{"id":2533,"date":"2017-10-17T21:49:34","date_gmt":"2017-10-17T19:49:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2533"},"modified":"2017-10-17T21:49:34","modified_gmt":"2017-10-17T19:49:34","slug":"in-memoriam-zaza-gachechiladse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2533","title":{"rendered":"In memoriam: Zaza Gachechiladse"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein ganz pers\u00f6nlicher Nachruf von KaPost-Herausgeber Rainer Kaufmann<\/strong><\/p>\n<p>Vor sieben oder acht Tagen sahen wir uns endlich einmal wieder, Zaza Gachechiladse, Gr\u00fcnder und Gottvater des &#8222;Georgian Messenger&#8220;, Teileigent\u00fcmer (wie ich) des Hauses in der Tamriko-Tschowelidse-Stra\u00dfe und damit Nachbar von mir und \u2013 darauf kommt es an \u2013 seit 25 Jahren journalistischer Kollege, Freund und Ratgeber in allen politischen Lebenslagen des Landes. Die Absprache mit dem schon wirklich vom Tode gezeichneten Manne vor einer Woche: Ende Oktober, bevor ich f\u00fcr drei Monate nach Deutschland fahre, sehen wir uns wieder, weil wir, wie ein Vierteljahrhundert gewohnt, immer viel zu besprechen hatten, wenn unsere Terminkalender uns denn die Chance gaben, uns zu treffen. F\u00fcr dieses Mal war der Termin fest versprochen\u2026<\/p>\n<p>Heute, von einer Dienstreise zur\u00fcckgekommen, erfahre ich, Zaza ist im Laufe des Tages verstorben. Und so haben wir uns, die Miteigent\u00fcmer desselben Hauses \u2013 verabredungsgem\u00e4\u00df???? &#8211; gerade vor einer Stunde in seiner Wohnung ein letztes Mal getroffen. Nur: Viel zu besprechen gab es angesichts der Realit\u00e4t des Todes nicht mehr. Oder vielleicht doch? Zaza allein kanns wissen.<\/p>\n<p>R\u00fcckblende: Oktober 1992. Nach dem Putsch gegen Gamsachurdia gab es in Georgien eine erste Parlamentswahl, \u00fcber die ich f\u00fcr die deutsche ARD vor Ort berichtete. Ich wohnte damals im einzigen Hotel der Stadt, dem Marco Polo Metechi \u2013 heute Sheraton. Zum Fr\u00fchst\u00fcck wurde uns eine Woche lang ein DIN-A-4-Blatt gereicht, t\u00e4glich irgendwo und irgendwie kopiert, mit dem Titel \u201cZaza`s Daily News\u201c. Der Inhalt, soweit ich mich heute erinnern kann: Nicht viel mehr als eine \u00dcbersicht \u00fcber alle Veranstaltungen in Tiflis an diesem Tag, politische wie kulturelle, dazu Informationen \u00fcber gastronomische Angebote, sofern es damals wirklich so etwas gab. Viel Veranstaltungen waren es nicht wirklich, aber immerhin: Irgend so ein \u2013 uns unbekannter &#8211; Zaza hat uns, die wenigen Ausl\u00e4nder, die damals hier waren, informiert \u00fcber das, was abging in der Stadt. Und wir haben es ihm, unbekannterweise, wirklich gedankt.<\/p>\n<p>Dieser Zaza, so habe ich sp\u00e4ter erfahren, war Englisch-Professor an der Tifliser Universit\u00e4t. Und er hat damals schon erkannt, dass die neue Zeit auch neue Kommunikations-Angebote erforderte. Und er hat sich dieser Herausforderung gestellt mit seinem t\u00e4glichen Info-Paper \u201eZaza`s Daily News\u201c. F\u00fcr einen Professor der UdSSR eine ungeheure Haltung. Und eine ungeheure Mission zu diesen Zeiten. Noch einmal nach 25 Jahren: Was f\u00fcr eine Leistung in der gerade einmal \u00fcberwundenen Sowjetunion, so provinziell man heute diesen Newsletter, der damals nat\u00fcrlich nicht so hie\u00df, auch immer einsch\u00e4tzen mag.<\/p>\n<p>Irgendwann einmal wurde aus all diesen und anderen, folgerichtigen journalistischen Neben-Aktivit\u00e4ten des Universit\u00e4ts-Professors Zaza, der \u201eGeorgian Messenger\u201c, das lange Zeit einzige englisch-sprachige Presse-Organ von Tiflis. Und Zaza war sein Herausgeber, Chefredakteur und Fotograf auf allen wichtigen diplomatischen Events. Mehr als Hundert Mal haben wir uns da getroffen und \u2013 neben den Foto-Sessions &#8211; immer auch ausgetauscht.<\/p>\n<p>In all dieser Zeit war Zaza f\u00fcr mich ein wirklicher Freund und \u2013 der lange Zeit einzige &#8211; unbestechliche Kollege des Landes, der viel zu meinem Verst\u00e4ndnis, zu meinem Urteil \u00fcber Georgien und seine Politik bzw. seine Politiker beigetragen hat. Der einzige, dessen politisches Urteil nie von irgendwelchen kommerziellen oder politischen Abh\u00e4ngigkeiten gepr\u00e4gt war, das immer eine deutliche, professionelle Distanz zum Geschehen und seinen Akteuren erkennen lies, so wie ich es aus meiner journalistischen Ausbildung in der Bundesrepublik der 70-er Jahre gewohnt war. Wenn es etwa um die Zeit des Ultra-Nationalisten Gamsachurdia ging, dessen chauvinistisches Treiben wir beide f\u00fcr sehr gef\u00e4hrlich hielten. Oder um die \u00c4ra von Eduard Schewardnadse, den wir beide kannten und dessen Verdienste f\u00fcr Georgien wie auch dessen offensichtlich gef\u00e4hrliche Schw\u00e4chen f\u00fcr Georgien wir gleicherma\u00dfen einsch\u00e4tzten. Oder um die Zeit von Saakaschwili, dessen Rosen-Revolutions-Euphorie wir beide zun\u00e4chst teilten, wie wir auch den Niedergang von Mischa gleicherma\u00dfen erschreckend fanden. Und dann nat\u00fcrlich auch die Zeit des georgischen Traums, seiner W\u00fcnsche, seiner Versprechungen und seiner heute offenkundigen Verfehlungen. Wann immer ich mit Zaza \u201eherumpolitisierte\u201c, wie das unter Journalisten-Kollegen so \u00fcblich ist, eines musste, besser durfte ich heute bei meinem letzten Gespr\u00e4ch mit ihm sagen: \u201eZaza, Du warst mir immer ein unbestechlicher Kollege und wichtiger, weil geistig unabh\u00e4ngiger Zeitzeuge in Deinem &#8211; vielleicht irgendwie auch meinem &#8211; Land. Ein wirklicher Freund. Dein Urteil wird mir fehlen.\u201c Und \u2013 so denke ich \u2013 geht es nicht nur mir.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein ganz pers\u00f6nlicher Nachruf von KaPost-Herausgeber Rainer Kaufmann Vor sieben oder acht Tagen sahen wir uns endlich einmal wieder, Zaza Gachechiladse, Gr\u00fcnder und Gottvater des &#8222;Georgian Messenger&#8220;, Teileigent\u00fcmer (wie ich) des Hauses in der Tamriko-Tschowelidse-Stra\u00dfe und damit Nachbar von mir &hellip; <a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2533\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2533"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2533"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2533\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2534,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2533\/revisions\/2534"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2533"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2533"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2533"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}