{"id":303,"date":"2012-05-05T14:45:14","date_gmt":"2012-05-05T12:45:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkanet.de\/KaromediaWP\/?p=303"},"modified":"2012-05-08T00:44:44","modified_gmt":"2012-05-07T22:44:44","slug":"im-portrait-martin-homola","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=303","title":{"rendered":"Im Portrait: Martin Homola"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/?attachment_id=419\" rel=\"attachment wp-att-419\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-419\" title=\"Martin Homola \" src=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_3_giz-homola_Berlin_2009.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"131\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_3_giz-homola_Berlin_2009.jpg 198w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_3_giz-homola_Berlin_2009-150x99.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>Der Leiter des GIZ-S\u00fcdkaukasus-B\u00fcros<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Als er im Jahr 2010 die Leitung des Regionalb\u00fcros S\u00fcdkaukasus der GIZ (Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit) in Tiflis angeboten bekam, hatte er, warum auch immer, nur 48 Stunden Zeit, sich zu entscheiden. Martin Homola griff zu und sagt heute, zwei Jahre sp\u00e4ter, er habe eine gute Wahl getroffen. Der 57-j\u00e4hrige ist verantwortlich f\u00fcr alle GIZ-Programme in Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Er hat eine jetzt schon fast 30-j\u00e4hrige Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit, ein GIZ-Urgestein also, das in diesen Jahren in Afrika, Asien und Lateinamerika gearbeitet hat. Von Hause aus Forstmann, er hat in Freiburg und Oregon studiert, ist er schon nach zwei Jahren Refererndarzeit im hessischen Forst aus der unausweichlichen Beamtenkarriere ausgeschieden. Der damalige Uniformzwang f\u00fcr F\u00f6rster und die Enge des Traditionsberufs waren ihm zuwider.<\/p>\n<p>So ging er 1983 f\u00fcr ein Jahr als Projektassistent in ein Bergregionenprogramm nach Indien. Zwei Jahre \u201eStandzeit\u201c in der Zentrale folgten, bevor er seinen ersten l\u00e4ngeren Auslandsaufenthalt antrat. Sechs Jahre verbrachte er auf den Fidschi-Inseln, wo er ein Programm zur nat\u00fcrlichen Waldbewirtschaftung leitete.<\/p>\n<p>Nach einem erneuten Aufenthalt in Eschborn verschlug es ihn im Jahr 2000 in den arabischen Raum. F\u00fcnf Jahre war er in Dubai und Abu Dhabi f\u00fcr das so genannte Drittgesch\u00e4ft der GIZ t\u00e4tig. Dabei handelt es sich um Projektauftr\u00e4ge, die von lokalen Geldgebern finanziert wurden. In ganz Westafrika lie\u00df er f\u00fcr die Saudis Brunnen bohren. Ins Schw\u00e4rmen ger\u00e4t er, wenn er von den Sommercamps spricht, die er damals in Abu Dhabi organisierte. Er sollte, so sein Auftraggeber, Jugendlichen im Sommer eine sinnvolle Besch\u00e4ftigung anbieten. Ausgestattet mit einem satten Budget wurden deshalb zun\u00e4chst nur jungen M\u00e4nnern in den Sommerferien bis zu sechsw\u00f6chige Berufsfindungskurse angeboten. Auto-Reparieren, Roboter bauen, Film- und Theatergruppen und vieles mehr in einer kleinen Zeltstadt, in der es an nichts mangelte.<\/p>\n<p>Am ersten Tag sind nur zehn junge M\u00e4nner gekommen, nach kurzer Zeit aber wurde das Camp zu einem Riesenerfolg. Auch eine Art von Entwicklung, gelangweilten S\u00f6hnen reicher Eltern den Sommer mit einem Aktiv-Programm, bei dem sie gefordert wurden und auch gef\u00f6rdert, zu vers\u00fc\u00dfen. Das Camp ist auch heute noch fester Bestandteil im Sommerprogramm saudi-emiratischer Jugendlicher. Als dann auch M\u00e4dchen anklopften, ganz vorsichtig nat\u00fcrlich, wurden auch Schmink- und Kosmetikkurse angeboten. Einige der jungen Damen soll es aber lieber zum Auto-Reparatur-Kurs gezogen haben. Ein erster Ansatz von Frauen-Emanzipation?<\/p>\n<p>Aus dem steinreichen Abu Dhabi wechselte Martin Homola dann ins bettelarme Bolivien, wo er drei Jahre lang Landesdirektor war. Eine Stabsstelle in Berlin war f\u00fcr etwas \u00fcber ein Jahr sein n\u00e4chster Posten. Homola leitete das Programmb\u00fcro Internationale Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums f\u00fcr Umwelt (BMU) und der GTZ, bevor der Ruf nach Georgien kam.<\/p>\n<p>Vielleicht ist es nach zwei Jahren zu fr\u00fch, ein Fazit zu ziehen. Aber Homola macht die Arbeit hier Spa\u00df, vor allem, weil er selten hat er in einer Region gearbeitet hat, in der die Auswirkungen der Beratung so deutlich sp\u00fcrbar sind wie im S\u00fcdkaukasus. In Bolivien gab es \u00a0zum Beispiel im Rechtsberatungsprojekt mittlerweile sehr viele R\u00fcckschritte. Zu seinem Abschied wurde er noch vom Pr\u00e4sidenten des obersten Gerichtshofs mit der Simon-Bolivar-Medaille ausgezeichnet, der h\u00f6chsten Auszeichnung des Landes. Im Kaukasus ist die Situation anders. Gerade auf dem Gebiet der Rechtsberatung hat die Arbeit der GIZ deutlich positivere Spuren hinterlassen.<\/p>\n<p>Eine kleine R\u00fcckblende: Vor zwei Jahrzehnten kollabierte die Sowjetunion, ihre Republiken machten sich auf den Weg in die Unabh\u00e4ngigkeit, der gleichbedeutend sein sollte mit Demokratie, Marktwirtschaft und Rechtsstaat. Die damals real existierende Justiz spielte dabei alles andere als eine hehre Rolle. Sie war gefangen in einem selbst gesponnenen Netz von Korruption und Unf\u00e4higkeit, eine schwere Erblast des fr\u00fcher allm\u00e4chtigen Sowjetstaats. Streitigkeiten des Alltags wurden nur selten der staatlichen Justiz vorgetragen, man wandte sich an die so genannten \u201egesetzlichen Diebe\u201c, das waren kriminelle Stadtteil-Patrone mit langj\u00e4hriger Knast-Karriere, die \u201eRecht sprachen\u201c<strong> &#8211; <\/strong>auf ihre Art freilich &#8211;\u00a0 und die auch die Macht hatten, ihren \u201eSchiedsspruch\u201c durchzusetzen, selbstverst\u00e4ndlich auch auf ihre spezielle Art. Wer die staatliche Justiz anrief, hatte angesichts dieser Schattenjustiz, deren Vertreter es gelegentlich bis in h\u00f6chste Staats\u00e4mter brachten, verloren.<\/p>\n<p>Heute tragen Zivilrecht, Verwaltungsrecht und Verfassung deutlich die Handschrift deutscher Experten. Eine Entwicklung, die f\u00fcr Homola unumkehrbar ist. Ein Beispiel von vielen: Im Jahr 2010 ernannte der armenische Staatspr\u00e4sident mit Hrayr Tovmasjan einen neuen, partei-unabh\u00e4ngigen Justizminister, der nicht aus dem Staatsapparat kommt. Er war \u2013 wie auch sein neu ernannter Stellvertreter Grigor Muradjan &#8211; seit Jahren Mitarbeiter im GIZ-Rechtsreformvorhaben in Eriwan und hat jetzt die Chance, an entscheidender Stelle f\u00fcr weitere Schritte in Richtung Rechtsstaat zu sorgen. Auch am Erfolg oder Misserfolg dieser politischen Mission wird sich zeigen, wie ernst es die staatlichen Strukturen mit ihrem Postulat nach Rechtsstaat und internationalen Standards wirklich meinen. Auch in der Beratung der georgischen Kontrollkammer sieht Homola nennenswerte Fortschritte.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel, die B\u00fcrgerb\u00fcros in georgischen Kommunen. In 15 St\u00e4dten wurden diese B\u00fcros mit Hilfe der GIZ eingerichtet und das Personal ausgebildet. F\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger eine wichtige Anlaufstelle. Die Anfragen reichen von Problemen lediger M\u00fctter bis zu Unternehmensgr\u00fcndungen. Die B\u00fcrgerb\u00fcros helfen, sich im Beh\u00f6rdendschungel zurecht zu finden.<\/p>\n<p>Oder das Aufforstungsprogramm in Dedoplistskaro, in der GIZ-Fachsprache \u201eNachhaltige Bewirtschaftung der Biodiversit\u00e4t im S\u00fcdkaukasus\u201c genannt. Neben umfangreichen Neunpflanzungen wurde eine Baumschule rehabilitiert, die mittlerweile ganz Georgien mit Jungpflanzen beliefert. Bauern aus Hessen haben den \u00f6rtlichen Landwirten gezeigt, wie man einen total ausgelaugten und toten Boden wieder mit Bodenleben reaktiviert. Im v\u00f6llig heruntergekommen Weizenanbau von Dedoplistskaro, auf dem lediglich zwei Tonnen pro Hektar geerntet wurden, liegt man jetzt schon bei 4,5 Tonnen, das Ziel liegt bei acht Tonnen. Die Landwirte von Dedoplistskaro haben mittlerweile eine Art Kooperative gegr\u00fcndet und Dieter M\u00fcller, GIZ-Projekteiter vor Ort, wurde gar zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt ernannt.<\/p>\n<p>Ob es auch Flopps gegeben hat in den letzten Jahren? Ganz sicher. Zum Beispiel \u00a0war die Wirtschaftsberatung wohl falsch angelegt. Wirtschaftsberatung meint in diesem Falle die F\u00f6rderung kleiner und mittelst\u00e4ndischer Unternehmen, denen man partout einen Zugang zu europ\u00e4ischen M\u00e4rkten verschaffen wollte. Dazu passen, so Martin Homola, einfach die Rahmenbedingungen nicht. Das Land wurde nach der Sowjetzeit mit seinen damaligen technischen Standards schutzlos den Mechanismen des Weltmarktes ausgeliefert, womit er vor allem den Import meint. In einer solchen Situation, \u00fcberschwemmt von G\u00fctern des allt\u00e4glichen Gebrauchs aus aller Welt, vor allem Nahrungsmittel, l\u00e4sst sich keine konkurrenzf\u00e4hige Produktion aufbauen. Da h\u00e4tten auch die westlichen Geber-L\u00e4nder mit ihrer Beratung einen falschen Ansatz verfolgt. Besser w\u00e4re es gewesen, erst einmal den Binnenmarkt zu sch\u00fctzen und dessen Produktion aufzubauen, zumal sich das Land keine soziale Absicherung f\u00fcr Unterprivilegierte leistet.<\/p>\n<p>Die Zukunft der GIZ-Arbeit sieht Homola eher nicht in der klassischen Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland ist f\u00fcr Georgien der wichtigste Partner, wenn es um das gro\u00dfe Ziel der europ\u00e4ischen Integration geht. Deshalb wird sich die GIZ in Zukunft verst\u00e4rkt um die Twinning-Projekte der EU bem\u00fchen, mit denen das Land f\u00fcr eine k\u00fcnftige Integration in Europa ert\u00fcchtigt werden soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Leiter des GIZ-S\u00fcdkaukasus-B\u00fcros \u00a0Als er im Jahr 2010 die Leitung des Regionalb\u00fcros S\u00fcdkaukasus der GIZ (Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit) in Tiflis angeboten bekam, hatte er, warum auch immer, nur 48 Stunden Zeit, sich zu entscheiden. 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