{"id":2797,"date":"2018-05-31T15:42:15","date_gmt":"2018-05-31T13:42:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2797"},"modified":"2018-05-31T15:42:15","modified_gmt":"2018-05-31T13:42:15","slug":"eine-besondere-kunst-statistik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2797","title":{"rendered":"Eine besondere Kunst: Statistik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie sich Georgien die Arbeitslosigkeit sch\u00f6n rechnet<\/strong><\/p>\n<p>Im Umgang mit Statistiken und ihren Zahlen gilt landl\u00e4ufig der Satz: \u201eTraue keiner Statistik, die Du nicht selbst gef\u00e4lscht hast.\u201c Die georgische Erkl\u00e4rung dieses Satzes scheint aber zu sein: \u201eMache die F\u00e4lschung zwar deutlich, verstecke sie aber so geschickt in das Zahlenwerk, dass jede Interpretation m\u00f6glich ist.\u201c Anders l\u00e4sst sich die offizielle Arbeitslosenstatistik des Jahres 2017 nicht erkl\u00e4ren, die der Direktor des Nationalen Statistik-B\u00fcros, Gogita Todradze, k\u00fcrzlich publizierte und die zur \u00dcberschrift in einer Agentur-Meldung f\u00fchrte: \u201eArbeitslosenquote in 2017: 13,9 Prozent\u201c. Das ist ein R\u00fcckgang zum Vorjahr von 0,1 Prozent. Erfolgszahlen, allgemeines Schulterklopfen bei den Regierenden.<\/p>\n<p>In der Agenturmeldung \u2013 wir beziehen uns auf die englische Version von der Webseite der Agentur &#8211; wird dann aber die offensichtliche Differenz zwischen Statistik und Realit\u00e4t genauer erl\u00e4utert, dies allerdings so geschickt, dass es kaum jemandem auff\u00e4llt. Demnach erkl\u00e4rte der oberste Statistiker des Landes, dass im ganzen Land 1,7 Millionen Menschen ohne Besch\u00e4ftigung seien, bei einer Bev\u00f6lkerung von etwa 3,5 Millionen also ziemlich genau die H\u00e4lfte, was in etwa der gef\u00fchlten Realit\u00e4t entspricht. Um auf eine bessere Arbeitslosenquote zu kommen, werden allerdings 880.000 Menschen als Selbst\u00e4ndige (self-employed) gef\u00fchrt. Und 280.000 seien im staatlichen Sektor besch\u00e4ftigt, wie auch immer das zusammen passen kann, arbeitslos und beim Staat besch\u00e4ftigt. Bleiben also genau 540.000 Menschen \u00fcbrig, die wohl unter der Rubrik arbeitslos gef\u00fchrt werden. Bei 3,5 Millionen Einwohnern w\u00e4ren das exakt 15,4 Prozent. Davon w\u00e4ren jetzt allerdings Kinder und Jugendliche abzuziehen, sodass sich die Quote von 13,8 Prozent Arbeitslosigkeit schon irgendwie zurecht, das hei\u00dft sch\u00f6n rechnen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Interessant ist aber ein Blick auf die 880.000 selbst\u00e4ndigen Unternehmer im Land. Da man in den l\u00e4ndlichen Zonen von einer Arbeitslosigkeit von nur 5,1 Prozent ausgeht, d\u00fcrfte sich hier eine der wesentlichen Erkl\u00e4rungen der statistischen Raffinesse finden lassen. Denn anscheinend wird jede Person im arbeitsf\u00e4higen Alter, die nicht in einer Stadt wohnt und keinen Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen hat, als selbst\u00e4ndiger Landwirt gef\u00fchrt, anscheinend egal, ob er sich als solcher f\u00fchlt oder nicht. Ein bisschen Ackerfl\u00e4che hat ja wohl jeder rund um sein Haus. In den St\u00e4dten wird die Arbeitslosigkeit \u00fcbrigens mit 22,8 Prozent angegeben, also mehr als 4,5 mal soviel wie auf dem Land. Zur\u00fcck zu den vielen selbst\u00e4ndigen Landwirten. Vor einigen Jahren ver\u00f6ffentlichte das Landwirtschaftsministerium einmal eine Statistik, nach der die H\u00e4lfte der damaligen Landwirte eine Ertragsfl\u00e4che von unter 0,2 Hektar zur Bewirtschaftung hat. Eine Fl\u00e4che, mit der man nicht einmal Subsistenz-Landwirtschaft betreiben kann. Mehr als ein Hektar Betriebsfl\u00e4che hatte damals nur eine verschwindend kleine Anzahl an Landwirten. Daran d\u00fcrfte sich bis heute nicht viel ge\u00e4ndert haben, Landwirtschaft, wie sie andernorts in der Welt bekannt ist, findet in Georgien kaum statt. Und das in Gottes eigenem Paradiesgarten, wenn man den Legenden glaubt, die jede georgische Supra schm\u00fccken. Es scheint so zu sein: In der offiziellen georgischen Arbeitsstatistik helfen alle diese kleinen Hausg\u00e4rten, die Zahl der Arbeitslosen im Lande klein zu rechnen. Und die Agenturen geben diese Meldungen ungepr\u00fcft und unkommentiert weiter.<\/p>\n<p>Anmerkung: Wir beziehen uns auf die englische \u00dcbersetzung aus der Webseite einer georgischen Nachrichtenagentur unter der \u00dcberschrift: \u201e. Unemployment rate amounted to 13.9 percent in 2017 in Georgia\u201c mit Datumsangabe: 12:50 21-05-2018. Was wir allerdings nicht v\u00f6llig ausschlie\u00dfen wollen ist, dass die georgischen Journalisten-Kollegen ihrerseits die etwas verschwurbelte Zahlen-Interpretation erfanden, um einerseits die regierungsamtliche Erfolgsmeldung\u00a0 nicht zu torpedieren, andererseits aber jedermann die Chance zu er\u00f6ffnen, hinter das offensichtlich recht fragw\u00fcrdige Zahlenwerk zu schauen. Subversiv w\u00fcrde man das dann nennen d\u00fcrf<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sich Georgien die Arbeitslosigkeit sch\u00f6n rechnet Im Umgang mit Statistiken und ihren Zahlen gilt landl\u00e4ufig der Satz: \u201eTraue keiner Statistik, die Du nicht selbst gef\u00e4lscht hast.\u201c Die georgische Erkl\u00e4rung dieses Satzes scheint aber zu sein: \u201eMache die F\u00e4lschung zwar &hellip; <a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2797\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2797"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2797"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2797\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2798,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2797\/revisions\/2798"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}