{"id":2571,"date":"2017-11-24T14:20:59","date_gmt":"2017-11-24T13:20:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2571"},"modified":"2017-12-15T13:11:26","modified_gmt":"2017-12-15T12:11:26","slug":"gali-tiflis-bruchsal-und-ein-groser-traum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2571","title":{"rendered":"Gali, Tiflis, Bruchsal und ein gro\u00dfer Traum"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=2574\" rel=\"attachment wp-att-2574\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2574\" title=\"2017_11_webseite_aufmacher_titelseite_IMG_8810\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_titelseite_IMG_8810.jpg\" alt=\"\" width=\"1281\" height=\"720\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_titelseite_IMG_8810.jpg 1281w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_titelseite_IMG_8810-150x84.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_titelseite_IMG_8810-300x168.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_titelseite_IMG_8810-1024x575.jpg 1024w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_titelseite_IMG_8810-500x281.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 1281px) 100vw, 1281px\" \/><\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Natia Todua, das Talent von \u201eThe Voice of Germany\u201c, hat sich mit \u00c4u\u00dferungen zu Georgien wenig Freunde gemacht. Da sie in derselben Stadt in Deutschland wohnt wie der KaPost-Herausgeber Rainer Kaufmann, konnte er Natia samt Gasteltern dort besuchen. Sein Fazit: Da traf eine junge Frau mit nur unzureichenden Deutsch-Kenntnissen auf Medien-Profis im Sowbizz, die anscheinend nur das publizierten, was in ihr vorbereitetes Klischee passte. Und das auch noch ohne jede Sachkenntnis von Georgien. Immerhin, auf Intervention der KaPost hat zumindest der BILD-Ombudsmann einiges klargestellt. Hier die KaPost Reportage \u00fcber Natia Todua:<\/em><\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Die wahre Geschichte des Voice-of-Germany-Talents Natia Todua<\/strong><\/span><\/h1>\n<p>Am Donnerstag Abend hat Natia Todua bei the Voice of Germany ein zweites Mal Publikum und die Coaches mit ihrer einmaligen Soul- und Jazz-Stimme fasziniert. Sie gewann ihr Battle gegen Nanette Foh und ist eine Runde weiter in der beliebten Casting-Show. Eine Stimme, der Fachleute durchaus Finalchancen einr\u00e4umen, wenn nicht sogar die realistische Chance auf einen Sieg. Das ist die eine Seite der Geschichte der 21-j\u00e4hrigen Frau aus Georgien, die derzeit in Deutschland lebt: Die Geschichte von der Erf\u00fcllung eines gro\u00dfen Traums.<\/p>\n<p>Die andere Seite: Natias eigene Lebens-Geschichte, die alles andere als traumhaft war. Und sie wurde auch in nahezu allen deutschen Medien, nicht nur im Boulevard, mit vielen Missverst\u00e4ndnissen und falschen Klischees wieder gegeben. Die KaPost hat Natia in ihrem neuen Zuhause im badischen Bruchsal besucht, wo sie seit August bei der georgischen K\u00fcnstlerin Natia Mcheidze und ihrem deutschen Mann Rainer Schmitt als Gasttochter lebt. Natia Mcheidze, Tochter des bekannten georgischen Bildhauers Levan Mcheidze, arbeitet als freie K\u00fcnstlerin mit Ausstellungen in Deutschland und Georgien. Rainer Schmitt ist seit vielen Jahren in Georgien engagiert, zun\u00e4chst als Bundeswehrarzt in der fr\u00fcheren UNOMIG (United Nations Mission in Georgia) und zwar in der abtr\u00fcnnigen abchasischen Region Gali, sp\u00e4ter als GTZ-Projektleiter in Tiflis.<\/p>\n<p>Natia Todua stammt aus Abchasien, wo sie die meiste Zeit ihrer Jugend verbrachte. Geboren wurde sie 1996 allerdings in Tiflis, ihre Eltern, beide studierte Betriebswirtschaftler, mussten nach dem ersten Abchasienkrieg Anfang der 90-er Jahre zun\u00e4chst nach Tiflis fliehen. Als dann unter Schewardnadse eine Vereinbarung mit der abtr\u00fcnnigen Republik Abchasien getroffen wurde, nach der ethnischen Georgiern aus der Region Gali eine sichere R\u00fcckkehr in ihre Heimat zugesagt wurde, waren ihre Eltern unter den ersten, die diesen Schritt wagten. Natia war gerade zwei Jahre alt, ihre Schwester f\u00fcnf. Vom alten Familienhaus stand, so erz\u00e4hlten ihr die Eltern, nur die Garage. Aber immer noch besser als die Ein-Zimmer-Wohnung in einem Fl\u00fcchtlingsblock im Tifliser Vorort Gldani. Und vor allem eine Aufgabe: Der Wiederaufbau der fr\u00fcheren Existenz in der Heimat. Allerdings: Das ganze Dorf war eine einzige Tr\u00fcmmerw\u00fcste, zerst\u00f6rt nach der Massenflucht der dort wohnenden Georgier. Bis heute, so Natia, habe sich an diesem Befund wenig ge\u00e4ndert. Abchasien liege noch immer \u00fcberwiegend in Tr\u00fcmmern, vor allem in den fr\u00fcheren georgisch bewohnten Gebieten.<\/p>\n<p>Am Ende der UdSSR lebten in Abchasien rund 500.000 Menschen, nur etwa 90.000 von ihnen geh\u00f6rten zur Titularnation der Autonomen Sowjetrepublik Abchasien, waren also Abchasen. 240.000, mithin fast die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung, waren ethnische Georgier, teilweise erst angesiedelt, nachdem Abchasien in die Sozialistische Sowjetrepublik Georgien eingegliedert worden war. Die Abchasen sind ein muslimisches, nordkaukasisches Volk, die Georgier orthodoxe Christen. Mit der Unabh\u00e4ngigkeit Georgiens zauberten die Abchasen eine alte Sowjetverfassung aus dem Jahr 1925 hervor, mit deren Hilfe sie sich von Georgien lossagten und eine unabh\u00e4ngige Republik ausriefen. Es kam 1993 zu einem Krieg, den die zumindest zahlenm\u00e4\u00dfig hoffnungslos unterlegenen Abchasen nur mit milit\u00e4rischer Hilfe Russlands gewannen und alle Georgier aus Abchasien vertrieben. Ethnische S\u00e4uberung. Natia Todua war damals allerdings noch nicht geboren. Den Krieg hat sie niemals selbst erlebt. Was sie aber erlebt hat bis zum Ende ihrer Schulzeit: die Folgen des Krieges, n\u00e4mlich Zerst\u00f6rung, Tr\u00fcmmer und eine Art Besatzungssystem ihres Dorfes durch Abchasen und Russen. Und wenn sie in Interviews vom Krieg in ihrer Heimat sprach, dann meinte sie zum einen nicht Georgien, sondern ausschlie\u00dflich Abchasien. Und sie meinte vor allem die mehr als widrigen Lebensumst\u00e4nde ihrer Jugend, die vom fr\u00fcheren Krieg und seinen Folgen gepr\u00e4gt waren.<\/p>\n<p>Bis zu ihrem 17. Lebensjahr wohnte Natia im Dorf Nabakevi bei Gali, allerdings mit mehreren Unterbrechungen. Elfmal musste die Familie umziehen, immer wieder hervorgerufen durch das Chaos der Nachkriegszeit. Das Schulhaus war zerst\u00f6rt, teilweise wurde der Unterricht in einem kleinen Viehstall abgehalten. Kein Kunst- oder Musikunterricht, keine M\u00f6glichkeiten Sport auszu\u00fcben. Alles, was Kindheit andernorts ausmacht, hatte sie in Abchasien nie vorgefunden. Und als junges M\u00e4dchen habe sie sich nie getraut, abends nach Einbruch der Dunkelheit noch das Haus zu verlassen. Milit\u00e4rpatrouillen. Gef\u00e4hrlich. Dass dies alles dann zu missverst\u00e4ndlichen Zitaten in deutschen Medien f\u00fchrte, ist nicht unbedingt verwunderlich, da Natia erst seit etwas mehr als einem Jahr Deutsch lernt. Als sie im August 2016 als Au Pair M\u00e4dchen nach Deutschland kam, hatte sie kaum Kenntnisse von der Sprache ihres Gastlandes. Intensiv-Deutschunterricht hat sie erst seit August dieses Jahres. Und dann, schon im Fr\u00fchjahr mit der Zusage von The Voice of Germany, eine Serie von Interviews mit deutschen Medien-Profis. Fotoshootings, TV-Interviews. Das konnte nie und nimmer gut gehen.<\/p>\n<p>Nach Ende ihrer Schulzeit schickten sie ihre Eltern zusammen mit ihrer Schwester nach Tiflis, wo die beiden erst einmal allein klar kommen mussten. Natia studierte Wirtschaftswissenschaften, beendete das Studium allerdings nicht. Die Musik ver\u00e4nderte pl\u00f6tzlich ihr Leben. Zu Hause in Abchasien kannte sie nur mingrelische Folklore oder russischen Pop \u2013 f\u00fcr sie alles langweilig. Hier in Tiflis, im Alter von 17 Jahren, h\u00f6rte sie zum ersten Mal in ihrem Leben Jazz und Blues. Sie lie\u00df sich mitrei\u00dfen, sang einfach mit und sang einfach nach und fand heraus, dass sie eine Stimme f\u00fcr diese Art f\u00fcr Musik hatte. Und nat\u00fcrlich auch ein Faible. Sie sah zum ersten Mal Kneipen und Pubs und Jugendliche ihres Alters, die sich darin tummelten. In Abchasien eine unvorstellbare Welt. Tiflis, f\u00fcr Natia ein Paradies.<\/p>\n<p>Was jetzt folgt, hat irgendwie seine eigene Logik: Mit 18 Jahren Teilnahme an einem ersten Nachwuchs-Wettbewerb. Dabei traf sie die bekannte Tifliser Formation \u201eVakis Parki\u201c, die sie sofort anheuerten, erst als Background-S\u00e4ngerin, dann auch als Solistin. Und Natia kannte damals weder eine Note, noch konnte sie mit irgendeinem Instrument etwas anfangen. Als zwei Jahre nach ihrer Ankunft in Tiflis dann ihre Mutter samt j\u00fcngstem Bruder auch in die georgische Hauptstadt umzog \u2013 der Vater ist in seiner abchasischen Heimat geblieben -, konnte Natia schon mit ihren Gesangs-Honoraren die vierk\u00f6pfige Familie ern\u00e4hren, ihr Studium hatte sie ohnehin von Anfang an selbst finanziert.<\/p>\n<p>Mit Jazz und Blues, das war ihr schnell klar, konnte sie in Georgien keine gro\u00dfe Karriere machen. Kneipen-Musikerin ja, aber gr\u00f6\u00dfere Geschichten, Konzerte sogar oder auch ein Musikstudium, das war f\u00fcr sie auch angesichts der fehlenden musikalischen Grundausbildung nicht drin. Und \u2013 bei zwei Teilnahmen an TV-Casting-Shows in Georgien und der Ukraine \u2013 hat man ihr recht deutlich klar gemacht, dass sie mit dieser Musikrichtung keinen Blumentopf gewinnen k\u00f6nne. Folk-Pop sei erfolgversprechend, f\u00fcr Natia keine attraktive Perspektive.<\/p>\n<p>Der Rest der Geschichte ist vermutlich weitgehend bekannt. Natia schaffte es, ein Visum f\u00fcr einen Au Pair Aufenthalt in Deutschland zu bekommen, war zun\u00e4chst bei einer Familie in M\u00fcnchen, dann aber recht schnell bei einer zweiten Familie in Kirchheim\/Teck bei Stuttgart. Dann: Bewerbung via Internet-Pr\u00e4sentation bei The Voice of Germany und angenommen f\u00fcr die Blind Audition, die im Sommer aufgezeichnet wurde. Da war ihre Au Pair Zeit bereits abgelaufen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=2573\" rel=\"attachment wp-att-2573\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2573\" title=\"2017_11_webseite_aufmacher_seite_2_IMG_8806\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_seite_2_IMG_8806.jpg\" alt=\"\" width=\"910\" height=\"720\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_seite_2_IMG_8806.jpg 910w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_seite_2_IMG_8806-150x118.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_seite_2_IMG_8806-300x237.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/2017_11_webseite_aufmacher_seite_2_IMG_8806-379x300.jpg 379w\" sizes=\"(max-width: 910px) 100vw, 910px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Kontakt zu Natia Mcheidze und Rainer Schmitt war in ihrer Tifliser Zeit bereits entstanden, die Musiker von Vakis Parki sind Jugendfreunde von Natia, bei einem Gig der Band hat man sich kennen gelernt. Rainer und Natia sind dann sofort eingesprungen, haben f\u00fcr Natia die dringend erforderlichen Intensiv-Sprachkurse organisiert, damit ihr Visum um ein Jahr verl\u00e4ngert werden konnte. Seither wohnt sie in Bruchsal, ihre Gasteltern haben ihr ein kleines Tonstudio organisiert und neben dem Sprachunterricht auch noch einen Musiklehrer. Jetzt lernt Natia Todua, das nat\u00fcrliche Stimmwunder aus The Voice of Germany, zum ersten Mal in ihrem Leben die Tonleiter und ein Musikinstrument. Und will damit ihrem n\u00e4chsten Traum einen Schritt n\u00e4her kommen: einem Studium an der Pop-Akademie in Mannheim. Zuvor stehen aber noch eine weitere Pr\u00fcfung bei The Voice of Germany an, die Sing offs, bevor es dann \u2013 hoffentlich \u2013 in die zwei Live-Finalrunden geht. Natia und ihre Gasteltern zweifeln nicht daran, dass sie bis zum Schluss dabei ist. Allein das darf man angesichts der Lebensgeschichte der sympathisch-selbstbewussten S\u00e4ngerin aus Georgien eigentlich als ein Wunder bezeichnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Natia Todua, das Talent von \u201eThe Voice of Germany\u201c, hat sich mit \u00c4u\u00dferungen zu Georgien wenig Freunde gemacht. Da sie in derselben Stadt in Deutschland wohnt wie der KaPost-Herausgeber Rainer Kaufmann, konnte er Natia samt Gasteltern dort besuchen. 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