{"id":2615,"date":"2018-01-03T17:38:45","date_gmt":"2018-01-03T16:38:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2615"},"modified":"2018-01-03T17:38:45","modified_gmt":"2018-01-03T16:38:45","slug":"georgien-zum-jahreswechsel-2-neue-hoffung-seidenstrase","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2615","title":{"rendered":"Georgien zum Jahreswechsel (2): Neue Hoffung Seidenstra\u00dfe?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kritische Anmerkungen zur neuen georgischen Zukunftsvision<\/strong><\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n f\u00fcr Georgien, dass es kurz nach dem EU-Gipfel ein weiteres Mega-Event gab und das auch noch in Tiflis: Die 2. Silk-Road-Konferenz. 2.000 Delegierte aus aller Welt, Vertreter von Regierungen und Wirtschaft, sonnten sich in der Vision einer neuen Seidenstra\u00dfe von China nach Europa unter dem von China ausgegebenen Motto \u201eOne Road One Belt \u2013 OROB\u201c und das nat\u00fcrlich durch Georgien. Eine neue Mega-Vision mit neuen Hoffnungen f\u00fcr das Land?<br \/>\nIn der Tat kann Georgien vor allem durch seine geografische Lage am Schnittpunkt der Welten von dem chinesischen Traum profitieren, es bietet sich als Knoten und Umschlagplatz f\u00fcr Waren jeglicher Art geradezu an. Besonders die gerade fertig gestellte Eisenbahnlinie Baku-Tiflis-Kars und der geplante Tiefseehafen Anaklia<\/p>\n<p>am Schwarzen Meer sind Projekte, die Georgien der chinesisch-europ\u00e4ischen Handelszukunft andienen kann. Noch vor Weihnachten dieses Jahres wird mit dem Bau begonnen, in drei Jahren sollen in dem 2,5 Milliarden-Dollar-Hafen die ersten Schiffe beladen werden. Die erste Bauphase soll einen Umschlag von 900.000 Containern pro Jahr erm\u00f6glichen. Auf Dauer will man in Anaklia 100 Millionen Tonnen pro Jahr umschlagen. Ein ehrgeiziges Projekt, sagen Skeptiker, wenn man wei\u00df, dass der Hamburger Hafen j\u00e4hrlich derzeit etwa 150 Millionen Tonnen Fracht umschl\u00e4gt. Woher die G\u00fcter kommen und wohin sie transportiert werden sollen, dar\u00fcber macht man sich in der Euphorie dieser neuen georgischen Zukunftshoffnung vorerst kaum Gedanken. Auch nicht \u00fcber die Frage, welche Eingriffe in das \u00d6ko-System des Landes zu erwarten sind, um die Transportwege zwischen dem Osten, Aserbaidschan also, und Anaklia im Westen und umgekehrt sicher zu stellen.<\/p>\n<p>Skeptiker bezweifeln auch das Versprechen der Regierung, der Mega-Hafen in Anaklia w\u00fcrde nach seiner Bauzeit \u00fcberdurchschnittlich viele Arbeitspl\u00e4tze und damit Einkommen f\u00fcr viele Familien garantieren. Zum einen generiert der Container-Umschlag der Zukunft nur noch wenige Arbeitspl\u00e4tze, das Umladen von der Schiene auf das Schiff erfolgt nahezu vollautomatisch. Andererseits, so die Auskunft eines deutschen Logistik-Experten, werden derzeit \u00a0f\u00fcr den Umschlag eines 20-Fuss-Containers gerade einmal 100 Euro verg\u00fctet. Je nach H\u00f6he und Laufzeit des Investitionskredits und je nach dessen Verzinsung m\u00fcsse man daf\u00fcr langfristig mindestens 50 Zugpaare pro Tag mit jeweils 80 Waggons bewegen, das sind rund 1,5 Millionen Container pro Jahr. Ob man damit die Interessen der Investoren bedienen kann, muss sich erst zeigen. Nach aller Erfahrung deutscher Container-Terminals im China-Gesch\u00e4ft kann man davon ausgehen, dass die Container in Richtung China heute h\u00f6chstens zur H\u00e4lfte belegt sind. Ob der Export aus der EU nach China ebenso heftig steigen wird wie der zu erwartende Warenverkehr aus China in die EU, darf bezweifelt werden. Bei aller Euphorie in Sachen Seidenstra\u00dfe ist bei realistischer Einsch\u00e4tzung der Entwicklung jetzt schon zu bef\u00fcrchten, dass das Milliarden-Projekt nur einen bescheidenen Beitrag zur Verbesserung der\u00a0 Besch\u00e4ftigungslage im Lande wird leisten k\u00f6nnen, es sei denn, die georgische Volkswirtschaft entwickelt sich so, dass sie selbst gen\u00fcgend Export-f\u00e4hige Produkte herstellt und damit Arbeitspl\u00e4tze generiert, und das in nur wenigen Jahren. Ansonsten bleibt am Ende nur die Hoffnung, dass in den Sonderwirtschaftszonen, die zum Seidenstra\u00dfenprojekt geh\u00f6ren, gen\u00fcgend Industrie angesiedelt werden kann, die angelieferte Rohprodukte aus West oder Ost veredelt und verpackt, die dann wom\u00f6glich unter dem Label \u201eMade in Georgia\u201c auf der neuen Transport-Route in den jeweils anderen Teil der Welt exportiert werden k\u00f6nnen. Sowohl mit der EU als auch mit China hat Georgien mittlerweile einen zollfreien Warenverkehr, das w\u00fcrde passen. Nicht umsonst wirbt man in China schon seit einiger Zeit um Investoren f\u00fcr Georgien mit dem Versprechen eines zollfreien Zugangs zur EU. F\u00fcr Georgien w\u00e4re dann aber wichtig, dass in diesen Sonderwirtschaftszonen eine gewisse Kontrolle der georgischen Beh\u00f6rden m\u00f6glich ist. Au\u00dferdem m\u00fcsste das Land auf einer verbindlichen Verpflichtung f\u00fcr jeden ausl\u00e4ndischen Investor bestehen, zumindest einen Teil der Arbeitskr\u00e4fte aus Georgien zu rekrutieren. Fremdarbeiter aus China, zum Beispiel, untergebracht in Container-Ghettos, werden wenig zur Wohlstandsf\u00f6rderung der georgischen Landbev\u00f6lkerung beitragen, zumal der Staat in den Sonderwirtschaftszonen nahezu v\u00f6llig auf Steuereinnahmen verzichtet. Die neue Seidenstra\u00dfe \u2013 sicher ein Projekt, an das Georgien gewisse Hoffnungen kn\u00fcpfen kann. Es w\u00e4re dem Land allerdings zu w\u00fcnschen, dass die Erwartungen jetzt nicht allzu hoch geschraubt werden. Sonst muss man auch in diesem Fall irgendwann einmal Farbe bekennen und wortreich zur\u00fcckrudern. Und zu w\u00fcnschen w\u00e4re, dass man die geo-politischen Ambitionen Chinas immer wieder mit der erforderlichen kritischen Distanz reflektiert. Denn ob die langfristigen Interessen Georgiens auch mit denen Chinas \u00fcbereinstimmen, kann heute noch nicht abschlie\u00dfend beurteilt werden, Zweifel sind erlaubt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kritische Anmerkungen zur neuen georgischen Zukunftsvision Wie sch\u00f6n f\u00fcr Georgien, dass es kurz nach dem EU-Gipfel ein weiteres Mega-Event gab und das auch noch in Tiflis: Die 2. 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