hangwasser wesentlich zur Hanginstabilit\u00e4t beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Erforschung der Zusammenh\u00e4nge zwischen dem gegenw\u00e4rtigen Klimawandel und der Entstehung von Hochwasserereignissen und Massenbewegungen in Gebirgsregionen werden zu einer nachhaltigen Entwicklung des Untersuchungsraums beitragen. Die erstellten Gefahrenkarten mit Risikozonen f\u00fcr Hochwasser, Hanginstabilit\u00e4ten und Murgangsereignissen tragen zudem zur Katastrophenvorsorge entlang der Georgischen Heerstra\u00dfe bei. F\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre sind im Rahmen des Forschungsprojektes \u00e4hnliche Arbeiten im Untersuchungsgebiet Bakuriani, einer wichtigen Tourismusregion im Kleinen Kaukasus, vorgesehen.<\/p>\n<p><strong>Forschungsprojekt AMIES: A<\/strong>nalysing <strong>m<\/strong>ultiple <strong>i<\/strong>nterrelationships between <strong>e<\/strong>nvironmental and <strong>s<\/strong>ocietal processes in mountainous regions of Georgia &#8211; Interdisciplinary research to foster sustainable land use, land development, and quality of life. Leitung: Prof. Dr. Annette Otte. Laufzeit: M\u00e4rz 2010 bis Mai 2013.<\/p>\n<p><strong>Untersuchungsgebiete des Teilprojektes B \u201eKlimawandel und Massenbewegungen\u201c:\u00a0 <\/strong>Kazbegi (<a title=\"Mzcheta-Mtianeti\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mzcheta-Mtianeti\">Region Mzcheta-Mtianeti<\/a>) im Gro\u00dfen Kaukasus und Bordschomi (Region Samzche-Dschawacheti) im Kleinen Kaukasus, Georgien. Leitung: Prof. Dr. Lorenz King.<\/p>\n<p><strong>Ziele des Teilprojektes B \u201eKlimawandel und Massenbewegungen\u201c: <\/strong>Die Ver\u00e4nderungen der Lufttemperatur und die Niederschl\u00e4ge sowie den Gletscherr\u00fcckgang im Untersuchungsgebiet und das damit verbundene Abflussverhalten w\u00e4hrend der letzten Jahrzehnte sowie Hochwasserereignisse analysiert das Teilprojekt B1 \u201eKlimawandel\u201c. Das Teilprojekt B2 \u201eMassenbewegungen\u201c verfolgt das Ziel, die Ursachen der aufgetretenen Murg\u00e4nge zu erkennen und Risikogebiete f\u00fcr k\u00fcnftige Schlamm- und Ger\u00f6lllawinen zu identifizieren. Die laufenden Arbeiten haben zun\u00e4chst die Region Kazbegi im Fokus.<\/p>\n<p><strong>Gletscherr\u00fcckzug in Kazbegi:<\/strong>Die L\u00e4nge der Gletscherzunge des etwa 8,5 km langen Gergeti-Gletschers, der sich auf der s\u00fcd\u00f6stlichen Seite des Kazbeg befindet, hat sich 2010 im Vergleich zur letzten L\u00e4ngenmessung im Jahr 2004 um 123 m verringert, somit durchschnittlich um 20 m pro Jahr.<\/p>\n<p><strong>Temperatur\u00e4nderungen in Kazbegi:<\/strong>Seit Mitte der 1960er Jahre hat sich ein positiver Temperaturtrend einstellt. Vor 1965 kann kein signifikanter Trend festgestellt werden. Der Trend ist bei den Klimastationen unterschiedlich hoch und liegt zwischen 0,2\u00b0C und 0,3\u00b0C pro Dekade. Die positiven Temperaturtrends belegen, dass im Zuge der globalen Erw\u00e4rmung auch im Untersuchungsgebiet die Lufttemperatur stetig ansteigt.<\/p>\n<p><strong>Niederschlags\u00e4nderungen in Kazbegi:<\/strong>F\u00fcr den Niederschlag ist ebenfalls eine Trendwende zu beobachten. Ab Ende der 1960er Jahre zeigen sich wesentlich geringere negative Trendraten und sogar positive Trends zwischen 6 und 13 mm pro Jahrzehnt. Entsprechend weisen auch die Gletschermassenbilanzen und Abfl\u00fcsse der durch Gletscher gespeisten Fl\u00fcsse in Kazbegi entsprechende Tendenzen auf.<\/p>\n<p><strong>Autoren: <\/strong>Ina Keggenhoff &amp; Tatjana Keller (JLU), Mariam Elizbarashvili (ICU), Ramin Gobejishvili (TSU) und Lorenz King (JLU)<\/p>\n<p><strong>Kontakt:\u00a0 <\/strong>Prof. Dr. Lorenz King, Justus-Liebig-Universit\u00e4t, Institut f\u00fcr Geographie, Senckenbergstra\u00dfe 1, 35390 Gie\u00dfen, Telefon: 0641 99-36262, Lorenz.King@geogr.uni-giessen.de<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hochwasser und Hanginstabilit\u00e4ten in Georgien nehmen zu Entlang der historisch wichtigen Heerstra\u00dfe von der georgischen Hauptstadt Tiflis \u00fcber den Gro\u00dfen Kaukasus nach Russland sind Hochwasserereignisse und Murg\u00e4ngen sowohl in der H\u00e4ufigkeit als auch im Ausma\u00df angestiegen. 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