{"id":1191,"date":"2012-10-18T08:36:51","date_gmt":"2012-10-18T06:36:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1191"},"modified":"2012-10-18T08:37:44","modified_gmt":"2012-10-18T06:37:44","slug":"reisereportage-die-wildesten-passe-des-kaukasus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1191","title":{"rendered":"Reisereportage: Die wildesten P\u00e4sse des Kaukasus"},"content":{"rendered":"<p><em><em><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1194\" rel=\"attachment wp-att-1194\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1194\" title=\"2012_10_paessereise_IMG_4138\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4138.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4138.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4138-150x112.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4138-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4138-399x300.jpg 399w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/em><\/em><\/p>\n<p><em><em>Im August haben wir eine <a title=\"KaPost-Leserreise: Die wildesten P\u00e4sse des Kaukasus\" href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1003\">Foto-Rep<\/a><\/em><a title=\"KaPost-Leserreise: Die wildesten P\u00e4sse des Kaukasus\" href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1003\">ortage <\/a>\u00fcber eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Reise gepostet, ein Reise \u00fcber die wildesten P\u00e4sse des Kaukasus.\u00a0Nachfolgend eine ausf\u00fchrliche Reportage.<\/em><\/p>\n<p>Auf genau 2.025 Metern H\u00f6he auf dem Goderzi-Pass, der vom subtropischen Batumi am Schwarzen Meer \u00fcber den Kleinen Kaukasus in die s\u00fcdgeorgische Stadt Achalziche f\u00fchrt. Im Pass-Restaurant mit dem exotischen Namen \u201eEdelwei\u00df\u201c schwenkt ein orthodoxer Priester ein Weihrauchfass durch K\u00fcche, Restaurant und angeschlossenen Supermarkt. Ein einfacher Tisch dient als Altar, das Christusbild lehnt an der Flasche einer bekannten Mineralwassermarke. Der Pope betet seine Litaneien herunter, er ist mit zwei Ministranten \u00e4lteren Semesters unter sich, er segnet das gerade unter neuer Leitung er\u00f6ffnete Restaurant. Die K\u00f6chin l\u00e4sst sich beim Vorbereiten des Abendessens allerdings kaum st\u00f6ren. Keine ungew\u00f6hnliche Szene in einem Land, in dem sich die Orthodoxie nach 70 Jahren Kommunismus wieder als die bestimmende gesellschaftliche Kraft versteht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1198\" rel=\"attachment wp-att-1198\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1198\" title=\"2012_10_paessereise_IMG_5211\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5211.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5211.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5211-150x112.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5211-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5211-399x300.jpg 399w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Ort aber macht hier den Unterschied. Wir sind in Adscharien, einer autonomen Republik Georgiens, die deshalb ein wenig anders ist als alle anderen Gebiete des Landes, weil ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung, obwohl georgischer Abstammung, muslimischen Glaubens ist. Ein Erbe der t\u00fcrkischen Besatzung vom 17. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Dann kam die Sowjetunion. Jetzt, 20 Jahre nach dem Ende der UdSSR, aus deren Zeit die Autonomie Adschariens stammt, versucht die Orthodoxie wieder Fu\u00df zu fassen, mit aller Macht. \u00dcberall am Goderzi-Pass, wo seit mehr als drei Jahrhunderten Minarette das Landschaftsbild pr\u00e4gten, werden neue orthodoxe Kirchen gebaut. Massentaufen, von lokalen TV-Sendern \u00fcbertragen, sollen die muslimischen Georgier Adschariens motivieren, zum richtigen Glauben ihrer Nation zur\u00fcckzufinden.<\/p>\n<p>Ein paar Kilometer neben der Passh\u00f6he treffen sich im dichten Nebel zur gleichen Zeit vor einem ungleich gr\u00f6\u00dferen Holzgeb\u00e4ude als dem \u201eEdelwei\u00df\u201c etwa vier oder f\u00fcnf Dutzend Menschen. Sie tauschen S\u00fc\u00dfigkeiten aus, die von den Frauen herumgereicht werden. K\u00fche und Schafe, in ihren Nebel-Umrissen nur zu erahnen, umrahmen das Fest, zu dem jeder eingeladen ist, der in dieser eigentlich gottverlassenen Gegend zuf\u00e4llig des Weges kommt. Muslimische Adscharen, die hier oben zu Tausenden zusammen mit Zehntausenden an Tieren der subtropischen Schw\u00fcle Adschariens entfliehend zur Sommerweide heraufgezogen sind, weihen ihr neues Gebetshaus ein. Noch sind sie hier in der Mehrheit, aber, w\u00e4hrend der orthodoxe Pope in seinem Lada Niva mehr oder weniger unbeachtet \u00a0am muslimischen\u00a0 Gebetshaus und der Festgemeinde vorbeif\u00e4hrt, prophezeit unser georgischer Fahrer mit einem leichten Schulterzucken: \u201eIn zehn Jahren werden sie alle zur Orthodoxie zur\u00fcckgekehrt sein.\u201c G\u00f6ttliche Sch\u00f6pfungsordnung auf georgisch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1199\" rel=\"attachment wp-att-1199\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1199\" title=\"2012_10_paessereise_IMG_5239\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5239.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5239.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5239-150x112.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5239-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_5239-399x300.jpg 399w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eine Reise \u00fcber die wildesten P\u00e4ssen des Kaukasus ist nicht nur eine Reise in die vielleicht letzten unber\u00fchrten Hochgebirgsregionen am Rande Europas. Sie ist auch eine Reise in die abwechslungsreiche Geschichte des Kaukasus mit allen politisch-historischen Verwerfungen. So etwa beim Besuch eines Erdh\u00fcgelhauses auf der Dschawacheti-Hochebene, die fr\u00fcher von den Mess`cheten bewohnt war, einem Turkvolk, das Stalin vertrieben hatte. Die wenigen Mess`cheten, die in der Gegend von Krasnodar \u00fcberlebt haben, wollen wieder zur\u00fcck in ihre angestammte Heimat. Doch dort sind sie alles andere als willkommen. In diese Gegend des Kleinen Kaukasus hat die Sowjetmacht seit Jahrzehnten immer wieder Menschen aus D\u00f6rfern angesiedelt, die im Gro\u00dfen Kaukasus nach einem Lawinenabgang unbewohnbar geworden waren. F\u00fcr die fr\u00fcheren Bewohner ist da kaum noch Platz.<\/p>\n<p>Ein zweiter Abstecher in die politisch-historischen Wirren dieser Region f\u00fchrt in das Pankisi-Tal im Osten des Landes, wo seit Hunderten von Jahren die Kisten wohnen, ein tschetschenischer Volksstamm, der in Folge der Tschetschenien-Kriege des letzten Jahrzehnts ein paar tausend Fl\u00fcchtlinge aus Grosny hat aufnehmen m\u00fcssen. Vor genau zehn Jahren war das Tal deshalb zum Hotspot des Internationalen Terrorismus hoch gebeamt worden. \u201eBin Laden im Pankisital\u201c lauteten weltweit die Schlagzeilen. Heute leben die Kisten mit den mittlerweile in Georgien eingeb\u00fcrgerten Fl\u00fcchtlingen aus Tschetschenien und Georgiern friedlich, schiedlich miteinander. Den Weltfl\u00fcchtlingstag begehen Georgier, Tschetschenen und Kisten im Pankisi gemeinsam, singend und tanzend, das einstige Tal des Terrors entpuppt sich fast als eine Insel der Gl\u00fcckseligkeit. Das UN-Fl\u00fcchtlingskommissariat hat in den letzten Jahren ganze Arbeit geleistet.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1192\" rel=\"attachment wp-att-1192\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1192\" title=\"2012_10_paessereise\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"279\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise-150x98.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise-300x196.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00dcber dreizehn Schotterp\u00e4sse im Gro\u00dfen und Kleinen Kaukasus f\u00fchrt diese vielleicht au\u00dfergew\u00f6hnlichste Reise, die man derzeit in Georgien in zwei Wochen unternehmen kann. Die Wege vor allem sind die Ziele, die Passh\u00f6hen die Zwischenstopps, Asphalt wird vermieden so oft es nur geht. Und das geht erstaunlich oft\u2026.<\/p>\n<p>\u00dcbernachtet wird vornehmlich in kleinen privaten G\u00e4steh\u00e4usern in den meist abgeschiedenen T\u00e4lern. Zum Beispiel in Schatili, einem mittelalterlichen Wehrdorf in der Argunschlucht hinter dem Chachmati-Pass und dicht an der russischen Grenze, die hier die Grenze zur tschetschenischen Republik ist. In einem gut erhaltenen Turm der zum Teil verfallenen Wehrburg Schatili betreiben Wascha und seine Frau Schorena ein kleines Sommer-Hotel von Mitte Juni bis etwa Oktober. Wascha ist Soldat bei der georgischen Grenzpolizei und in der Argunschlucht stationiert, aus der er stammt. Das Hotel hat vier Stockwerke, 15 Betten, im Erdgeschoss zwei Duschen und Toiletten, gegessen wird auf der Veranda, gekocht wird im Hinterhaus. In einem weiteren Turm ist noch ein Hotel, sprich G\u00e4stehaus. Der Rest der Anlage soll irgendwann von der georgischen Regierung renoviert werden. Die privaten \u201eHoteliers\u201c von Schatili bef\u00fcrchten das Schlimmste.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1196\" rel=\"attachment wp-att-1196\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1196\" title=\"2012_10_paessereise_IMG_4369\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4369.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4369.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4369-150x112.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4369-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4369-399x300.jpg 399w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein kleiner Abstecher f\u00fchrt von hier nach Mutso an der tschetschenischen Grenze und nach Ardoti, von wo der gleichnamige Pass nach Tuschetien f\u00fchrt und damit nach Daghestan in der Russischen F\u00f6deration, allerdings nur zu Fu\u00df oder per Pferd begehbar. Dazwischen, zwischen Schatili und Mutso, finden sich drei oder vier kleine Steinh\u00e4user, Sterbeh\u00e4user aus dem Mittelalter, in denen schwerkranke Menschen ausgegliedert wurden, ausgeliefert zum Sterben. Durch die kleinen, mit Eisen vergitterten Fenster kann man menschliche Skelette erkennen. Der Hospiz-Gedanke in seiner Urform.<\/p>\n<p>In nahezu allen Regionen, die auf dieser Reise angefahren werden, bieten private G\u00e4steh\u00e4user nicht unbedingt allen Komfort, den der Gast aus Europa gewohnt ist, daf\u00fcr aber eine herzliche Gastfreundschaft und eine N\u00e4he, die das besondere Erlebnis dieser Reise ausmachen. Im Pankisital singt abends ein nicht gerade jugendlich zu nennender Frauenchor im Wohnzimmer der Unterkunft von Frau Magwala, einer Patriarchin im Kistental. Chorgesang, der G\u00e4nsehaut erzeugt. In Radscha f\u00fchrt der Hausherr selbst, Levan hei\u00dft er, ein Automechaniker, seine G\u00e4ste abends durch alle traditionellen Trinkspr\u00fcche Georgiens, die kein Ende nehmen wollen. Am Morgen \u00fcberpr\u00fcft er \u00d6lstand und K\u00fchlung der Autos, bevor er eine gute Reise w\u00fcnscht. Und in Swanetien, der wildesten und gleichzeitig beliebtesten Region des Gro\u00dfen Kaukasus, wird in Uschguli, das sich das h\u00f6chste Dorf Europas nennt, zum Fr\u00fchst\u00fcck ein Kalb geschlachtet. Wohl dem, der an einem Feiertag dort oben aufwacht, er kann sich um ein Kalbsschaschlik mit Raki, dem rustikalen swanetischen Gerstenschnaps, nicht herumdr\u00fccken. Er will es auch nicht. Zum Fr\u00fchst\u00fcck, wohlgemerkt. Tradition ist eben Tradition. Und in Mestia, der swanetischen \u201eMetropole\u201c, wartet Emsar Muschgudiani, unter Schewardnadse noch Chef der georgischen Grenzpolizei, am Ortsrand gleich neben dem neuen Flughafen mit einem sch\u00f6nen G\u00e4stehaus samt neu aufgebauter Forellenzucht.<\/p>\n<p>Dazu die vielen unerwarteten Begegnungen auf der Strecke: Aserische Wanderhirten aus dem\u00a0 georgischen Alasanital, die in kleinen Zeltd\u00f6rfern zu f\u00fcnf Familien jeweils auf die Sommerweiden des Kleinen Kaukasus gezogen sind. Die Weidefl\u00e4chen geh\u00f6ren seit Jahrhunderten ihren D\u00f6rfern, Lambalo und Keshalo hei\u00dfen sie. Keine armen Leute, diese Sch\u00e4fer-Dynastien. Wo denn all diese Zigtausende von Schafen und Rindern vermarktet werden, die wir links und rechts der wilden P\u00e4sse im Kleinen Kaukasus sehen, wollen wir wissen, Georgien kann diese Unmengen an Fleisch niemals aufnehmen. Die Antwort geben uns aserbaidschanische Viehtransporteure: Iran und die T\u00fcrkei sind die Hauptabnehmer, kaukasisches Fleisch sei dort besonders gesch\u00e4tzt, der Qualit\u00e4t wegen. Die Tiere werden wohl lebend \u00fcber die Grenzen gebracht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1197\" rel=\"attachment wp-att-1197\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1197\" title=\"2012_10_paessereise_IMG_4755\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4755.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4755.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4755-150x112.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4755-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4755-399x300.jpg 399w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die aserbaidschanischen Tier-Transport-Fahrer, vier LKW`s an der Zahl, treffen wir bei ihrer Vesperpause ausgerechnet an einer abgelegenen armenischen Kirche am Burnaseti-Pass, mithin keine 300 km-Luftlinie entfernt von Berg-Karabach, jener armenisch besiedelten Provinz auf dem Staatsgebiet von Aserbaidschan, die politisch-milit\u00e4risch immer wieder von sich reden macht. Aber das interessiert jetzt und hier vor der armenischen Kirche im Kleinen Kaukasus von Georgien keinen der aserbaidschanischen Truck-Fahrer, die jeweils ein paar Dutzend georgisch-aserische Rinder zum Tabazkuri-See bringen, die in wenigen Sommer-Wochen eine vertraglich zugesicherte Gewichtszunahme zu bringen haben, damit sie im Iran oder der T\u00fcrkei vermarktet werden k\u00f6nnen. Was hat angeblich geo-strategische Politik mit dem seit Jahrhunderten eingeschliffenen kleinen und gro\u00dfen Grenzhandel zu tun?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werden die ausl\u00e4ndischen G\u00e4ste, der hier zu Recht nie und nimmer vermutet werden, eingeladen. Und wieder gibt es Schnaps. Um die Mittagszeit. Nur der Fahrer erh\u00e4lt Dispenz, obwohl die aserbaidschanischen LKW-Piloten, die sich hier auskennen, anmerken, dass auf diesen Pisten alles anzutreffen sei, nur keine Polizei.<\/p>\n<p>Diese Reise ist ein H\u00e4rtetest f\u00fcr Material und Menschen. 2.400 km Schotterp\u00e4sse an dreizehn Tagen, der h\u00f6chste Pass, der Abanopass in Ostgeorgien, f\u00fchrt fast bis auf 3.000 m H\u00f6he. Dahinter eine Landschaft, Berg-Tuschetien (Mta-Tusheti), die es an Lieblichkeit jederzeit mit den sch\u00f6nsten Ecken des Allg\u00e4u aufnehmen kann. Mit einem Unterschied: Tuschetien ist alles andere als \u00fcberlaufen, die Anreise \u00fcber den Abano-Pass aus dem Alasanital in Ostgeorgien dauert bei gutem Wetter mindestens sechs Stunden, bei Dauerregen ist der etwa 70 km lange Pass auch f\u00fcr starke Allrader eigentlich nicht passierbar. Es kann durchaus vorkommen, dass man dort oben zwei oder drei Tage fest sitzt, bevor man Tuschetien \u00fcber den h\u00f6chsten Pass des Kaukasus wieder verlassen kann. Aber Tuschetien mausert sich, in Omalo und den D\u00f6rfern rings herum putzen sich ein Dutzend kleine G\u00e4steh\u00e4user heraus. Die Zielgruppe: Wander- und Pferdetouristen. Die tuschetischen Bergpferde sind besonders geduldige Vertreter ihrer Gattung und leicht handhabbar auch f\u00fcr unge\u00fcbte Reiter. Tuschetien ist nur im Sommer bewohnt, wie viele Hochgebirgsregionen im Kaukasus, im Winter sind die D\u00f6rfer verlassen, die P\u00e4sse gesperrt. Die Tuscheten wurden vor rund 100 Jahren bereits ins Alasanital umgesiedelt.<\/p>\n<p>Anders Swanetien, die Hochgebirgsregion im Osten Georgiens, auch an Russland angrenzend, direkt s\u00fcdlich des Elbrus. Swanetien ist ganzj\u00e4hrig bewohnt, eine einzigartige, archaische Kulturlandschaft mit unz\u00e4hligen Wehrd\u00f6rfern, die an die griechische Halbinsel Mani und an San Gimigniano in der Toskana erinnern. Nur in Swanetien gibt es Hunderte dieser steinernen Zeugen mittelalterlicher Wehrhaftigkeit.<\/p>\n<p>Die direkte Zufahrt vom Schwarzen Meer \u00fcber Sugdidi und den Enguri-Staudamm ist mittlerweile bis Mestia, der Hauptstadt Swanetiens, geteert, seit einem Jahr erst. F\u00fcnf Stunden sind es jetzt noch f\u00fcr rund 140 Kilometer. Aber die Anfahrt aus Radscha, der Nachbarprovinz am Kaukasus-Hauptkamm, \u00fcber die Provinzstadt Lentechi und den Zagar-Pass nach Uschguli hat es in sich. Die wildeste, die anspruchsvollste Piste dieser Reise, nach tagelangem Landregen eigentlich kaum zu bew\u00e4ltigen, denn dann ist der Fluss pl\u00f6tzlich die Stra\u00dfe. Und trotzdem, der Pass ist stark frequentiert. Wir treffen Mountainbiker aus dem Baltikum, aus Polen oder Skandinavien, wie wir \u00fcberall im Gro\u00dfen Kaukasus viele Wandergruppen aus Polen, Tschechien und Israel angetroffen haben. Der Kaukasus als Reiseziel f\u00fcr Individuallisten ist im Kommen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1193\" rel=\"attachment wp-att-1193\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1193\" title=\"2012_10_paessereise_IMG_4066\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4066.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"276\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4066.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4066-150x97.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_paessereise_IMG_4066-300x194.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Swanetien \u2013 eine einzigartige Kombination aus Landschaft, Natur und Kultur, eine Zeitreise, der H\u00f6hepunkt einer jeden Reise durch Georgien. Unz\u00e4hlige kleine Kirchen im Monopoly-Quader-Format. Uschguli oder Adischi, ein anderes Dorf auf \u00fcber 2.200 Metern H\u00f6he, z\u00e4hlen jeweils f\u00fcnf bis sieben oder acht Kirchen, kaum eine mehr als zehn bis 20 Quadratmeter gro\u00df, aber ausgestattet mit Fresken und Ikonen, wie man sie nirgendwo zu sehen bekommt. Niemals, so sagen die Swanen, habe ein fremder Herrscher ihr Gebiet, das freie Swanetien, betreten. Noch nicht einmal die Direktoren der Staatlichen Museen von Georgien schaffen es, in dem einen oder anderen Dorf den unsch\u00e4tzbaren lokalen Ikonenschatz f\u00fcr ihre zentralen Museen zu akquirieren. Uschguli und Adischi geben ihre Ikonen nicht her.<\/p>\n<p>Und in Iprali, einem kleinen Weiler auf mehr als 2.000 Metern H\u00f6he \u00fcber dem Meeresspiegel gelegen, wacht der alte Bauer Utscha in seinem stattlichen Geh\u00f6ft ebenfalls \u00fcber eine kleine Familienkirche, auch ein Kleinod, was die Freskenmalerei betrifft. Das gro\u00dfe Bauernhaus hat der 80-j\u00e4hrige in den letzten Jahren zu einem respektablen G\u00e4stehaus umgebaut mit zw\u00f6lf Fremdenzimmern und einem sch\u00f6nen Speisesaal. Vor f\u00fcnf Jahren noch Plumpsklo irgendwo im Hof, heute drei moderne und saubere Etagenduschen mit Toiletten. Utschas Haus liegt an der ausgeschilderten Wanderstrecke von Mestia nach Uschguli. Und es liegt wenige Kilometer oberhalb der Schotterpiste zwischen Zagar-Pass und Uigir-Pass. Sechs T\u00f6chter hat Utscha, vier sind in Tbilissi verheiratet. Aber zwei treiben mit ihm und seiner Frau jeden Sommer dieses G\u00e4stehaus um, das einen unweigerlich an S\u00fcdtirol vor 50 Jahren erinnert. Nur war S\u00fcdtirol damals schon nicht mehr ann\u00e4hernd so urspr\u00fcnglich wie heute Iprali, wie Swanetien, wie der Gro\u00dfe und der Kleine Kaukasus in Georgien.<\/p>\n<p>Text und Fotos: Rainer Kaufmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im August haben wir eine Foto-Reportage \u00fcber eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Reise gepostet, ein Reise \u00fcber die wildesten P\u00e4sse des Kaukasus.\u00a0Nachfolgend eine ausf\u00fchrliche Reportage. 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