{"id":3186,"date":"2021-12-08T14:46:22","date_gmt":"2021-12-08T13:46:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=3186"},"modified":"2021-12-08T14:50:08","modified_gmt":"2021-12-08T13:50:08","slug":"politik-als-selbstinszenierung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=3186","title":{"rendered":"Politik als Selbstinszenierung"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"425\" height=\"319\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_5200.jpg\" alt=\"\" data-id=\"3185\" data-full-url=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_5200.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=3185\" class=\"wp-image-3185\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_5200.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_5200-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_5200-150x113.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_5200-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Mischa, der Revolution\u00e4r<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Saakaschwili und seine exzentrischen Medienauftritte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von Rainer Kaufmann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Egal, wie man \u00fcber die politische Lebensleistung des dritten postsozialistischen georgischen Pr\u00e4sidenten zu urteilen gedenkt, wer die gesamte Karriere dieses Mannes aufmerksam verfolgt hat, kann auch angesichts der j\u00fcngsten Ereignisse eines nicht \u00fcbersehen: Mikheil Saakaschwili \u2013 in Georgien noch immer Mischa genannt &#8211; &nbsp;hat es immer verstanden, seine Politik als besonderes Medien-Spektakel zu inszenieren. Und die Liste der Vorstellungen ist beeindruckend bis hin zum Hungerstreik der vergangenen Wochen und seiner Verteidigungsrede vor dem Tifliser Stadtgericht. KaPost-Herausgeber <strong>Rainer Kaufmann<\/strong> hat Saakaschwili von den ersten Anf\u00e4ngen seines politischen Wirkens in Georgien und anderswo bis heute intensiv begleitet und erinnert sich an viele Auftritte Saakaschwilis vor und hinter den Kulissen der nationalen wie internationalen Medienwelt:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schon meine erste Begegnung mit dem damals jungen Parlamentsabgeordneten Saakaschwili war beeindruckend. Es war wohl im Jahr 1995, kurz nach seinem Einzug ins georgische Parlament. Noch nicht einmal 30 Jahre alt, war er von Surab Schwania, dem Generalsekret\u00e4r der B\u00fcrgerunion, f\u00fcr dieses Regierungsb\u00fcndnis&nbsp; Schewardnadses angeworben worden, wo er sofort Vorsitzender des Verfassungs-, Rechts- und Rechtsstaatlichkeitsausschusses wurde. Zusammen mit dem au\u00dfenpolitischen Ressortleiter einer f\u00fchrenden deutschen Tageszeitung hatte ich damals die Gelegenheit, den jungen Reform-Politiker im Tifliser Parlamentsgeb\u00e4ude zu interviewen. In einem rund einst\u00fcndigen Monolog erz\u00e4hlte uns Saakaschwili, wie er mit seiner amerikanischen Demokratie-Erfahrung sein Heimatland Georgien reformieren werde. Wohlgemerkt er pers\u00f6nlich, nicht etwa Eduard Schewardnadse oder dessen Regierung. Dabei war er erst im Jahr 1994 als Stipendiat in die USA gekommen, wo er kurzzeitig offensichtlich auch in einer New Yorker Anwaltskanzlei ein Praktikum absolvierte. Davor hatte er sich nach seinem Jura-Studium und anschlie\u00dfender Milit\u00e4rzeit in der Ukraine zwei Jahre in Oslo und Stra\u00dfburg bei Menschrechts-Instituten aufgehalten. Aber diese kurze Zeit in den USA reichte ihm, um sich ausl\u00e4ndischen Journalisten als \u201eim Westen ausgebildeten und damit erfahrenen wie \u00fcberzeugten Demokraten\u201c vorzuf\u00fchren. Eine Vorstellung, die bei uns deutschen Redakteuren nachhaltigen Eindruck hinterlie\u00df, immerhin war es uns gelungen, in dem 60-min\u00fctigen Redeschwall des begnadeten Selbstdarstellers vielleicht eine oder zwei Zwischenfragen zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"425\" height=\"336\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_I2021_11_mischa_berlin.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3183\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_I2021_11_mischa_berlin.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_I2021_11_mischa_berlin-300x237.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_I2021_11_mischa_berlin-150x119.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_I2021_11_mischa_berlin-379x300.jpg 379w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><figcaption>Mischa und die Rose der Revolution<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die erste gro\u00dfe \u00f6ffentliche Inszenierung kam dann sechs Jahre sp\u00e4ter. Im Jahr 2001 zum Justizminister berufen, sah er nach kurzer Amtszeit schon ein, dass er in der in Reform-Angelegenheiten unbeweglichen Regierung Schewardnadses keine Erfolgschancen hatte. In einer vom Fernsehen \u00fcbertragenen Kabinettssitzung warf er seinen Minister-Kollegen Korruption vor, was er eindrucksvoll mit Fotos vom \u00fcppigen privaten Immobilienbesitz derselben belegte, bevor er demonstrativ die Sitzung verlie\u00df. Der in alte Netzwerke eingebundene Pr\u00e4sident konnte nicht anders, er musste ihn entlassen. Mischa ging in die Opposition, gewann sofort die Nachwahl eines frei gewordenen Direktmandats Im Parlament und zog mit seiner neuen Partei bei der Kommunalwahl schon ein Jahr sp\u00e4ter in das Stadtparlament von Tiflis ein, dessen Pr\u00e4sidium er \u00fcbernehmen konnte. Und sein Parteib\u00fcro richtete er in direkter Nachbarschaft zu Parlament und Regierungszentrale ein. Wie praktisch, denn w\u00e4hrend der Demonstrationen, die zur Rosen-Revolution f\u00fchrten, war er als Interviewpartner f\u00fcr die zahlreichen TV-Stationen nahezu omnipr\u00e4sent. Wann und wo immer etwas passierte, Kameras und Mikrofone konnten Mischa einfach nicht \u00fcbersehen. F\u00fcr die bevorstehenden Parlamentswahlen prognostizierte er mindestens 20 Prozent der Stimmen f\u00fcr seine Partei. \u201eUnd damit kann man in diesem Land durchaus Pr\u00e4sident werden\u201c, erkl\u00e4rte er mir damals.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"739\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_rosenrev-1024x739.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3177\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_rosenrev-1024x739.jpg 1024w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_rosenrev-300x216.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_rosenrev-150x108.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_rosenrev-768x554.jpg 768w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_rosenrev-416x300.jpg 416w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_rosenrev.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Rosen-Revolution: Mischa rund um die Uhr auf dem Schirm<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine Inszenierung der besonderen Art war dann auch der Machtwechsel, die im Nachhinein so genannte \u201eRosen-Revolution\u201c. Der Name kommt daher, dass die Anf\u00fchrer des Putsches gegen Schewardnadse \u2013 neben Saakaschwili noch Nino Burdschanadse und Surab Schwania \u2013 schon vor der St\u00fcrmung des Parlaments Vertrauensleute mit gro\u00dfen Str\u00e4u\u00dfen roter Rosen in die Parlamentslobby haben lotsen lassen, die jeden, allen voran Saakaschwili, mit einer Rose bewaffneten, bevor sie in den Plenarsaal eindrangen. Und dort hatte man auch bereits Kamerateams und Fotografen eingeschleust, die Mischa abbilden konnten, als er die T\u00fcr aufriss und mit einer Rose in der Hand Schewardnadse lautstark zum R\u00fccktritt aufforderte. Dieser sprach gerade zur Er\u00f6ffnung der neuen Legislaturperiode.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Inszenierung fing an diesem Samstag im November des Jahres 2003 jedoch schon fr\u00fcher an. W\u00e4hrend sich auf den Stra\u00dfen eine hochbewaffnete Staatsmacht und zehntausende Demonstranten gegen\u00fcber standen, waren enge Mitarbeiter Schewardnadses ganz offensichtlich in die Pl\u00e4ne eingeweiht. Der Chef des Nationalen Sicherheitsrates hatte tags zuvor in einem Interview schon deutlich gemacht, dass es zu keinen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Polizei und Demonstranten kommen werde. Wie auf ein geheimes Kommando l\u00f6sten sich dann die Polizei-Kordons rund um Parlament und Regierungssitz auf, die Demonstranten konnten samt Medien-Begleitung ungehindert ihrem Ziel entgegensteuern. Die T\u00fcren des Regierungsgeb\u00e4udes \u00f6ffneten sich ebenso ger\u00e4uschlos, die Demonstranten konnte es besetzen, allerdings nur in Fluren und Treppenhaus, nicht in den B\u00fcros. Die waren nach vorheriger Absprache tabu und verschlossen. Daf\u00fcr konnte vom Dach des Geb\u00e4udes eine ebenso offensichtlich Tage zuvor bereits vorbereitete, \u00fcberdimensionierte Fahne der Saakaschwili-Partei heruntergelassen werden. Spontan war das alles nicht, ebenso wenig die Rosen-Aktion im Parlament, aus dem der sich kaum wehrende Noch-Pr\u00e4sident von der eigenen Parlaments-Garde hinaus gedr\u00e4ngt und in ein wartendes Auto eher getragen denn eskortiert wurde. Als er dann sp\u00e4t am Abend im Regierungssitz Ktsanissi auf einer Parkbank noch den Notstand verk\u00fcndete, k\u00fcmmerte sich niemand darum. Staatsdiener und \u201eRosen-Revolution\u00e4re\u201c feierten gemeinsam auf den Stra\u00dfen der Hauptstadt das Ende des Alten. Aber die Welt hatte die Legende von einer Revolution, die in Wahrheit nichts anderes war als die Palast-Revolte eines Teils der bisherigen politischen F\u00fchrung, unterst\u00fctzt ganz offensichtlich von einflussreichen Sympathisanten aus dem befreundeten Ausland. Und zwei der engsten Mitarbeiter Schewardnadses fanden sich dann in hohen Positionen der neuen Regierung wieder\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gutes Jahr sp\u00e4ter war Saakaschwili dann Pr\u00e4sident, wenige Wochen zuvor war er erst 35 Jahre geworden, das Mindestalter, das die georgische Verfassung f\u00fcr dieses Amt vorsah. Auch heute noch ist unbestritten: Er peitschte sofort ein Reform-Programm vor allem bei den Sicherheits- und Finanzorganen durch, das allerdings bereits zu Schewardnadses Zeiten in entsprechenden Kommissionen vorbereitet worden war. Mischa machte aber in beispielloser Radikalit\u00e4t sein fr\u00fcheres Versprechen wahr, er werde das Land reformieren. Finanziert wurde es allerdings durch gro\u00dfz\u00fcgige Spenden eines Oligarchen im Hintergrund: Bidsina Iwanischwili. Erst als dieser, aufgeschreckt vom 2008-er Krieg um S\u00fcdossetien, den Saakaschwili vom Zaun gebrochen hatte, seinen Geldhahn zudrehte, erlahmte Mischas Reformeifer zusehends. Er inszenierte sich jetzt vor allem als der neue \u201eErbauer Georgiens\u201c. Nachdem er das Land nicht hatte wieder vereinen k\u00f6nnen wie sein gro\u00dfes Vorbild, David Aghmaschenebeli, wollt er es wenigstens architektonisch umgestalten. \u00dcberall im Land schossen neue \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude wie Pilze aus dem Boden, allesamt von einem postmodernen Beton-Design, das Georgien zum Hotspot einer neuzeitlichen Architektur machen sollte. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"425\" height=\"300\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_mark.jpg\" alt=\"\" data-id=\"3176\" data-full-url=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_mark.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=3176\" class=\"wp-image-3176\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_mark.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_mark-300x212.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_mark-150x106.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Holl\u00e4ndisches Architektur-Magazin MARK<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>H\u00f6hepunkt dieser erneuten Selbst-Inszenierung war ein mehrseitiger Artikel in einem holl\u00e4ndischen Architektur-Magazin im Fr\u00fchsommer 2012 mit dem Spruch auf dem Titelblatt \u201eSaakashvili rebuilds a country\u201c. Dieses Titelblatt lies Mischa bei verschiedenen Anl\u00e4ssen im Land recht gro\u00dfspurig plakatieren, so in Kutaissi und in der Hauptstadt. Und im Artikel selbst hei\u00dft es: \u201eEines Tages werden wir zur\u00fcckblicken auf die `Mischa-Periode` in der georgischen Architektur\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"425\" height=\"319\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_2321.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3184\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_2321.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_2321-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_2321-150x113.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_IMG_2321-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><figcaption>Landesweite PR-Kampagne: Mischa, der Erbauer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wer aber ganz genau hinschaut bei einigen der in diesen Jahren hochgezogenen Fassaden, sieht auch heute noch, dass manchmal eben nur Kulissen gebaut wurden und keine Geb\u00e4ude, die man nutzen konnte. So hat Mischas Bauboom dem Land eine ganze Reihe von&nbsp;&nbsp; potemkinschen Stra\u00dfenz\u00fcgen hinterlassen und Bauruinen, f\u00fcr deren Entsorgung bis heute niemand aufkommen m\u00f6chte. Anaklia, Lazika und Mestia sind nur ein paar Beispiele, das neue Parlament in Kutaissi oder die beiden Monster-T\u00fcrme in Batumi, die Universit\u00e4t und der Alphabet-Turm. Beide wurden nie fertiggestellt und mussten sp\u00e4ter unter hohen Verlusten verramscht werden. Nie realisiert wurden dagegen die beiden Trump-Towers, die Mischa und Donald im Jahr 2012 Wahlkampf-wirksam mit dem Versprechen verk\u00fcndeten, in f\u00fcnf Jahren sei Batumi eine der besten St\u00e4dte der Welt. Insider wussten damals schon, dass es sich um einen Werbegag handelte, bei dem Trump nie vor hatte, selbst zu investieren. Er soll f\u00fcr den Tagesauftritt mit Mischa allerdings ein mehr als stattliches Honorar kassiert haben. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"425\" height=\"244\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_trump.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3178\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_trump.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_trump-300x172.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_trump-150x86.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><figcaption>PR-Partner Donald und Mischa im Jahr 2012<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Und der Lizenzvertrag lediglich f\u00fcr die Benutzung des Namens Trump durch einen georgischen Investor &nbsp;wurde im Jahr 2016 von Trumps Holding gek\u00fcndigt, da der georgische Partner das Projekt noch nicht einmal angefangen hatte, zu realisieren. Mischa schob die Schuld f\u00fcr die Verschleppung des Bauprojektes allerdings der Regierung des georgischen Traums in die Schuhe mit dem Kommentar,&nbsp; Georgien h\u00e4tte das einzige Land der Welt sein k\u00f6nnen mit einem direkten Investment des damaligen k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Der georgische Investor hatte sein Z\u00f6gern allerdings damit begr\u00fcndet, dass man nicht gen\u00fcgend potentielle Kunden f\u00fcr die beiden Wohnt\u00fcrme habe finden k\u00f6nnen. Soweit ein konkretes Beispiel f\u00fcr den Realit\u00e4tssinn Saakaschwilis. Einen letzten Versuch, die Freundschaft zu seinem fr\u00fcheren Mentor aus den Vereinigten Staaten f\u00fcr sich zu reklamieren, startete er am 20. Januar 2017, dem Tag der Inauguration von Donald Trump. Vor der Kulisse des Washingtoner Kapitols sprach er per Live-Schaltung zu den 7.000 Delegierten des Kongresses seiner Partei in Tiflis. Kenner der Situation bezweifelten aber, dass Mischa wirklich bei der Inauguration anwesend war, zu den geladenen G\u00e4sten z\u00e4hlte er offensichtlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber: Vor allem f\u00fcr den Wahlkampf 2012 hatte Mischa seine Erz\u00e4hlung von sich als neuem Baumeister Georgiens gefunden und machte eifrig Gebrauch davon. Unvergessen sein gro\u00df aufgemachter Katalog aller Bauma\u00dfnahmen im Land unter seiner F\u00fchrung, der \u2013 von der Wirtschaft finanziert \u2013 rechtzeitig vor den Wahlen an alle Haushalte verteilt wurde. Oder seine geradezu manische Einweihungswut \u00f6ffentlicher Geb\u00e4ude und Pl\u00e4tze kurz vor dem Wahltermin, vollkommen egal, ob die Bauwerke fertiggestellt waren oder nicht. Ein paar Beispiele: Die Enguri-Br\u00fccke von Anaklia. F\u00fcr eine TV-Inszenierung von der Einweihung wurde eigens Podest aufgebaut, auf dem er stand. Die Br\u00fccke war damals noch nicht einmal begehbar, gestand mir der Bauunternehmer, der sie sp\u00e4ter erst fertigstellte. Oder das Museum in Mestia. Mischa hat es mit gro\u00dfem Pomp er\u00f6ffnet, f\u00fcr Besucher war es aber noch viele Monate geschlossen, die Baustelle war zum geplanten Einweihungstermin noch nicht fertig. Es gibt noch mehr Beispiele, zum Beispiel die beiden R\u00f6hren am Rike-Park in Tiflis, eine Konzert- und eine Ausstellungshalle. Studenten wurden als applaudierende Kulisse angekarrt, vor denen Mischa die beiden Bauwerke als gro\u00dfz\u00fcgiges Geschenk f\u00fcr die Jugend \u00fcbergab. Gleich danach wurde die R\u00f6hre wieder ger\u00e4umt und ist bis heute nicht fertiggestellt. Das Video der Einweihungszeremonie mit studentischen Claqueuren wurde k\u00fcrzlich erst im Internet wieder gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"425\" height=\"291\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2012_07_builder_mestia_IMG_2101.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3173\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2012_07_builder_mestia_IMG_2101.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2012_07_builder_mestia_IMG_2101-300x205.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2012_07_builder_mestia_IMG_2101-150x103.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><figcaption>Mischa-Architektur in Mestia<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Damit diese gestellten Veranstaltungen nicht etwa einer kritischen Presse auffallen konnten, durfte bei den damaligen Wahlkampfauftritten nur ein Kamerateam des Pr\u00e4sidenten Aufnahmen machen. Und die wurden dann auf allen georgischen TV-Kan\u00e4len gezeigt. Sogar eine lange vorher bereits von einer Br\u00fcsseler PR-Agentur ausgeschriebene Wahlkampf-Begleitung durch europ\u00e4ische Journalisten wurde kurzfristig abgesagt. Mischa wollte bei diesen Einweihungen mit sich und den seinen alleine bleiben, aus guten Gr\u00fcnden. \u00c4hnlich verhielt es sich auch mit einer angeblichen Besteigung des Kazbek und einer Wanderung zu einem Bergsee in der N\u00e4he von Sugdidi, beides damals gro\u00dfe Auftritte des Wahlk\u00e4mpfers im georgischen Fernsehen. Allerdings: Ohne die Hilfe eines Helikopters h\u00e4tten beide Ausfl\u00fcge im dicht gedr\u00e4ngten Wahlkampf-Kalender niemals stattfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"425\" height=\"441\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2014_09_mischa_1409411114218601.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3174\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2014_09_mischa_1409411114218601.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2014_09_mischa_1409411114218601-289x300.jpg 289w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2014_09_mischa_1409411114218601-145x150.jpg 145w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><figcaption>Mischa &#8211; das Phantom, TV-Screenshot<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eindrucksvoll auch die Selbstinszenierungen nach der verlorenen Parlamentswahl von 2012. Bis zur letzten Minute seiner Amtszeit reiste er durch die Welt, wobei er sich jeweils in Buchhandlungen zeigte, in denen er Literatur einkaufte, die er in seiner \u00f6ffentlichen \u201ePr\u00e4sidenten-Bibliothek\u201c der georgischen Jugend als Verm\u00e4chtnis hinterlassen wollte. Legenden sind auch verschiedene Auff\u00fchrungen seiner \u201eM\u00e4nnerfreundschaft\u201c mit dem neuen m\u00e4chtigen Mann im Staate, Bidsina Iwanischwili. Und seine Video-Auftritte in verschiedenen Wahlk\u00e4mpfen seiner fr\u00fcheren Partei, der UNM. Dabei hatte er l\u00e4ngst die georgische Staatsb\u00fcrgerschaft verloren und lebte im Exil.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann nat\u00fcrlich seine Inszenierungen in der Ukraine, wo er sich zun\u00e4chst als Pr\u00e4sidenten-Berater aufdr\u00e4ngte. Auch hier scheiterte er, wurde des Landes verwiesen, kam aber zur\u00fcck, wobei er TV-gerecht die Landesgrenze st\u00fcrmte und sich so einen illegalen Eintritt verschaffte. Auseinandersetzungen mit der Polizei samt einer Verfolgung \u00fcber das Dach eines Wohnhauses in Kiew sowie Gerichtsverhandlungen und Stra\u00dfen-Schlachten zwischen seinen Anh\u00e4ngern und der Staatsmacht gingen um die Welt. Auch als Gouverneur von Odessa scheiterte er eindrucksvoll. Und danach seine Selbstinszenierung als wichtigster Oppositionsf\u00fchrer der Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich erhielt er, mittlerweile komplett staatenlos, einen Aufenthaltstitel in den Niederlanden, dem Heimatland seiner Ehefrau Sandra. Nachdem alle seine Versuche, wieder eine Position im politischen Rampenlicht vor allem in Georgien zu erringen, zum Scheitern verurteilt waren und offensichtlich auch sind, hat er sich f\u00fcr einen weiteren gro\u00dfen Auftritt entschieden, der illegalen Einreise nach Georgien, wo er sofort verhaftet wurde. Und dann kam die wohl letzte Selbstinszenierung Saakaschwilis, der wochenlange Hungerstreik, der den Kommunalwahlkampf und die Wochen danach \u00fcberschattete. Ob er damit allerdings sich und seinen Parteifreunden wirklich einen guten Dienst erwiesen hat, ist jetzt schon mehr als fraglich. Die Zeit f\u00fcr einen ehrenvollen Abgang von der politischen B\u00fchne ist wohl ein f\u00fcr allemal verstrichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt erinnere ich mich an ein Treffen mit Mischas Vater kurz nach seiner Wahl zum Pr\u00e4sidenten in einer Nobel-Villa am Stadtrand von Tiflis. Nach einem kurzen, durchaus auch ironischen Small-Talk \u00fcber seinen Sohn nahm mich der Mann beiseite in den Innengarten des Anwesens. Und dort sagte er mir, was ich bis heute nicht vergessen habe: \u201eMy son now is president. But I do know: He is crazy. What shall I do?\u201c Und er schaute den deutschen Journalisten, der ihm wenige&nbsp; Minuten zuvor erst vorgestellt wurde, lange schweigend, aber mehr als nur eindrucksvoll und vielsagend an. Eine Anekdote, die deshalb jetzt erst erz\u00e4hlt werden kann, weil ich vor wenigen Tagen erst erfahren habe, dass er diese Einsch\u00e4tzung seines Sohnes damals auch andernorts verk\u00fcndet hat. Was heute davon bleibt, k\u00f6nnte vielleicht folgende Erkenntnis sein: Ohne diese Eigenschaft, die ihm sein Vater zubilligte, h\u00e4tte Mikhail Saakaschwili wohl nie diese Karriere gemacht, mit allen H\u00f6hen und allen Tiefen. Und ohne diese Eigenschaft h\u00e4tte er vermutlich auch nie die ersten Reform-Erfolge seiner Amtszeit als dritter Pr\u00e4sident des post-sowjetischen Georgiens erreicht, die ihm auch heute niemand streitig machen kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_bush.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3175\" width=\"425\" height=\"268\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_bush.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_bush-300x189.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/online_2021_11_mischa_bush-150x95.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><figcaption>Gute Freunde: Mischa und George W.<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Saakaschwili und seine exzentrischen Medienauftritte Von Rainer Kaufmann Egal, wie man \u00fcber die politische Lebensleistung des dritten postsozialistischen georgischen Pr\u00e4sidenten zu urteilen gedenkt, wer die gesamte Karriere dieses Mannes aufmerksam verfolgt hat, kann auch angesichts der j\u00fcngsten Ereignisse eines nicht &hellip; <a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=3186\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3186"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3186"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3189,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3186\/revisions\/3189"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}