{"id":2607,"date":"2018-01-03T17:29:32","date_gmt":"2018-01-03T16:29:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2607"},"modified":"2018-01-03T17:29:32","modified_gmt":"2018-01-03T16:29:32","slug":"georgien-zum-jahreswechsel-6-exportartikel-arbeitskrafte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2607","title":{"rendered":"Georgien zum Jahreswechsel (6): Exportartikel Arbeitskr\u00e4fte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sichern georgische Arbeitsmigranten mit ihren \u00dcberweisungen den Lari?<br \/>\n<\/strong>Der Finanzminister hat sich sicher \u00fcber diese Meldung gefreut: Im September haben georgische Arbeitsmigranten aus aller Welt 24,2 Prozent mehr Geld an ihre Familien \u00fcberwiesen als Vergleichsmonat des Vorjahres. Insgesamt wurden 124,4 Millionen Dollar an Remittenzen \u2013 so nennt man diese Zahlungen \u2013 nach Georgien \u00fcberwiesen, w\u00e4hrend lediglich 19 Millionen Dollar an Zahlungen \u00e4hnlicher Art aus dem Land geflossen sind. Ein W\u00e4hrungs\u00fcberschuss von mehr als 100 Millionen Dollar, erarbeitet von all den Georgiern, die im Lande selbst keine Arbeit finden und somit nichts anderes k\u00f6nnen, als ihre Arbeitskraft zu exportieren. Zum Vergleich einige Zahlen aus der Export-Statistik: Von Januar bis September des Jahres 2017 hat Georgien 52 Millionen Flaschen an Wein in 45 L\u00e4nder exportiert mit einem Gesamtwert von 116 Millionen Dollar. Andere Export-Produkte: Kupfer und Kupfer-Konzentrate (309,7 Millionen), Eisen-Mangan-Legierungen (237,2 Millionen), Auto-Re-Export (149,4 Millionen).<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: Die Arbeitsmigranten haben im September mehr Dollars ins Land \u00fcberwiesen als die Weinwirtschaft in den ersten neun Monaten des Jahres eingenommen hat.<\/p>\n<p>Russland mit 40,7 Millionen Dollar, Italien und Griechenland mit jeweils 13 Millionen Dollar f\u00fchren die Liste der Herkunftsl\u00e4nder dieser Geldschwemme an. Es folgen: USA (12,6 Millionen), Israel (11,6 Millionen), T\u00fcrkei (9,5 Millionen), Spanien und Deutschland (jeweils 3,1 Millionen).<\/p>\n<p>In die georgische W\u00e4hrung umgerechnet betr\u00e4gt der \u00dcberschuss im September etwas mehr als 250 Millionen Lari. Bei einer offiziellen Bev\u00f6lkerung von 3,7 Millionen Menschen macht das eine Summe von knapp 70 Lari pro Person. Da in der Bev\u00f6lkerungsstatistik aber viele Georgier mitgez\u00e4hlt werden, die als Arbeitsmigranten im Ausland sind \u2013 legal oder illegal \u2013, kann man davon ausgehen, dass im September ein hier lebender Einwohner im Durchschnitt rund 100 Lari erhalten hat. Wenn nur die H\u00e4lfte der Georgier davon profitiert, dann ist das pro Geldempf\u00e4nger mit 200 Lari mehr als die gesetzliche Rente. Keine Frage, eine Summe, die vielen Menschen und Familien an der Armutsgrenze das \u00dcberleben \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht. Und eine wichtige Konjunkturspitze, denn es darf davon ausgegangen werden, dass diese Gelder nahezu komplett in den Konsum flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Und jetzt wird es jetzt wieder spannend, etwas genauer hinzuschauen. Zwischen 60 und 70 Prozent der Lebensmittel, die in Georgien verzehrt werden, m\u00fcssen importiert werden, da weder Landwirtschaft noch Lebensmittelverarbeitung funktionieren. Ein Gro\u00dfteil dieser Importe wird somit offensichtlich mit den Devisen der Remittenzen finanziert. In der W\u00e4hrungsbilanz helfen sie dem Land damit kaum. Viel wichtiger allerdings: Importe schaffen kaum Arbeitspl\u00e4tze in Georgien. Ein Teufelskreis. Zumindest so lange, wie der Aufbau einer funktionierenden Landwirtschaft samt Lebensmittelverarbeitung nicht unbedingt als erste Priorit\u00e4t georgischer Wirtschaftspolitik zu erkennen ist. Die wirtschaftlichen Nutznie\u00dfer der georgischen Arbeitsmigration sind fast ausschlie\u00dflich die Importeure. Und der Exportartikel Nummer eins ist offensichtlich die menschliche Arbeitskraft. Eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sieht anders aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sichern georgische Arbeitsmigranten mit ihren \u00dcberweisungen den Lari? 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