{"id":2552,"date":"2017-10-30T11:51:07","date_gmt":"2017-10-30T10:51:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2552"},"modified":"2017-10-30T11:51:07","modified_gmt":"2017-10-30T10:51:07","slug":"reinhold-messner-und-der-skitourismus-in-georgien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2552","title":{"rendered":"Reinhold Messner und der Skitourismus in Georgien"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eSkifahren nimmt ab, Skitouren nehmen zu\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner hat sich auf Einladung der georgischen Regierung als deren Werbe-Ikone vor allem f\u00fcr das Ziel, den Ganzjahrestourismus anzukurbeln, zur Verf\u00fcgung gestellt, wie auf einem Youtube-Video von Messners Georgienbesuch in diesem Jahr deutlich zu erkennen ist. Und Ganzjahrestourismus hei\u00dft hierzulande vor allem die Entwicklung des Skitourismus in den Regionen, nicht nur in Gudauri. Dazu gibt es bereits zwei neue Liftanlagen am Goderzi-Pass und auf dem Tetnuldi-Plateau in Swanetien. Beide Skigebiete haben aber einen gro\u00dfen Nachteil, sie sind verkehrsm\u00e4\u00dfig sehr schlecht erschlossen und erscheinen daher derzeit keinesfalls marktf\u00e4hig.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=2545\" rel=\"attachment wp-att-2545\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2545\" title=\"2017_09_messner_web_IMG_7777\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7777.jpg\" alt=\"\" width=\"501\" height=\"425\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7777.jpg 501w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7777-150x127.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7777-300x254.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7777-353x300.jpg 353w\" sizes=\"(max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die KaPost hat Reinhold Messner im August in S\u00fcdtirol aufgesucht und mit ihm \u00fcber sein Engagement in Georgien gesprochen. Seine grunds\u00e4tzliche Position: \u201eEs braucht unbedingt neuer Liftanlagen, um den Tourismus anzukurbeln. Aber sie m\u00fcssen die Logistik schaffen von Tiflis in die Berge.\u201c Und da vertraut er voll und ganz dem Versprechen der georgischen Regierung, das Problem mit einer direkten Autobahn von Kutaissi zum Tetnuldi zu l\u00f6sen. Es g\u00e4be zwar ein paar Flugh\u00e4fen in Bergesn\u00e4he (gemeint sind wohl Ambrolauri und Mestia), die man mit Charterflugzeugen erreichen k\u00f6nne. Aber damit w\u00e4re man noch lange nicht bei den Aufstiegsanlagen. \u00dcber die Kapazit\u00e4t und Lage dieser Flugh\u00e4fen hat ihn die georgische Regierung wohl nicht informiert, sie k\u00f6nnen beide nicht zur verkehrstechnischen Erschlie\u00dfung des Tetnuldi-Plateaus beitragen Aber die Regierung habe ihm gesagt, sie k\u00f6nne einen Tunnel bauen, so dass man von Kutaissi aus in zwei Stunden am Tetnuldi-Skilift sei, auch im Winter. Und deshalb habe Georgien im Skitourismus gute Chancen, vor allem dann, \u201ewenn bei uns in den Alpen der Schnee weggeschmolzen ist. Dann haben die einen Riesen-Erfolg.\u201c Dabei gab Messner zu, nur eines der georgischen Skigebiete mit dem Hubschrauber \u00fcberflogen zu haben, das allerdings sei v\u00f6llig steril \u201ewie in Frankreich der 60-er Jahre\u201c &#8211; Gudauri. Das w\u00fcrden nur Einheimische nutzen, Ausl\u00e4nder k\u00e4men da nicht. Mestia dagegen sei ein attraktives Ziel, wenn es gel\u00e4nge, \u201edie alten T\u00fcrme mit den Bauernh\u00e4usern zu erhalten.\u201c Das habe ja schon musealen Charakter. Soweit die intimen Kenntnisse der neuen georgischen Werbe-Ikone zum Skitourismus in Swanetien, \u00fcber das Skigebiet Tetnuldi zeigte er sich kaum informiert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=2543\" rel=\"attachment wp-att-2543\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2543\" title=\"2017_09_messner_web_IMG_7764\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7764.jpg\" alt=\"\" width=\"641\" height=\"425\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7764.jpg 641w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7764-150x99.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7764-300x198.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7764-452x300.jpg 452w\" sizes=\"(max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Geschichte des Tetnuldi-Skilifts allerdings kennt allerdings kaum jemand. Die Idee geht zur\u00fcck auf den fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten Saakaschwili, der den Swanen mit diesem Lift eine Million Touristen im Jahr versprach und die Infrastruktur der Stadt Mestia \u2013 Wasser, Abwasser, M\u00fcll und Stra\u00dfen &#8211; \u00a0deshalb vorsichtshalber schon einmal auf 40.000 Hotelbetten planen lies. Zum Vergleich: Das weitaus gr\u00f6\u00dfere Skiparadies Kronplatz in S\u00fcdtirol mit seinen unz\u00e4hligen Liftanlagen und Abfahrten hat mit insgesamt 1.722 Beherbergungsbetrieben rund 35.000 Hotelbetten, die es im Jahr 2015 auf eine Auslastung von gerade einmal 38,8 Prozent brachten. Und dies bei einer individuellen Erreichbarkeit per Autobahn aus einigen L\u00e4ndern Europas, mithin einem Markt von mehreren Hundert Millionen Menschen. Irgendwelche Untersuchungen \u00fcber das Marktpotential f\u00fcr den Tetnuldi und damit f\u00fcr die Wirtschaftlichkeit der ganzen Anlage sind nicht bekannt. Bekannt ist aber, wer die Investition finanzierte: eine franz\u00f6sische, staatliche Export-F\u00f6rderbank, deren Aufgabe es einzig ist, Arbeitspl\u00e4tze in der franz\u00f6sischen Industrie abzusichern. In diesem Fall freilich mit einem verantwortbaren Risiko, denn Georgien b\u00fcrgt mit einer Staatsgarantie. Nach dem Regierungswechsel von 2012 lagen Pylonen, Seile und Sessel erst einmal im Mulachi-Tal auf einem Lager, die neue Regierung vom georgischen Traum wollte sich das Prestige-Projekt Saakaschwilis nicht ans Bein binden. Im Jahr 2015 allerdings hatte man es sich anders \u00fcberlegt und \u00fcber eine staatliche Projektierungsgesellschaft eine hektische Baut\u00e4tigkeit begonnen. Der Grund, so war in Mestia zu erfahren: Die franz\u00f6sische\u00a0 Lieferfirma drohte mit dem Entzug der Garantie, sollte nicht Ende 2015 der erste Probebetrieb stattfinden. Die gesamte Anlage h\u00e4tte dann allenfalls noch Schrottwert gehabt. So entstand in den letzten beiden Jahren am Tetnuldi-Plateau ein Skigebiet, f\u00fcr das es offensichtlich weder einen Markt gibt noch eine vern\u00fcnftige Verkehrsanbindung. Dieses Problem allerdings hat die georgische Regierung erkannt. Deshalb hat Regierungschef Giorgi Kwirikaschwili anfangs dieses Jahres angek\u00fcndigt, eine direkte Autobahn von Kutaissi zum Tetnuldi bauen zu wollen, um die Fahrtzeit von derzeit vier Stunden auf zwei zu verk\u00fcrzen. Wie er allerdings im Winter in vier Stunden von Kutaissi zum Tetnuldi kommt, blieb r\u00e4tselhaft, schon im Sommer ist das unm\u00f6glich. Eine kroatische Firma hat den Auftrag f\u00fcr die Planung der Teilstrecke Lentechi-Mestia bekommen. Kostenpunkt: 4,7 Millionen Lari, im Dezember 2017 sollen die Planungen vorgelegt werden. Dann geht es an die Ausschreibung.<\/p>\n<p>Die Grunddaten f\u00fcr dieses ehrgeizige Projekt sehen so aus: Vom Flughafen Kutaissi bis zum Tetnuldi-Plateau sind es Luftlinie knapp 100 km bei einem H\u00f6henunterschied von etwa 2.000 Metern, gemessen an der zentralen Talstation der Liftanlagen. Die T\u00e4ler der Fl\u00fcsse Rioni und Zchenistzkali mit den St\u00e4dten Zageri (475 m) und Lentechi (760 m) eignen sich kaum f\u00fcr die Trassierung einer leistungsf\u00e4higen Autobahn. Laut Google-Maps sind es von Kutaissi bis Lentechi 90 Stra\u00dfenkilometer, f\u00fcr die man knapp zwei Stunden Fahrtzeit einkalkulieren muss. Und zwischen Lentechi und dem Tetnuldi liegt die mehr als 3.500 m hohe Swanetische Kette mit dem Berg Laila (4.008 m) bei einer Luftlinienentfernung von knapp 40 Kilometern, diese Strecke soll weitgehend mit einem Tunnel \u00fcberwunden werden. Bisher f\u00fchrt die Strecke \u00fcber den Zagar-Pass und Uschguli \u2013 im Sommer schon schwer passierbar, im Winter geschlossen.<\/p>\n<p>Nach Auskunft eines deutschen Stra\u00dfenplaners, der seit Jahren in Georgien t\u00e4tig ist, erscheint das von der Regierung angek\u00fcndigte Stra\u00dfenprojekt kaum realisierbar. Er kennt eine erste Studie mit einer Strecke von mindestens 200 Kilometern mit mehreren Tunneln und einigen gr\u00f6\u00dferen Br\u00fcckenbauwerken, ohne die die Strecke Kutaissi-Mestia kaum zu \u00fcberwinden sein wird und auch dann nicht in einer Zeit von zwei Stunden. Allein f\u00fcr die geologischen Untersuchungen in dem recht jungen Kaukasus-Gebirge seien Jahre und Millionen zu veranschlagen. Ob die Baukosten \u00fcberhaupt finanzierbar sind, sei zu bezweifeln.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=2544\" rel=\"attachment wp-att-2544\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2544\" title=\"2017_09_messner_web_IMG_7767\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7767.jpg\" alt=\"\" width=\"843\" height=\"425\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7767.jpg 843w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7767-150x75.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7767-300x151.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/2017_09_messner_web_IMG_7767-500x252.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 843px) 100vw, 843px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zweifel sind auch an dem Marktpotential f\u00fcr das Skigebiet Tetnuldi angebracht. Nach einer Untersuchung des Internationalen Skiverbandes (FIS) zum Thema Skitourismus sind nicht einmal zehn Prozent der potentiellen Skitouristen bereit, ihr Zielgebiet per Flugzeug anzusteuern. Diese FIS-Studie wurde k\u00fcrzlich in einem Seminar zum Thema Bergtourismus in Tiflis vorgetragen, sie m\u00fcsste der georgischen Regierung damit bekannt sein. Also muss sich das Skigebiet Tetnuldi seine Kundschaft haupts\u00e4chlich im eigenen Land oder in den direkten Nachbarl\u00e4ndern suchen. Und damit steht es in direkter Konkurrenz zu Gudauri, von Tiflis aus in etwas mehr als zwei Stunden zu erreichen.<\/p>\n<p>Messners Position zu diesem Problem: \u201eIn den Alpen hat man in den letzten 20 Jahren immer neue Skigebiete erfunden, die den alten das Wasser abgraben.\u201c Der<\/p>\n<p>Skitourismus gehe zur\u00fcck, trotzdem habe die Politik immer wieder neue Gebiete geschaffen. Und eine weitere Erkenntnis des neuen Regierungsberaters in Sachen Tourismus: \u201eSkitouren nehmen zu, Skifahren nimmt ab.\u201c Ob er mit solchen Ratschl\u00e4gen Geh\u00f6r findet? Vermutlich ist es f\u00fcr solche Gedanken schon viel zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p align=\"right\"><em>Fortsetzung in der n\u00e4chsten Ausgabe: Reinhold Messner und das Messner-Mountain-Museum in Mestia<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSkifahren nimmt ab, Skitouren nehmen zu\u201c Die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner hat sich auf Einladung der georgischen Regierung als deren Werbe-Ikone vor allem f\u00fcr das Ziel, den Ganzjahrestourismus anzukurbeln, zur Verf\u00fcgung gestellt, wie auf einem Youtube-Video von Messners Georgienbesuch in diesem &hellip; <a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2552\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2552"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2552"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2552\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2562,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2552\/revisions\/2562"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}