{"id":249,"date":"2012-05-06T13:09:22","date_gmt":"2012-05-06T11:09:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkanet.de\/KaromediaWP\/?p=249"},"modified":"2012-05-09T15:35:40","modified_gmt":"2012-05-09T13:35:40","slug":"nino-haratischwili-mein-sanfter-zwilling-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=249","title":{"rendered":"Nino Haratischwili: Mein sanfter Zwilling"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/?attachment_id=411\" rel=\"attachment wp-att-411\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-411\" title=\"Nino Haratischwili\" src=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_2_titelbutton_nino.jpg\" alt=\"\" width=\"139\" height=\"89\" \/><\/a>Buchbesprechung von Rainer Kaufmann<\/strong><\/p>\n<p>Stella, die Ich-Erz\u00e4hlerin in Nino Harataschwilis Roman <em>Mein sanfter Zwilling <\/em>ist in einer Patchwork-Familie in Hamburg aufgewachsen im Spannungsfeld zwischen Drogenmilieu und Gro\u00dfb\u00fcrgertum. Mit ihrem Patchwork-Bruder Ivo verbindet sie von fr\u00fcher Kindheit an eine Beziehung, die beide nicht mehr losl\u00e4sst, bis zur Selbstzerst\u00f6rung, obwohl sie \u00fcber Jahre getrennt sind und Stella ihrerseits ein normal-b\u00fcrgerliches Zuhause mit Mann und Kind gefunden hat. Dann, Jahre sp\u00e4ter, taucht Ivo pl\u00f6tzlich wieder auf. Und dann kommen Schicht f\u00fcr Schicht die Trag\u00f6dien zweier zerr\u00fctteten Familien zutage mit einem dramatischen Kindheitserlebnis, das Stella und Ivo f\u00fcr den Rest ihres Lebens schicksalhaft zusammenkettet, ohne dass beide den Mut haben, die schreckliche Vergangenheit wirklich aufzuarbeiten und\u00a0 Dinge, die geschehen sind, beim Namen zu nennen. Das alles spielt in Deutschland. Und nur \u00fcber eine Recherche des Journalisten Ivo zu einer Parallel-Geschichte in den Kriegswirren Georgiens kommen die beiden der Ursache ihrer zerst\u00f6rerischen Liebe, die wohl immer auch Selbstliebe war, auf den Grund.<\/p>\n<p>Dass diese Parallel-Geschichte in Georgien spielt, ist genauso willk\u00fcrlich wie der Ort der Hauptgeschichte, Hamburg und Umgebung. Nino Haratischwili selbst sagt, beide Geschichten h\u00e4tten \u00fcberall spielen k\u00f6nnen. Sie spielen eben dort, wo sie sich pers\u00f6nlich auskennt, wo sie Milieus und Personen pr\u00e4zise schildern und beschreiben kann. Wer also etwa eine literarische Aufarbeitung des ersten Abchasienkrieges erwartet \u2013 in dieser Zeit und an diesem Ort spielt die Parallelgeschichte \u2013 wird entt\u00e4uscht. Darum geht es Nino Haratischwili auch nicht.<\/p>\n<p>Mit einer erstaunlich m\u00e4chtigen Sprache, einer Sprache, die in jeder Minute der Lekt\u00fcre fesselt und neugierig macht auf die Personen und die Fortsetzung ihres Teil der Geschichte, schildert Nino Haratischwili das komplizierte Beziehungsgeflecht einer gro\u00dfen, zusammen gew\u00fcrfelten Familie. Mitten drin Stella und Ivo, die diese Familie zusammengebracht hat und die jetzt, 30 Jahre nach dem Schl\u00fcsselerlebnis ihrer Kindheit, diese Familie mit in den Abgrund ihrer selbst-zerst\u00f6rerischen Liebe treiben.<\/p>\n<p>Es geht immer wieder um die Frage der Schuld, um Fragen des Umgangs der Menschen miteinander, um Vergessen und Verdr\u00e4ngen. In einem schnellen Wechsel an Anekdoten, in rasant wechselnden Schaupl\u00e4tzen, in R\u00fcckblenden, in einmal distanzierten und sp\u00e4ter dann recht intimen Szenen wird Schicht f\u00fcr Schicht der eigentlichen Geschichte freigelegt, einer Beziehung zweier Menschen, die von Anfang an auf das totale Scheitern hinauslaufen musste, ohne dass die beiden selbst Anlass zu diesem Scheitern gegeben h\u00e4tten. Dazu waren sie, als das Unbeschreibliche passierte, mit sechs Jahren viel zu jung.<\/p>\n<p><strong>Nino Haratischwili Mein sanfter Zwilling, Frankfurter Verlagsanstalt, 380 S., 22,90Euro<br \/>\n<\/strong><strong>ISBN 978-3-627-00175-9<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchbesprechung von Rainer Kaufmann Stella, die Ich-Erz\u00e4hlerin in Nino Harataschwilis Roman Mein sanfter Zwilling ist in einer Patchwork-Familie in Hamburg aufgewachsen im Spannungsfeld zwischen Drogenmilieu und Gro\u00dfb\u00fcrgertum. 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