{"id":2753,"date":"2018-05-01T15:16:06","date_gmt":"2018-05-01T13:16:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2753"},"modified":"2018-05-01T15:16:06","modified_gmt":"2018-05-01T13:16:06","slug":"uberraschungs-revolution-mit-offenem-ausgang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2753","title":{"rendered":"\u00dcberraschungs-Revolution mit offenem Ausgang"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie aus einem Nobody ein politischer Hauptdarsteller wurde<\/strong><\/p>\n<p>Noch ist, w\u00e4hrend diese Zeilen online gestellt werden, v\u00f6llig unsicher, wie die armenische Regierungskrise ausgeht. Auch ist unsicher, ob Oppositionsf\u00fchrer Nikol Pashinian heute zum Interims-Ministerpr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt, obwohl die Regierungsmehrheit der Republikanischen Partei keinen Gegenkandidaten nominiert und statt dessen erkl\u00e4rt hat, der Wahl eines \u201eVolks-Kandidaten\u201c nicht im Wege stehen zu wollen. Das heutige Verhalten der System-Abgeordneten im Parlament jedenfalls l\u00e4sst den Schluss nicht zu, dass sie den F\u00fchrer der Volkserhebung auch tats\u00e4chlich zum Regierungschef w\u00e4hlen wollen.<\/p>\n<p>Offen bleibt aber auch, wie dieser Mann, der zur \u00dcberraschung vieler Beobachter \u00fcber die Mobilisierung der Stra\u00dfe das Oligarchen-System ins Wanken bringen konnte, \u00fcberhaupt eine handlungsf\u00e4hige Regierung bilden kann, sollte er denn gew\u00e4hlt werden. Verweigert sich die bisherige Elite, die mit 58 von 105 Parlamentssitzen die absolute Mehrheit besitzt, einer Kooperation in der angedachten Allparteien-Regierung, dann steht dem Land ein politischer Stillstand bevor, der \u00fcber Monate hinweg dauern kann. Nikol Pashinian, der nichts anderes will als \u00fcber Neuwahlen die Machtelite der vergangenen Jahrzehnte v\u00f6llig kalt zu stellen, hat trotz des einen oder anderen Etappensieges noch eine weite Strecke vor sich. Ausgang v\u00f6llig ungewiss.<\/p>\n<p>Dennoch hat er in wenigen Tagen der letzten Woche etwas erreicht, was vor etwa zwei Wochen noch v\u00f6llig aussichtslos erschien. Da konnten sich die Regierenden noch in dem sicheren Glauben wiegen, die Stra\u00dfenproteste mit Mitteln konventioneller staatlicher Repression eind\u00e4mmen zu k\u00f6nnen. Pashinian, dessen Partei gerade einmal drei Prozent der Abgeordneten stellt, stand n\u00e4mlich ohne jeden Verb\u00fcndeten in der politischen Landschaft Armeniens da, auch ohne moralische Unterst\u00fctzer aus dem Ausland. Das hat sich in wenigen Tagen ge\u00e4ndert. Aus dem Nobody wurde ein Hauptdarsteller, an dem zumindest in Eriwan derzeit keiner vorbei kommt. Wie konnte das geschehen? Die Mehrheit der v\u00f6llig verarmten und perspektivlosen Bev\u00f6lkerung des Landes hatte die Selbstbedienungs-Mentalit\u00e4t der regierenden Clique offensichtlich so satt, dass es nur eines kleinen Hoffnungsfunkens bedurfte, um einen veritablen Fl\u00e4chenbrand auszul\u00f6sen. Ein Vorgang, der auch andernorts Nachahmer finden k\u00f6nnte, wenngleich das Missverh\u00e4ltnis zwischen Arm und Reich nirgendwo so krass ist wie in Armenien. Aber, wenn die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung am wirtschaftlichen Erfolg keinen Anteil hat, kann ein zu allem entschlossener Einpeitscher die Massen auf die Stra\u00dfe bringen. Eines allerdings, was vor allem in einigen westlichen Medien in die Ereignisse hinein interpretiert wurde, stimmt nicht: Diese armenische \u201eRevolution\u201c richtet sich nicht gegen den Hauptverb\u00fcndeten des Landes, Russland. Auf dessen Rolle in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten allerdings darf man gespannt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Rainer Kaufmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie aus einem Nobody ein politischer Hauptdarsteller wurde Noch ist, w\u00e4hrend diese Zeilen online gestellt werden, v\u00f6llig unsicher, wie die armenische Regierungskrise ausgeht. 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