{"id":256,"date":"2012-05-04T20:32:33","date_gmt":"2012-05-04T18:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkanet.de\/KaromediaWP\/?p=256"},"modified":"2012-05-08T00:54:39","modified_gmt":"2012-05-07T22:54:39","slug":"landschaftswandel-und-nachhal%c2%adtige-nutzung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=256","title":{"rendered":"Landschaftswandel und nachhal\u00adtige Nutzung"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/?attachment_id=443\" rel=\"attachment wp-att-443\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-443\" title=\"Landschaft in Chewsuretien\" src=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_2_amies_IMG_0413.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"132\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_2_amies_IMG_0413.jpg 198w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_2_amies_IMG_0413-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>Volkswagenstiftung f\u00f6rdert deutsch-georgische Umweltfor\u00adschung im Kaukasus<\/strong><\/p>\n<p>Georgien hat seit 1991 tief\u00adgreifende sozi\u00adale, \u00f6konomi\u00adsche und \u00f6kologische Ver\u00ad\u00e4nde\u00adrungen erfahren. Der grund\u00adlegende po\u00adlitische Wandel und der wirt\u00adschaftliche Niedergang f\u00fchrten besonders in l\u00e4ndli\u00adchen Regio\u00adnen zu einer Verschlechte\u00adrung der Lebensbe\u00addingungen, die sich in einer massiven Abwande\u00adrung auswirkte. Damit einherge\u00adhend, und durch h\u00e4ufig unge\u00adkl\u00e4rte Eigentumsverh\u00e4ltnisse ver\u00adst\u00e4rkt, ist der R\u00fcckgang der landwirtschaftlichen Produk\u00adtion. In vielen Regionen Geor\u00adgiens werden fr\u00fcher in\u00adtensiv bewirtschaftete Land\u00adschaften heute weniger stark land\u00adwirt\u00adschaftlich genutzt oder sind sogar gro\u00dffl\u00e4chig brach gefal\u00adlen. Dies hat nicht nur offen\u00adsicht\u00adliche und schwerwiegende \u00f6konomische und soziale Folgen, die sich u. a. in den dramatisch gestie\u00adgenen Nah\u00adrungsmittelim\u00adporten des Landes zeigen, son\u00addern wirkt sich auch besonders auf das Er\u00adschei\u00adnungsbild und die \u00f6kologi\u00adschen Funktionen der Kulturland\u00adschaf\u00adten aus:<\/p>\n<p>Ein R\u00fcckgang der landwirt\u00adschaftlichen Aktivit\u00e4ten f\u00fchrt in der Regel zu einer st\u00e4rkeren Bedeutung von nat\u00fcrlichen Pro\u00adzessen in der Landschaftsent\u00adwicklung. So folgt z. B. einer ausbleibenden Beweidung oder Mahd in der Re\u00adgel die Ansied\u00adlung von Geh\u00f6l\u00adzen. Eine Verbu\u00adschung und langfristig eine Wiederbewaldung von vorher waldfreien Regionen kann ein\u00adset\u00adzen. Dieser an sich posi\u00adtive Effekt kann mit\u00adtelfristig aller\u00addings auch gro\u00dfe Nach\u00adteile mit sich bringen. Denn eine zu ge\u00adringe Be\u00adweidung der Grasnarbe f\u00fchrt gleichzeitig zu einer ge\u00adringe\u00adren Durch\u00adwurzelung der oberen Bo\u00addenschichten. Hier\u00addurch kann sich &#8211; besonders an Steil\u00adh\u00e4ngen in Bergregionen &#8211; eine erh\u00f6hte Erosionsgefahr entwickeln. Ge\u00adf\u00e4hrliche und gro\u00dffl\u00e4chige Hang\u00adrutschungen sind die Folge, die m\u00f6glicher\u00adweise noch durch den besonders im Kaukasus schon sehr deutlich nachweisbaren Klimawandel ver\u00adst\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Entwicklungen dieser Art k\u00f6nnen nicht nur die weitere gesell\u00adschaftliche Nutzung von Ge\u00adbirgslandschaften, z. B. f\u00fcr Landwirt\u00adschaft und Tourismus, beeintr\u00e4chtigen, sondern wirken sich auch ganz direkt auf die Stabilit\u00e4t des Naturhaushalts und die Artenvielfalt aus. Nut\u00adzungs- und Land\u00adschaftswandel haben durch die Ver\u00e4nde\u00adrung der Lebensr\u00e4ume immer auch Kon\u00adse\u00adquenzen f\u00fcr die Flora und Fauna. Ge\u00adorgien und der Kauka\u00adsus gelten dabei aufgrund der hohen Zahl an nur hier vor\u00adkom\u00admenden Pflanzenarten als \u201eglo\u00adbaler Hotspot\u201c der Biodiversi\u00adt\u00e4t und Artenviel\u00adfalt. Auch um diese beachtliche Vielfalt an Landschaften mit hohem Arten\u00adreichtum von globaler Bedeutung zu erhalten, muss zuk\u00fcnftig eine nachhaltige Nutzung der georgischen Landschaften si\u00adcherge\u00adstellt werden.<\/p>\n<p>Nachhal\u00adtigkeit bezeichnet dabei den Ausgleich von \u00f6konomischen, so\u00adzialen und \u00f6kologischen Anfor\u00adderungen. Das obige Bei\u00adspiel hat aber be\u00adreits gezeigt, wie komplex die Wechselwirkun\u00adgen zwi\u00adschen den drei genannten \u201eS\u00e4ulen der Nachhaltigkeit\u201c sein k\u00f6nnen. L\u00f6sungs\u00adm\u00f6glichkei\u00adten f\u00fcr die Vielfalt der Prob\u00adleme k\u00f6nnen deshalb auch schwerlich nur von einzelnen Fachdisziplinen auf\u00adgezeigt wer\u00adden, sondern m\u00fcssen gemeinsam, interdisziplin\u00e4r, erarbeitet werden. Auch k\u00f6nnen weder Wis\u00adsenschaft noch Po\u00adlitik und Ver\u00adwaltung allein die An\u00adforderun\u00adgen der Zukunft umsetzen, son\u00addern dies sollte im Austausch mit Nichtregierungsorgani\u00adsa\u00adtio\u00adnen und der beteiligten Bev\u00f6l\u00adkerung erfolgen. Hier gibt es allerdings, nicht nur in Geor\u00adgien, noch gro\u00dfe Defizite.<\/p>\n<p>Um neue Impulse f\u00fcr eine solche integrierte Herangehensweise zu geben, f\u00f6rdert die in Hannover ans\u00e4s\u00adsige Volkswagen\u00adStiftung im Rah\u00admen ihrer Initiative &#8222;Zwi\u00adschen Europa und Orient &#8211; Mittela\u00adsien\/Kaukasus im Fokus der Wis\u00adsen\u00adschaft&#8220; das interdiszipli\u00adn\u00e4re Forschungs\u00adprojekt AMIES. Das Projekt entwickelte sich aus einer gemeinsamen Initia\u00adtive der Landschafts\u00f6kologie-Professoren Annette Otteund Rainer Waldhardt von der Justus-Liebig Universit\u00e4t (JLU) Gie\u00ad\u00dfen und dem bedeutenden ge\u00adorgi\u00adschen Botanik-Professor George Nakhutsrishvili vom Bo\u00adtanischen Institut und Botani\u00adschen Garten in Tiflis.<\/p>\n<p>Am Beispiel zweier Bergregionen im Gro\u00ad\u00dfen und Kleinen Kaukasus (Kazbegi und Bakuriani, siehe Kasten) soll in einem dreij\u00e4h\u00adrigen Projekt begonnen werden, die Wechselbe\u00adziehungen zwischen \u00f6ko\u00adlogi\u00adschen und gesellschaft\u00adlichen Prozes\u00adsen genauer und inter\u00addiszipli\u00adn\u00e4r zu erforschen. Aus den Er\u00adgebnissen werden an\u00adschlie\u00dfend Empfehlungen f\u00fcr eine k\u00fcnftig nachhaltigere Landnutzung und Landentwicklung in diesen Regi\u00adonen gegeben. Innerhalb der vier Projektbe\u00adreiche (siehe Kasten) ar\u00adbeiten WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Fachdisziplinen und beiden L\u00e4ndern zusammen. So sind aus Tiflis Bodenkundler, Klimafor\u00adscher, \u00d6ko\u00adlogen, Bota\u00adniker, sowie Politik- und Sozi\u00adalwissen\u00adschaftler von beiden Uni\u00adversit\u00e4\u00adten (ISU und TSU) in das Projekt einge\u00adbunden. Die JLU Gie\u00dfen koordi\u00adniert das Pro\u00adjekt \u00fcber ihr \u201eZentrum f\u00fcr in\u00adternatio\u00adnale Entwicklungs- und Umweltfor\u00adschung\u201c (ZEU). Die Gie\u00dfener Land\u00adschafts\u00f6kolo\u00adgen, Geographen und Ern\u00e4hrungswis\u00adsenschaftler kooperieren dabei eng mit ihren georgi\u00adschen KollegInnen und beide Seiten profitieren gegen\u00adseitig vom Aus\u00adtausch wissen\u00adschaftlicher Methoden und Da\u00adten. Dies kommt insbesondere den georgischen und deutschen Nachwuchs\u00adwissenschaftlerInnen zugute, die \u00fcber das Projekt finanziert an ihrer Promotion ar\u00adbeiten und jeweils von Pro\u00adfessoren aus beiden L\u00e4ndern be\u00adtreut wer\u00adden. Durch regelm\u00e4\u00dfige For\u00adschungsaufenthalte im jewei\u00adli\u00adgen Partnerland erfahren sie nicht nur eine St\u00e4rkung der wissenschaftlichen Kompetenzen, sondern sammeln wichtige Erfah\u00adrungen in der internationalen Zu\u00adsammenarbeit verschiedener Disziplinen.<\/p>\n<p>Verdeutlicht werden kann die gute Zu\u00adsammenarbeit in AMIES am Beispiel der Botaniker und Landschafts\u00f6kologen. Beide Un\u00adtersuchungsregionen werden seit vielen Jahrzehnten von georgi\u00adschen Wissenschaftlern unter\u00adsucht. Besonders aus der Umge\u00adbung des St\u00e4dtchens Ste\u00adpants\u00adminda &#8211; das Botanische Institut betrieb dort lange eine For\u00adschungsstation, die nun als Ho\u00adtel im Besitz der ISU ist &#8211; liegen eine Vielzahl von bota\u00adnischen Bestandsaufnahmen der Wiesen- und Weidefl\u00e4chen liegen vor. Diese umfang\u00adreichen Da\u00adtens\u00e4tze k\u00f6nnen nun in AMIES genutzt werden, um die Wechsel\u00adwirkun\u00adgen zwischen Landnutzung, stand\u00f6rtli\u00adchen Gegebenheiten und der Vegetation und Arten\u00advielfalt eingehender und land\u00adschaftsbezogen zu untersuchen. Hierbei stehen den Wissen\u00adschaftlern moderne Geographi\u00adsche Informationssysteme (GIS) und statistische Modellverfah\u00adren zur Verf\u00fcgung. Die daraus gewonnenen For\u00adschungsergebnisse tragen zum einen zum Verst\u00e4nd\u00adnis des gesamten \u00d6kosys\u00adtems bei, dienen aber auch anderen Dis\u00adziplinen zur Bewertung k\u00fcnf\u00adtiger Landnut\u00adzungsoptionen. Denn schlie\u00dflich ist die Vege\u00adtation der Bergwiesen nicht nur Lebensraum f\u00fcr zahlreiche Pflanzenarten sondern gleich\u00adzeitig auch Grundlage f\u00fcr die zuk\u00fcnftige landwirtschaftliche Nut\u00adzung.<\/p>\n<p>In \u00e4hnlicher Weise kooperieren auch die \u00fcbrigen Teilprojekte miteinander. Die Inte\u00adressen und Lebensumst\u00e4nde der Bev\u00f6l\u00adkerung werden durch umfangreiche Haus\u00adhaltsbefragungen ermittelt und in die Empfehlungen zur nach\u00adhaltigen Entwick\u00adlung der beiden Bergregionen einbezo\u00adgen. Die \u201eKaukasi\u00adschen Post\u201c wird kontinuierlich \u00fcber die AMIES-Projekte berichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volkswagenstiftung f\u00f6rdert deutsch-georgische Umweltfor\u00adschung im Kaukasus Georgien hat seit 1991 tief\u00adgreifende sozi\u00adale, \u00f6konomi\u00adsche und \u00f6kologische Ver\u00ad\u00e4nde\u00adrungen erfahren. 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