{"id":1286,"date":"2012-12-06T12:40:08","date_gmt":"2012-12-06T11:40:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1286"},"modified":"2012-12-06T12:40:08","modified_gmt":"2012-12-06T11:40:08","slug":"climbing-the-ararat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1286","title":{"rendered":"Climbing the Ararat"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1287\" rel=\"attachment wp-att-1287\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1287\" title=\"2012_12_fnf_DSC_0390-2\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/2012_12_fnf_DSC_0390-2.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"284\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/2012_12_fnf_DSC_0390-2.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/2012_12_fnf_DSC_0390-2-150x100.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/2012_12_fnf_DSC_0390-2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a>Den Berg des Schweigens besteigen \u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem ersten Weltkrieg und mit dem Aufkommen des Kalten Krieges waren die Grenzen zwischen Armenien und der T\u00fcrkei fast ununterbrochen geschlossen. Mit dem Fall der Sowjetunion und der Unabh\u00e4ngigkeit Armeniens schien sich ein kleines Fenster f\u00fcr eine Ann\u00e4herung der beiden Nachbarstaaten zu \u00f6ffnen; der Krieg Armeniens mit Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach verhinderte diese Aussicht jedoch endg\u00fcltig. Seither blieben trotz vielf\u00e4ltiger diplomatischer Bem\u00fchungen die Grenzen geschlossen und es herrschte offizielles Schweigen zwischen Armeniern und T\u00fcrken.<\/p>\n<p>Eine \u00c4nderung der Situation scheint hoffnungslos. Die Entwicklungen im Nahen Osten ziehen die gesamte Aufmerksamkeit westlicher Akteure sowie der t\u00fcrkischen Au\u00dfenpolitik auf sich, und die Beziehungen zum Nachbarn Armenien bzw. zur Nachbarregion S\u00fcdkaukasus treten in den Hintergrund. Mit dem nach wie vor ungel\u00f6sten Karabachkonflikt und den anstehenden Wahlen in Armenien 2013 sowie der T\u00fcrkei 2014 und 2015 stehen die Zeichen f\u00fcr eine Ann\u00e4herung sogar noch schlechter. Umso mehr, als Armenien im Gedenkjahr 2015 ihre Bestrebungen f\u00fcr eine internationale Anerkennung der Ereignisse von 1915 als Genozid noch intensivieren und damit den Gegnern einer Auss\u00f6hnung Wasser auf die M\u00fchlen gie\u00dfen wird.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die kommenden schwierigen Jahre ist deshalb gerade der individuelle Austausch zwischen Armenien und der T\u00fcrkei besonders wichtig und muss mit aller Kraft fortgef\u00fchrt werden. Der Dialog \u201eClimbing the Mountain\u201c mit Fethiye \u00c7etin, einer t\u00fcrkischen Autorin und Menschenrechtsaktivistin, und Arsin\u00e9e Khanjian, einer armenischen Schauspielerin und Filmemacherin, ist ein solches Beispiel. Die Auftaktveranstaltung in Berlin hat zum Ziel, einen anhaltenden, sichtbaren und vielschichtigen Dialog zwischen den beiden Gesellschaften f\u00f6rdern und die m\u00fchsame Besteigung des Berges Schritt f\u00fcr Schritt voranzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Friedrich-Naumann-Stiftung f\u00fcr die Freiheit setzt sich im Rahmen ihrer Projekte seit vielen Jahren f\u00fcr einen Dialog und friedlichen Ausgleich zwischen Menschen und Gesellschaften ein. Der armenisch-t\u00fcrkische Dialog ist Teil eines regionalen Friedensdialogs im S\u00fcdkaukasus, der zum Ziel hat, den Diskurs \u00fcber Bedingungen f\u00fcr Freiheit, Frieden und Entwicklung in der Region zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Begonnen hat die Stiftung f\u00fcr die Freiheit mit einem politischen Dialog zwischen Partnern aus Armenien und der T\u00fcrkei. Mit der Veranstaltung \u201eClimbing the Mountain\u201c wagt sie sich nun mit der Unterst\u00fctzung von Civilitas und Anadolu K\u00fclt\u00fcr in die k\u00fcnstlerisch-literarische Begegnung mit diesem komplexen und schwierigen Thema vor. Die literarische Auseinandersetzung mit dem Thema der Auss\u00f6hnung zwischen Armeniern und T\u00fcrken ist besonders fruchtbar, da sich die Kunst Aspekten wie Identit\u00e4t, Tradition, Kultur und Schmerz auf eine individuelle Weise stellen kann, wie ein rational-politischer Dialog es nicht zu tun vermag. Denn letztendlich basiert dieser Ansatz auf dem freien und pers\u00f6nlichen Ausdruck des Einzelnen und nicht auf kollektiven Stereotypen oder gar nationalen Interessen.<\/p>\n<p>Einen Berg zu besteigen erfordert viel Kraft, Geduld und Z\u00e4higkeit. Und der Ararat, so wird gesagt, \u00fcberrascht selbst den erfahrenen Bergwanderer mit seinen Launen und Gewittern. Deshalb ist es mehr als statthaft, den Dialog zwischen Armeniern und T\u00fcrken mit der Besteigung eines Berges, vielleicht sogar des Ararats, zu vergleichen.<\/p>\n<p>Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitierte in ihrem Artikel \u201eSchwarze L\u00f6cher in der T\u00fcrkei\u201c vom 6. November 2011 einen Beobachter mit den folgenden Worten: \u201ePl\u00f6tzlich tauchten \u00fcberall in der T\u00fcrkei diese \u201aarmenischen Gro\u00dfm\u00fctter\u2019 auf und bev\u00f6lkerten die schwarzen L\u00f6cher der Erinnerung.\u201c In diesem Dialog kann es aber nicht nur um die Endeckung der eigenen Familiengeschichte gehen. Vielmehr geht es um die Entdeckung der vielschichtigen und komplexen Geschichte der verschiedenen V\u00f6lker, die jahrhunderte lang im Guten wie im B\u00f6sen gemeinsam auf dem Boden der heutigen T\u00fcrkei gelebt, geliebt und auch gelitten haben. Es geht um die Anerkennung eines Platzes in dieser Geschichte, die nicht nur B\u00f6ses und Leid, sondern auch viel Licht und Gutes gebracht hat. Diese Geschichte gilt es aufzudecken, und das nicht nur von Familien mit armenischen, sondern auch mit kurdischen, zazakischen, lasischen, arabischen, tscherkessischen, aram\u00e4ischen, griechischen, j\u00fcdischen und besonders auch t\u00fcrkischen Gro\u00dfm\u00fcttern.<\/p>\n<p>Die Erfahrung zeigt, dass alle Bem\u00fchungen f\u00fcr eine Ann\u00e4herung ohne Einsicht in die Tiefe und Komplexit\u00e4t des Gegenstands sowie die Bereitschaft zur Annahme neuer Sichtweisen letztlich zum Scheitern verurteilt sind. Gegner des Dialogs gibt es gen\u00fcgende auf beiden Seiten und die Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Ablehnung sind vielf\u00e4ltig. Deshalb ist ein offener und authentischer Austausch essentiell f\u00fcr das gegenseitige Verst\u00e4ndnis und eine langfristige Ann\u00e4herung. Bei dieser gemeinsamen Besteigung ist mehr als nur Toleranz notwendig. Da es bei der eigentlichen Bedeutung von \u201atolerare\u2019 mehr um das Dulden des Anderen, des Fremden geht. Auf dieser Reise ben\u00f6tigen die Wanderer aber vor allem den Mut, sich in die Haut des anderen denken zu k\u00f6nnen. Auch m\u00fcssen sie die Kraft haben, sich von kollektiven Stereotypen und Vorbehalten zu befreien.<\/p>\n<p>Fethiye \u00c7etin und Arsin\u00e9e Khanjan verk\u00f6rpern diesen Ansatz in einer einzigartigen Offenheit und Authentizit\u00e4t. Beide Frauen hatten den Mut, sich auf eine gemeinsame pers\u00f6nliche Reise zu begeben und dem Gespr\u00e4ch mit der \u201eanderen Seite\u201c zu stellen, ohne dabei anbiedernd oder harmonies\u00fcchtig zu wirken. Dies verlangt unseren Respekt und unsere Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"right\"><strong><em>Yasemin Pamuk<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>Leiterin der Subregion S\u00fcdkaukasus<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>Friedrich-Naumann-Stiftung f\u00fcr die Freiheit<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Bild zeigt (v.l.n.r.) Salpi Ghazarian, Direktorin von Civilitas Foundation, Armenien; Arsin\u00e9e Khanjian, armenische Schauspielerin und Filmemacherin, Fethiye \u00c7etin, t\u00fcrkische Autorin und Menschenrechtsaktivistin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Berg des Schweigens besteigen \u00a0\u00a0 Seit dem ersten Weltkrieg und mit dem Aufkommen des Kalten Krieges waren die Grenzen zwischen Armenien und der T\u00fcrkei fast ununterbrochen geschlossen. 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