{"id":1335,"date":"2013-03-09T08:31:02","date_gmt":"2013-03-09T07:31:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1335"},"modified":"2013-03-09T08:31:02","modified_gmt":"2013-03-09T07:31:02","slug":"mannerfreundschaft-auf-georgisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1335","title":{"rendered":"M\u00e4nnerfreundschaft auf georgisch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Oder: Wie sich die Kohabitation im Alltag bew\u00e4hrt<\/strong><\/p>\n<p>Sie ist l\u00e4ngst eine deutsche politische Legende, die M\u00e4nnerfreundschaft zwischen Helmut Kohl und Franz-Josef Strau\u00df, die bayerisch-pf\u00e4lzische Kohabition innerhalb der christlichen Schwesterparteien. Unterhaltung pur f\u00fcr alle Chronisten dieser Zeit. Gegen die beiden Kohabition\u00e4re Saakaschwili und Iwanischwili aber waren die Altmeister der deutschen Politikfolklore nur kleine Lichter. Mischa und Bidsina, wie sie von ihren Fans jeweils vertraulich genannt werden, inszenieren in diesen Tagen wirklich gro\u00dfes Kino, wobei es von der jeweiligen Parteienpr\u00e4ferenz abh\u00e4ngt, wer da als komischer oder wer als ehrenhafter Held agiert.<\/p>\n<p>Der Neue an der Macht l\u00e4sst keinen Versuch aus, den Alten mit Nadelstichen fast zur Verzweiflung zu bringen, w\u00e4hrend sein Vorg\u00e4nger als zentrale F\u00fchrerfigur keine Chance ausl\u00e4sst, sich in TV-Statements in die aktuelle Tagespolitik einzumischen. Als russische Hygiene-Inspektoren, sogar vom Patriarchen empfangen, georgische Weing\u00fcter auf ihre Importauglichkeit nach Russland \u00fcberpr\u00fcften, polterte Saakaschwili munter drauf los und beschimpfte die georgische Weinwirtschaft mehr oder weniger deutlich, des Okkupanten Speichel zu lecken. Georgische Produkte bed\u00fcrfen keiner \u00dcberpr\u00fcfung durch Fremde, wobei anzuf\u00fcgen w\u00e4re, dass die georgische Lebensmittel\u00fcberachung sich nicht gerade durch eine h\u00f6here Effizienz auszeichnet, sofern es eine solche \u00fcberhaupt noch gibt. Die Hygienepr\u00fcfung stand auf der Kippe, die Russen drohten, angesichts der pr\u00e4sidialen Einmischung abzureisen. Wer wei\u00df, ob sie das wirklich gemacht h\u00e4tten, h\u00e4tten sie nicht zuvor den Segen des Patriarchen bekommen, der Auorit\u00e4t im Lande, die hinter den Kulissen das eine oder andere noch richten kann.<\/p>\n<p>Ein zweiter profiliert sich derzeit ebenfalls als eine Art Oberschiedsrichter zwischen den Streith\u00e4hnen, der amerikanische Botschafter Richard Norland. Kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht in \u00f6ffentlichen Auftritten mitteilen w\u00fcrde, Saakaschwili und Iwanischwili h\u00e4tten ihm wiederholt versprochen, friedlich-schiedlich zusammen zu arbeiten und nach vern\u00fcnftigen L\u00f6sungen in praktischen Fragen zu suchen. Bei einer Privataudienz hat er auch dem Patriarchen diese frohe Botschaft \u00fcberbracht.<\/p>\n<p>Im fernen Br\u00fcssel versuchte Saakaschwilis UNM zusammen mit der Europ\u00e4ischen Volkspartei, in eine Georgien-Resolution der Parlamentarischen Versammlung einen Passus aufnehmen zu lassen, in dem die georgische Regierung wegen der Vorf\u00e4lle um die Nationalbibliothek ger\u00fcgt wurde, wo es zu einem nicht unbedingt nennenswerten Handgemenge zwischen UNM-Politikern und Demonstranten aus der Ecke der ehemaligen politischen Gefangenen gekommen war. Als die Regierung Saakaschwili vor Jahren gro\u00dfe Demonstrationen der Opposition brutal auseinandergeschlagen lie\u00df, hat sich Europa kaum darum gek\u00fcmmert. Die Parlamentarier des Georgischen Traums konnten \u00fcber ihre Kontakte und \u00fcber einen Einspruch der Gr\u00fcnen und Sozialisten die Annahme der gesamten Resolution verweigern. Reaktion des Pr\u00e4sidenten: Zum ersten Mal ist eine Georgien-Resolution in Europa gescheitert. Europa wirds verkraften, denn Europa kann vieles gebrauchen, nur nicht georgischen Bruderzwist, ausgetragen in Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>G\u00e4nzlich grotesk ist das Gerangel um den Personenschutz des Pr\u00e4sidenten. \u00dcber dreitausend Mann hatte der Pr\u00e4sident besch\u00e4ftigt, um sich, seine Residenzen und seine Regierung vor etwaigen Anschl\u00e4gen zu sch\u00fctzen. Sie unterstanden alle dem Pr\u00e4sidialamt. Die neue Regierung hat die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr den Personenschutz zun\u00e4chst einmal vom Pr\u00e4sidialamt zur Staatskanzlei und damit zum Regierungschef verlagert. Der Pr\u00e4sident sollte einen eigenen, rund 350 Mann starken Personenschutz unter seinem Kommando behalten. Anscheinend aber wollte keiner der staatlichen Personensch\u00fctzer in die \u201eLeibgarde\u201c des Pr\u00e4sidenten wechseln, jedenfalls behaupten dies Regierungskreise. Um das alles auf die Spitze zu treiben, hat Iwanischwili den Chef seiner privaten Security zum Chef des staatlichen Personenschutzes ernannt. Da der Pr\u00e4sident derzeit keinen eigenen Personenschutz mehr hat und es ablehnt, sich dem Personenschutz der Regierung anzuvertrauen, steuerte er h\u00f6chstpers\u00f6nlich und bar jeden Personenschutzes einem Privatwagen zum Flughafen, als er k\u00fcrzlich nach Baku flog, begleitet von Ehefrau Sandra. Staatsbesuch, wobei allerdings nicht unerw\u00e4hnt bleiben darf, dass der Frau des Pr\u00e4sidenten eine satte Beteiligung am Georgien-Ableger der aserbaidschanischen \u00d6lgesellschaft SOCAR nachgesagt wird.<\/p>\n<p>Reaktion des Regierungslagers: Es sei Sache des Staates, einen Pr\u00e4sidenten zu sch\u00fctzen und wenn dieser ohne Personenschutz durchs Land reise, verletze er die Gesetze und schickt flugs eine Begleiteskorte an den Flughafen, als dieser aus Baku zur\u00fcckgekommen war. Seine Reaktion: Zirkus, das ganze.<\/p>\n<p>Ob die georgische M\u00e4nnerfreundschaft gen\u00fcgend Kondition besitzt, dieses Schauspiel zur Belustigung ihrer B\u00fcrger bis Oktober, dem Ende der Amtszeit Saakaschwilis durchzustehen? Zweifel sind durchaus erlaubt. Oder kommt es vielleicht doch noch, wie weiland bei Strau\u00df und Kohl, zu einer gemeinsamen Bergwanderung? Und wer ist dann f\u00fcr den Personenschutz der beiden zust\u00e4ndig?<\/p>\n<p>Rainer Kaufmann<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder: Wie sich die Kohabitation im Alltag bew\u00e4hrt Sie ist l\u00e4ngst eine deutsche politische Legende, die M\u00e4nnerfreundschaft zwischen Helmut Kohl und Franz-Josef Strau\u00df, die bayerisch-pf\u00e4lzische Kohabition innerhalb der christlichen Schwesterparteien. Unterhaltung pur f\u00fcr alle Chronisten dieser Zeit. 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