{"id":247,"date":"2012-05-04T20:13:11","date_gmt":"2012-05-04T18:13:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkanet.de\/KaromediaWP\/?p=247"},"modified":"2012-05-08T00:57:23","modified_gmt":"2012-05-07T22:57:23","slug":"meine-unbekannte-bekannte-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=247","title":{"rendered":"Meine unbekannte Bekannte"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/?attachment_id=411\" rel=\"attachment wp-att-411\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-411\" title=\"Nino Haratischwili\" src=\"http:\/\/www.erkanet.de\/KaukPostWP\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/2012_2_titelbutton_nino.jpg\" alt=\"\" width=\"139\" height=\"89\" \/><\/a>Rainer Kaufmann \u00fcber Nino Haratischwili<\/strong><\/p>\n<p>Nicht dass ich ein enger Bekannter w\u00e4re von Nino Haratischwili, weiss Gott nicht. Wir sind uns nur zweimal begegnet. Das erste Mal im Jahr 1999. Reinhard Leussing, Fachberater der ZfA f\u00fcr DeutschUnterricht an georgischen Schulen stellte mir ein 17-j\u00e4hriges M\u00e4dchen vor, das gerade ein deutsches Theaterst\u00fcck geschrieben hatte und dieses mit ihrer Sch\u00fcler-Theatergruppe auff\u00fchren wollte. Ein Sponsor f\u00fcr das Plakat wurde gesucht. Der Aufwand war durchaus erschwinglich, das St\u00fcck konnte ich mir leider nicht ansehen. Termine. Ein schweres Vers\u00e4umnis, wie ich heute wei\u00df. Es war das erste Theaterst\u00fcck, das Fr\u00fchwerk einer der heute begehrtesten Nachwuchsautorinnen der deutschen Theaterszene.<\/p>\n<p>Das zweite Treffen war dann vor drei Jahren in meiner Heimatstadt Bruchsal. Die Badische Landesb\u00fchne hatte eine in Georgien geborene Autorin und Regisseurin angek\u00fcndigt, die ihr eigenes St\u00fcck \u201eLe petit maitre\u201c inszenieren w\u00fcrde. In der Ank\u00fcndigung stand auch die Bemerkung, sie habe schon als Sch\u00fclerin in Tiflis eine Theatergruppe geleitet. Nat\u00fcrlich trafen wir uns zu einem ausgiebigen Plausch in einem Cafe und tauschten die wenigen Erinnerungen, die wir aneinander hatten, aus. Der Intendant der Badischen Landesb\u00fchne, Carsten Ramm \u00fcber Nino Haratischwili: <em>\u201eDas St\u00fcck ist eine abwechselnd poetische und extrem direkte Auseinandersetzung mit dem Thema Beziehungen, das mich bereits beim ersten Lesen in den Bann gezogen hat. Wenn Regisseure selbst ihre St\u00fccke inszenieren, kann das heikel sein, doch Nino hatte das bereits mehrfach \u00e4u\u00dferst erfolgreich getan, und so hatte ich Zutrauen in ihre Arbeit. Und zu Recht: Die Inszenierung arbeitete wie der Text mit ausgesprochen starken, theatralischen Bildern und scheute auch nicht die Darstellung von Extremen. <\/em><em>Nino Haratischwili<\/em><em> hat einen ganz besonderen Stil und sich somit zu Recht eine Stellung unter den Nachwuchsautoren auf deutschen B\u00fchnen erarbeitet.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und jetzt die dritte Begegnung, diesmal ganz ohne sie: Ihr \u00a0Roman <em>Mein sanfter Zwilling<\/em>, der nat\u00fcrlich in der ersten Ausgabe der neuen Kaukasischen Post vorzustellen und zu besprechen war. Grund genug also, dem Ph\u00e4nomen Nino Haratischwili vor Ort mit zwei wirklichen Bekannten, eigentlich Freundinnen, von Nino nachzugehen, Maria Dsebisaschwili, einer Lehrerin der xx. Schule in der Petriaschwili-Stra\u00dfe und Nino Tsketischwili, ihrer Cousine und Schulkameradin.<\/p>\n<p>Das Biografische in aller K\u00fcrze: Nino wuchs als junge Sch\u00fclerin bei ihrer Oma und Tante in Tiflis auf, nachdem ihre Mutter einen Deutschen geheiratet hatte und nach Hannover ausgewandert war. Der Vater war fr\u00fch gestorben. In der f\u00fcnften Klasse wechselte Nino nach Deutschland, wo sie zwei Jahre zur Schule ging, kam dann aber zur\u00fcck nach Georgien. Warum? Sie wei\u00df es selbst nicht, wie sie in einer Sch\u00fclerbefragung in ihrer ehemaligen Schule vor zwei Jahren erkl\u00e4rte. Irgendetwas habe sie einfach gesucht, nicht wissend, was dieses irgendetwas sein sollte. Famili\u00e4re Probleme in Deutschland waren es nicht, was deshalb erw\u00e4hnenswert ist, weil ihre Werke \u00a0gelegentlich autobiografisch interpretiert werden. Nino wuchs in wirklich anderen Verh\u00e4ltnissen auf als denen, die sie beschreibt.<\/p>\n<p>Ihrer damaligen Deutschlehrerin vermachte sie recht schnell ein Heft, das sie mit deutschen Kurzgeschichten voll geschrieben hatte: <em>Das Leben der Fische.<\/em> Leussing, nebenbei selbst Theatermann, bekam das Heftchen zu lesen und ermunterte Nino, weiter zu schreiben. Denn was er gelesen hatte, konnte kaum von einem M\u00e4dchen der 7. Klasse stammen.<\/p>\n<p>1999 brachte Leussing eine Theatergruppe seiner fr\u00fcheren Schule aus Bremen nach Tiflis mit Brechts Kaukasischem Kreidekreis. Leussings Idee, die Nino sofort aufgriff, war, aus einer ihrer vielen Novellen ein eigenes Theaterst\u00fcck zu schreiben und dieses im Rahmen des Besuchs der deutschen Schultheatergruppe aufzuf\u00fchren. Innerhalb eines Monats, so meine georgischen Gespr\u00e4chspartnerinnen, habe Nino das St\u00fcck geschrieben, inszeniert, ausgestattet und zur Auff\u00fchrung gebracht. Der Titel: <em>Das Wohnzimmer<\/em>. Cousine Nino hat damals mitgespielt. Nat\u00fcrlich stand Monate sp\u00e4ter der Gegenbesuch in Bremen an, wo die georgischen Sch\u00fcler Ninos <em>Wohnzimmer<\/em> auff\u00fchrten. In Bremen, ihrer ersten Auslandsstation als Theatermacherin, hatte \u00fcbrigens am 29. Januar diesen Jahres Ninos St\u00fcck <em>Drei Sekunden <\/em>Premiere. Regie: Nino Harataschwili.<\/p>\n<p>Es folgten noch \u2013 betreut vom ZfA-Fachberater J\u00f6rg Kassner &#8211; drei weitere Theaterst\u00fccke in Tiflis, wo Nino mittlerweile Film-Regie studierte. Was danach folgte, kann \u00fcberall nachgelesen werden: Theaterstudium in Hamburg und die erfolgreiche Karriere als St\u00fcckeschreiberin, Regisseurin und Romanautorin.<\/p>\n<p>Sie sei eine ganz besondere Sch\u00fclerin gewesen, sagt Maia, die Lehrerin, die auch heute noch in fast t\u00e4glichem SMS-Kontakt mit Nino steht, ein M\u00e4dchen mit ernsten, tiefen und manchmal traurigen Augen. Mit einem angeborenen Sprachgef\u00fchl, in deutsch wie georgisch gleicherma\u00dfen kraftvoll, habe sie immer die Tiefe der menschlichen Beziehungen gesucht, Abgr\u00fcnde und drastische Beschreibungen nicht scheuend. Aber auch eine Sch\u00fclerin, die das das Schulleben mit st\u00e4ndigen Aktivit\u00e4ten bereicherte, immer rastlos und unternehmungslustig. Die sich bei jeder Geburtstagsparty recht schnell in die Bibliothek ihrerGastgeber verzogen h\u00e4tte, um in B\u00fcchern zu w\u00fchlen. Die Schaffenswut hat sich bis heute gehalten, was die enorme Menge an Theaterst\u00fccken, Regiearbeiten und Romane nachhaltig beweist.<\/p>\n<p>Beim letzten Besuch in Tiflis hat Nino versprochen, in diesem Jahr endlich einmal zu ihren Freundinnen zu kommen, auszuspannen, faul zu sein und nur zu quatschen. Quatschen \u00fcber Leeres, \u00fcber Belangloses, so wie es unter Frauen &#8211; besonders in Georgien \u2013 \u00fcblich sei. Auf dieses Quatschen, das wissen Maia und Nino zu genau, werden sie wohl noch eine Weile warten m\u00fcssen. Nino ist keine, der Faulenzen wirklich Spa\u00df macht. Und wenn sie in diesem Jahr nach Tiflis kommt, dann steht zuvor die Einladung der Kaukasischen Post f\u00fcr eine gemeinsame Stadtbegehung. Vielleicht wird dann aus der unbekannten Bekannten eine wirkliche Bekannte. Auch f\u00fcr die Leser und Leserinnen dieser Zeitung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rainer Kaufmann \u00fcber Nino Haratischwili Nicht dass ich ein enger Bekannter w\u00e4re von Nino Haratischwili, weiss Gott nicht. Wir sind uns nur zweimal begegnet. Das erste Mal im Jahr 1999. Reinhard Leussing, Fachberater der ZfA f\u00fcr DeutschUnterricht an georgischen Schulen &hellip; <a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=247\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":[],"categories":[1],"tags":[46,48,43,47,45,44],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/247"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=247"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/247\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":615,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/247\/revisions\/615"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=247"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=247"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=247"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}