{"id":2748,"date":"2018-04-30T13:23:15","date_gmt":"2018-04-30T11:23:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2748"},"modified":"2018-04-30T13:23:15","modified_gmt":"2018-04-30T11:23:15","slug":"aus-der-traum-von-der-winterolympiade-2030","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2748","title":{"rendered":"Aus der Traum von der Winterolympiade 2030?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein eher peinliches Video soll das Sport-Event nach Georgien bringen<\/strong><\/p>\n<p>Die weltweite PR-Kampagne zur angedachten Bewerbung um die Winter-Olympiade 2030 hat sich der georgische Regierungschef sicher anders vorgestellt als die Horror-Szenen vom Skilift-Unfall in Gudauri von vor einigen Wochen. In Windeseile gingen die Videos durch die sozialen Netzwerke und landeten schlie\u00dflich auch auf den Online-Ausgaben nahezu aller f\u00fchrenden Zeitungen der Welt.<\/p>\n<p>Das offizielle Olympia-Video, das mit allerh\u00f6chstem Segen des Premierministers in youtube gepostet wurde, war allerdings auch eine eher peinliche Inszenierung denn eine gelungene Image-Werbung. Warum Georgien pr\u00e4destiniert sei f\u00fcr Olympische Winterspiele wird da gefragt und ganz einfach beantwortet: Weil \u00fcber 65 Prozent des Landes von Bergen bedeckt sei und diese Bergregionen durch eine gute Infrastruktur und entsprechende Stra\u00dfen leicht erreichbar seien. Aussagen, die jedermann vor Ort auf ihren Wahrheitsgehalt \u00fcberpr\u00fcfen kann. \u00dcber sieben Millionen Touristen h\u00e4tten im Jahr 2017 das Land besucht, allein im Wintertourismus habe es einen Zuwachs von 364 Prozent gegeben. Zahlen, die voll Stolz verk\u00fcndet werden, die aber bei genauerem Hinsehen kaum einer \u00dcberpr\u00fcfung standhalten. Die KaPost hat die offizielle Tourismusstatistik in ihrer Januar-Ausgabe ausf\u00fchrlich untersucht.<\/p>\n<p>Nach dem Zitieren des bekannten Easy-Doing-Business-Indexes und anderer internationaler Top-Rankings werden die sechs (!) Skigebiete des Landes vorgestellt: Bachmaro, Goderzi-Pass, Tetnuldi-Plateau, Ratscha, Gudauri und Bakuriani. Ratscha ist Kennern des Landes bisher kaum als ein Ski-touristisches Ziel aufgefallen, wird mit seinem Flughafen in Ambrolauri aber als ein gelungenes Modell moderner Verkehrsinfrastruktur in den Bergen gefeiert. Bachmaro ist eines der abgelegensten und deshalb auch sch\u00f6nsten D\u00f6rfer Georgiens im Kleinen Kaukasus und vor allem ein Sommer-Kurort f\u00fcr Einheimische. Im Winter kommen seit ein paar Jahren einige Dutzend verwegene Ski-Fahrer aus Europa, die hier vorfinden, was es zu Hause nicht mehr gibt: eine unber\u00fchrte Tiefschnee-Landschaft mit dem Unterbringungskomfort Almh\u00fctte. F\u00fcr Olympia v\u00f6llig ungeeignet. Au\u00dferdem: Wer auch immer etwas an der Situation in Bachmaro \u00e4ndert, zum Beispiel durch eine wintertaugliche Stra\u00dfe, der zerst\u00f6rt eben den einmaligen Charakter dieses Ortes und damit auch seine Einzigartigkeit als Luftkurort im Sommer. Dasselbe kann auch f\u00fcr die Skigebiete am Goderzi-Pass oder am Tetnuldi-Plateau gesagt werden. F\u00fcr ein Gro\u00dfereignis wie eine Olympiade sind sie v\u00f6llig ungeeignet, weil im Winter nahezu unerreichbar. Etwa 20 Skifahrer wurden von deutschen Tiefschnee-Touristen am Tag an den Lifts vom Goderzipass in diesem Winter gesichtet (die KaPost berichtete in ihrer Februar-Ausgabe dar\u00fcber). Am Tetnuldi-Skilift in Swanetien d\u00fcrften es ein paar mehr gewesen sein. Aber auch hier gilt: F\u00fcr eine Winter-Olympiade nahezu untauglich, da nicht einmal ein Minimum an Infrastruktur vorhanden ist, auf dem man aufbauen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Blieben dann noch die beiden traditionellen Ski-Gebiete Gudauri und Bakuriani. Die Landschaft um Gudauri d\u00fcrfte kaum den Anforderungen gen\u00fcgen, die der olympische Hochleistungssport nun einmal fordert, zumal die eine Seite des Alasanitals mit seinem Gebirgskamm als Grenze zu S\u00fcdossetien praktisch ausf\u00e4llt. Aus diesen politischen Gr\u00fcnden musste vor einigen Jahren der bis dahin in bescheidenem Umfang doch recht erfolgreiche Heli-Ski-Tourismus eingestellt werden.<\/p>\n<p>Und mit Bakuriani, dem fr\u00fcheren Trainingszentrum der nordischen Olympiamannschaft der Sowjetunion, ist auch nicht mehr allzu viel Staat zu machen, wenngleich sich die touristische Infrastruktur in den letzten Jahren erheblich verbessert hat. Zur Erinnerung aber: Michail Saakaschwili hatte sich mit Bakuriani allen Ernstes offiziell um die Winter-Olympiade 2014 beworben und ist kl\u00e4glich gescheitert. Den Zuschlag bekam damals Sotschi. Warum sich der georgische Regierungschef jetzt von seinen PR-Beratern erneut auf das Glatteis einer Olympia-Bewerbung hat f\u00fchren lassen, ist daher kaum verst\u00e4ndlich. Denn dem Land fehlt es \u00fcberall an der erforderlichen Infrastruktur, keines der genannten Skigebiete hat gen\u00fcgend Platz oder die landschaftlichen Voraussetzungen, eine Olympiade darstellen zu k\u00f6nnen. Und schlie\u00dflich: Was soll Georgien, sollte es den Zuschlag bekommen und das alles finanziell stemmen, was soll Georgien dann mit all den \u00fcber-dimensionierten Arenen f\u00fcr Hochleistungssport anfangen? Wie diese unterhalten und wie auf Dauer finanzieren?<\/p>\n<p>Der H\u00f6hepunkt der peinlichen Video-Selbstdarstellung: Der jugendliche Koba Tsakadze, einst ein bekannter Skisprung-Weitenj\u00e4ger der UdSSR, wird als erfolgreicher Olympia-Athlet vorgef\u00fchrt. Tatsache ist aber, der Skispringer aus Bakuriani hat zwar das eine oder andere Springen der deutsch-\u00f6sterreichischen Vierschanzen-Tournee gewonnen und wurde dadurch bekannt, ging bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen jedoch immer leer aus. Schlie\u00dflich f\u00fchren die Video-Werber f\u00fcr die Winter-Olympiade noch die Gesamtzahl georgischer Medaillengewinner bei Olympischen Spielen auf: Seit 1952 haben an 16 Olympischen Spielen insgesamt 359 georgische Athletinnen und Athleten teilgenommen. Die Medaillen-Ausbeute: 39 Gold-, 29 Silber- und 57 Bronze-Medaillen. Auf Nachfrage beim Nationalen Olympischen Komitee des Landes war dann aber zu erfahren, dass es f\u00fcr Georgier in der Geschichte der Olympischen Spiele keine einzige Medaille im Winter gegeben hat. Georgier sind zum Beispiel Weltspitze im Ringen, Gewichtheben und Judo. Im Wintersport hatten sie noch nie viel zu melden, mit Ausnahme eben Koba Tsakadze und der hatte nur bei der Vierschanzen-Tournee einen internationalen Podestplatz erringen k\u00f6nnen. Als Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr eine Olympia-Kandidatur taugt der heute \u00fcber 80 Jahre alte Skispringer, der immerhin als einer Vorreiter des damals mutigen Fischstils beim Springen galt, ebenso wenig wie die mittlerweile v\u00f6llig heruntergekommenen Schanzen des einstigen sowjetischen Olympia-St\u00fctzpunktes Bakuriani. Das alles spielt bei Video-Regisseuren aber keine Rolle, die den Auftrag ihrer Regierungsspitze erf\u00fcllen sollen, das Land als idealen Gastgeber einer Winter-Olympiade darzustellen.<\/p>\n<p>Im Januar hatte der Premier noch bei einem Besuch beim Internationalen Olympischen Komitee in Lausanne und dessen Pr\u00e4sidenten Bach verk\u00fcndet, im M\u00e4rz werde eine IOC Delegation in Georgien vor Ort die Voraussetzungen f\u00fcr eine Olympia-Bewerbung \u00fcberpr\u00fcfen. \u00dcber das Ergebnis dieser Visite, sofern sie denn \u00fcberhaupt stattgefunden hat, ist bis heute nichts an die \u00d6ffentlichkeit gedrungen. Auch \u00fcber den Hintergrund des Liftunfalls wurde die \u00d6ffentlichkeit bisher nur unzureichend unterrichtet.<\/p>\n<p>Der Link zum Video:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.georgianjournal.ge\/discover-georgia\/34136-georgia-interested-in-hosting-winter-olympics.html\">https:\/\/www.georgianjournal.ge\/discover-georgia\/34136-georgia-interested-in-hosting-winter-olympics.html<\/a><\/p>\n<p>PS.: Vor einigen Jahren hatte sich Mikheil Saakaschwili mit Bakuriani schon einmal um die Austragung einer Winter-Olympiade beworben. Die aktuelle Inititative des georgischen Premierministers ist also nicht gerade originell. Damals kam Georgien noch nicht einmal in das olympische Auswahlverfahren. Der Gewinner: ausgerechnet Sotschi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein eher peinliches Video soll das Sport-Event nach Georgien bringen Die weltweite PR-Kampagne zur angedachten Bewerbung um die Winter-Olympiade 2030 hat sich der georgische Regierungschef sicher anders vorgestellt als die Horror-Szenen vom Skilift-Unfall in Gudauri von vor einigen Wochen. 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