{"id":2103,"date":"2016-10-02T08:43:52","date_gmt":"2016-10-02T06:43:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2103"},"modified":"2016-10-02T08:47:33","modified_gmt":"2016-10-02T06:47:33","slug":"franziskus-und-das-leere-stadion","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=2103","title":{"rendered":"Franziskus und das leere Stadion"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #000000; font-size: medium;\">Papstbesuch im Spannungsfeld zwischen \u00f6kumenischer Mission und dogmatischen Unterschieden<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-size: medium;\">Schon im Vorfeld der Zweil\u00e4nderreise des Papstes nach Georgien war klar, dass Franziskus in Georgien vor einer besonders heiklen Mission stand. Nicht etwa wie in Aserbaidschan oder vor einigen Wochen in Armenien wegen politischer Konflikte, vielmehr wegen des nach wie vor angespannten Verh\u00e4ltnisses der r\u00f6mischen Weltkirche und der georgischen Orthodoxie. Ein gemeinsames Gebetevon Patriarch und Papst, beide sind Oberh\u00e4upter ihrer Kirchen, wurde vom Patriarchat von vorneherein abgelehnt. Man empfange den Papst lediglich als Oberhaupt des Vatikanstaates. Mehr nicht. Es kam dann aber noch schlimmer. Obwohl der Vatikan damit rechnen durfte, dass bei der gro\u00dfen Messe im Mikheil Meskhi Stadion auch eine Delegation georgisch orthodoxer W\u00fcrdentr\u00e4ger anwesend sei, wurde dies seitens des Patriachats kurzfristig abgesagt, ohne Angabe von Gr\u00fcnden. Zwei Stunden lang zeigte die Fernsehregie immer wieder die ganze Riege an hochrangigen Klerikern in Georgien. Unter ihnen Bisch\u00f6fe der armenisch apostolischen Kirche oder der Baptisten, sogar Vertreter der muslimischen Minderheit nahmen demonstrativ am Papstgottesdienst teil. Die georgische Orthodoxie fehlte. Da fiel das H\u00e4uflein von vielleicht 100 erzkonservativer Protestierer gegen den Papstbesuch vor dem Stadion kaum noch auf, die Franziskus als &#8222;Antichristen&#8220; und &#8222;geistigen Aggressor&#8220; bezeichneten und ihn aufforderten, das Land zu verlassen. Sie hatten ihn bereits am Flughafen so begr\u00fc\u00dft und wenige Tage vor dem Besuch schon f\u00fcr internationale Schlagzeilen gesorgt. Das Patriarchat hatte sich von diesen Protesten zwar sofort distanziert, gleichzeitig aber deutlich gemacht, dass es keine \u00f6kumenischen Gesten oder Handlungen zwischen der Orthodoxie und dem Oberhaupt der Katholischen Kirche geben werde. Dogmatische Unterschiede st\u00fcnden dem im Wege.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-size: medium;\">An diese Regieanweisung hatte sich Franziskus aber nicht gehalten, als er beim Empfang im Patriarchat deutlich \u00f6kumenische T\u00f6ne anschlug. W\u00e4hrend der Patriarch den Verlust an Glauben und Tradition in einer immer globaler werden Gesellschaft anprangerte und dem Oberhaupt des Vatikanstaates gegen\u00fcber den Verlust der beiden ur-georgischen Provinzen Abchasien und S\u00fcdossetien beklagte, sprach Franziskus mehr \u00fcber die Notwendigkeit, den zwischen-kirchlichen Dialog zu beleben. &#8222;Lieber Bruder&#8220;, wird der Papst in einer Agenturmeldung von Radio Vatikan w\u00f6rtlich zitiert, &#8222;lasst es uns dem Herrn Jesus erlauben, neu auf uns zu schauen. Lassen Sie uns noch einmal den Reiz seiner Berufung erfahren, alles hinter uns zu lassen, was uns an der gemeinsamen Verk\u00fcndigung seiner Anwesenheit hindert.&#8220; Ob dieser Satz f\u00fcr das Patriarchat schon ausgereicht hat, die Teilnahme an der p\u00e4pstlichen Messe abzusagen? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Vielleicht war es aber auch ein kleines protokollarisches Nebenereignis, das im Patriarchat f\u00fcr Aufsehen sorgte. Radio Vatikan berichtete auf seiner deutschen Nachrichtenseite: &#8222;Franziskus hat vor und nach der Messe eine Heilige Pforte durchschritten, die anl\u00e4sslich des Ereignisses auf einem Podest im Stadion der Stadt aufgestellt wurde. Die aus der Gemeinde Rustawi stammende Pforte war vom Apostolischen Administrator Giuseppe Pasotto ursp\u00fcnglich in der s\u00fcd\u00f6stlich von Tiflis liegenden Stadt errichtet worden &#8211; und zwar in Ermangelung einer st\u00e4dtischen Erlaubnis f\u00fcr einen Kirchenbau. So wird die f\u00fcr die Messe ausgeliehene Pforte von Beobachtern auch als Symbol der kirchlichen Spannungen in dem \u00fcberwiegend orthodoxen Land gewertet.&#8220; Ob diese p\u00e4pstliche Geste seiner katholischen Minderheit in Georgien gegen\u00fcber diplomatisch klug war, wird man sich auch im Vatikan zu \u00fcberlegen haben. Die georgischen Agenturen haben diese kleine Randerscheinung vor und nach der Papstmesse geflissentlich \u00fcbersehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-size: medium;\">Im Stadion selbst nahezu g\u00e4hnende Leere. Fast 30.000 Menschen fasst es, etwa 3.000 waren gekommen. Katholiken aus Georgien und den Nachbarl\u00e4ndern, der georgische Staatspr\u00e4sident als einziger Offizieller des Landes, Vertreter des diplomatischen Chorps. Viel mehr war eigentlich nicht zu erwarten, denn die Katholiken stellen mit knapp 20.000 Gl\u00e4ubigen, das sind 0,5 Prozent der Bev\u00f6lkerung, eine Minderheit selbst im Reigen der Minderheiten-Religionen dar. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-size: medium;\">Antonio Spadaro, Leiter der Jesuitenzeitschrift Civilt\u00e0 Cattolica, der den Papst auf seiner Reise begleitet, misst dem Fernbleiben einer orthodoxen Delegation bei der Papstmesse eine ganz andere Bedeutung zu: \u201eAls Johannes Paul II. (er besuchte Georgien im Jahr 1999) nach Georgien kam, wurde eine Teilnahme an der Messe in den Medien als \u201aTods\u00fcnde\u2018 bezeichnet. Dieses Mal gab es nichts davon zu h\u00f6ren,\u201c kommentierte er auf Twitter. Der Jesuit betonte aber ausdr\u00fccklich, dass sehr wohl orthodoxe Gl\u00e4ubige an der Messe teilnahmen und auch im Chor Mitglieder orthodoxen Glaubens dabei waren. \u201eDas ist eine absolute Neuheit f\u00fcr Anl\u00e4sse dieser Art.\u201c Also doch ein Fortschritt, wenn auch nur ein winziger? Der Papst hingegen bedankte sich in seiner Schlussansprache ausdr\u00fccklich auch bei den orthodoxen Besuchern dieser Messe f\u00fcr die Ehre ihrer Anwesenheit\u2026..<\/span><\/p>\n<p><em>Rainer Kaufmann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papstbesuch im Spannungsfeld zwischen \u00f6kumenischer Mission und dogmatischen Unterschieden Schon im Vorfeld der Zweil\u00e4nderreise des Papstes nach Georgien war klar, dass Franziskus in Georgien vor einer besonders heiklen Mission stand. 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