{"id":2963,"date":"2018-12-09T20:27:22","date_gmt":"2018-12-09T19:27:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2963"},"modified":"2018-12-10T18:06:51","modified_gmt":"2018-12-10T17:06:51","slug":"kapost-aktuell-georgischer-weinexport-gefahrliche-abhangigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2963","title":{"rendered":"KaPost-aktuell: Georgischer Weinexport: Gef\u00e4hrliche Abh\u00e4ngigkeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die unbequeme Wahrheit hinter einer Erfolgsstatistik<\/strong><\/p>\n<p>Und wieder einmal hat man in den vergangenen elf Monaten des Jahres 2018 einen Rekord erreicht, den man voll stolz verk\u00fcnden kann. Der Weinexport meldet ein Plus von elf Prozent auf 77.945.023 Flaschen a 0,75 l, die im Ausland verkauft werden konnten. Im Vorjahr waren es nur 70.184.292 Flaschen. Allerdings: Wurden im Vorjahr pro Flasche noch 2,36 US-Dollar im Durchschnitt erl\u00f6st, waren es in diesem Jahr sieben Prozent weniger, n\u00e4mlich 2,20 Dollar. Selbst bei gleichzeitigem Kursverfall der georgischen W\u00e4hrung und damit h\u00f6heren Lari-Erl\u00f6sen, m\u00fcsste sich die Weinwirtschaft des Landes eigentlich eingestehen, dass ihr Exportzuwachs von respektierlichen elf Prozent dann am Ende insgesamt doch nur zu einer bescheidenen Einkommensverbesserung, in Lari gerechnet, gef\u00fchrt hat, wenn \u00fcberhaupt. Der Exportzuwachs wird, finanziell berechnet, eher zum Nullsummenspiel f\u00fcr die Weinkellereien und vor allem f\u00fcr die Weinbauern.<\/p>\n<p>Dabei ist es vor allem die nach wie vor starke Abh\u00e4ngigkeit von Russland, die auf lange Sicht gesehen zu Sorge Anlass geben sollte. Mit 48,6 Millionen Flaschen gehen noch immer 62 Prozent des Exports zum n\u00f6rdlichen Nachbarn, gefolgt von der Ukraine, die es auf zw\u00f6lf Prozent bringt. Damit ist das Land in seinem Weinexport zu 75 Prozent von den beiden Nachbar-Staaten abh\u00e4ngig. Eine Situation, die jedem Marketing-Strategen, Landwirtschafts- oder Wirtschaftsminister keine ruhige Nacht mehr bescheren d\u00fcrfte. Schon gar, wenn man den russischen Import-Stopp vor einem Jahrzehnt in Erinnerung hat oder den Export-Einbruch infolge der Wirtschaftskrisen in diesen L\u00e4ndern vor wenigen Jahren. Beides kann sich bei der fragilen politischen wie wirtschaftlichen Lage in dieser Weltgegend jederzeit wiederholen. Was dann? Wie wird man die Export-Statistik dann verkaufen?<\/p>\n<p>Zumal die gro\u00dfe Zukunftshoffnung der letzten Jahre, China, zum ersten Mal schw\u00e4chelt. Nach Jahren best\u00e4ndigen Zuwachses nahm China in diesem Jahr erstmals deutlich weniger Wein ab als im Vorjahr, n\u00e4mlich nahezu eine halbe Million Flaschen, das ist ein Minus von sieben Prozent. Trotzdem liegt das Reich in der Mitte mit 6,3 Millionen Flaschen, das sind acht Prozent des georgischen Exports, noch immer auf Platz drei. Aber: Der Wachstumsmotor China ist erst einmal ins Stottern geraten. Was, wenn sich der chinesische Markt nicht wirklich wieder erholt?<\/p>\n<p>Nimmt man die beiden n\u00e4chsten L\u00e4nder in der Exporttabelle \u2013 Kasachstan (3,4 Millionen Flaschen, plus zehn Prozent) und Polen (3,0 Millionen Flaschen, plus 27 Prozent) &#8211; dazu, dann nehmen die f\u00fcnf wichtigsten Export-L\u00e4nder Georgiens genau 90,85 Prozent des Weines ab. Die ersten zehn L\u00e4nder (von insgesamt 56) dieser Statistik bringen es auf knapp 97 Prozent der georgischen Ausfuhren. Das ist alles andere als eine stabile Situation. Der Export-Artikel Wein \u2013 und damit gro\u00dfe Teile der georgischen Landwirtschaft \u2013 erscheinen alles andere als gut gewappnet f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Unter den ersten zehn Import-L\u00e4ndern stehen die Vereinigten Staaten von Amerika mit 456.000 Flaschen (0,6 %) auf Platz neun. Die Bundesrepublik Deutschland steht mit 440.000 Flaschen, ein Plus von neun Prozent, auf Platz elf und f\u00fchrt damit die Liste der westeurop\u00e4ischen Importeure an. Aus Westeuropa kommen nur Frankreich (113.000 Flaschen) und England (103.000 Flaschen) auf den Pl\u00e4tzen 19 und 20 noch auf einen nennenswerten Rang in dieser Export-Tabelle.<\/p>\n<p>Das alles zeigt, dass die georgische Weinwirtschaft das eigentlich wichtige strategische Ziel, sich mit Qualit\u00e4ts- und\/oder Spitzenweinen auf dem Weltmarkt zu etablieren, wenn auch nur in kleinen Nischen, nicht wirklich angegangen hat. Nach wie vor dominiert der Massenabsatz in die L\u00e4nder der fr\u00fcheren UdSSR, erg\u00e4nzt durch \u2013 das schw\u00e4chelnde \u2013 China. Und damit dominiert auch die Produktion an Weinen im unteren Qualit\u00e4ts-Bereich. Weine, die eben nur in den traditionellen, ex-sowjetischen Absatzm\u00e4rkten gefragt sind, die andernorts in der Welt kaum ein Zertifizierungslabor durchlaufen k\u00f6nnen. Wie lange noch kann diese Strategie gut gehen? Der georgische Weinbau steht nach wie noch vor einem ganz gewaltigen Strukturwandel, will er einmal wirklich stabile und nachhaltige Erfolgsstatistiken vorlegen mit Absatzstrukturen, in denen sich die jeweiligen Marktrisiken in dieser Welt die Waage halten. Absatzstrukturen, die im Ernstfall M\u00e4rkte enthalten, die kurzfristig zu aktivieren w\u00e4ren. Ob die Verantwortlichen in Georgien das heute richtig einsch\u00e4tzen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die unbequeme Wahrheit hinter einer Erfolgsstatistik Und wieder einmal hat man in den vergangenen elf Monaten des Jahres 2018 einen Rekord erreicht, den man voll stolz verk\u00fcnden kann. 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