{"id":1180,"date":"2012-10-13T09:16:51","date_gmt":"2012-10-13T07:16:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1180"},"modified":"2012-10-13T09:16:51","modified_gmt":"2012-10-13T07:16:51","slug":"gutmensch-oder-reformer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1180","title":{"rendered":"Gutmensch oder Reformer?"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1173\" rel=\"attachment wp-att-1173\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1173\" title=\"2012_10_iwanischwili_DSC03091\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_iwanischwili_DSC03091.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"312\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_iwanischwili_DSC03091.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_iwanischwili_DSC03091-150x110.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_iwanischwili_DSC03091-300x220.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/2012_10_iwanischwili_DSC03091-408x300.jpg 408w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Foto: G\u00f6tz-Martin Rosin<\/em><\/p>\n<p><strong>Bid<\/strong><strong>s<\/strong><strong>ina Iwanischwili \u2013 der neue Mann Georgiens\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4tsommer in Tschiatura. Ein kleiner Reporterpulk wartet in der Stadtmitte vor einem unscheinbaren Wohnblock. Security-Leute stehen davor, ihr Chef k\u00f6nnte auch irgendwo in Texas vor der Villa eines \u00d6lmillion\u00e4rs stehen. Eine Wagenkolonne schwarzer, fetter Limousinen parkt in der N\u00e4he. In dem Haus ist das lokale B\u00fcro vom Georgischen Traum untergebracht. Polizei patroulliert auff\u00e4llig oft und im 1. Stock auf der gegen\u00fcber liegenden Seite lugt hinter einem Fenstervorhang immer wieder das Objektiv einer Filmkamera hervor. Bidsina Iwanischwili ist in dem Haus, Kurzbesuch an der Basis seiner politischen Organisation.<\/p>\n<p>Kurze, improvisierte Pressekonferenz, als er das Haus verl\u00e4sst. Mit Witz und Charme kontert er die aufgeregt vorgetragenen Fragen der Journalisten, meist von regierungsnahen Sendern du ohl deshalb so aufgeregt. Ein kleiner Mann, pfiffig im Gesicht, aufgeweckt, ohne die \u00fcblichen Attit\u00fcden eines bedeutenden Politikers. Auf der B\u00fchne gro\u00dfer Wahlkundgebungen ist er nicht unbedingt der mitreissenste Redner. Volkstribun kann er nicht. Aber im kleinen Kreis, in unmittelbarer N\u00e4he hat er pl\u00f6tzlich eine Ausstrahlung, ein gewinnendes Etwas, das nur schwer zu umschreiben ist. Der Mann macht neugierig, was nur wenigen Menschen der politischen Kaste, egal wo auf der Welt, nachgesagt werden kann.<\/p>\n<p>Der Mann war jahrzehntelang ein Phantom im Land, ein Phantom, das aber irgendwie immer pr\u00e4sent war. Die kleine Kirche von Ubissa wurde restauriert. Wer hat es bezahlt? Bidsina. Hunderte von Kirchen soll er mit seinem Geld vor dem Verfall gertettet haben. Der Lunapark von Kobuleti, der nur zwei Monate im Jahr seinen Zweck erf\u00fcllt. Bidsina. Die gro\u00dfe Kathedrale von Tiflis, noch zu Schewardnadses Zeiten. Bidsina. Zusch\u00fcsse f\u00fcr Museen, Theater und andere Kultureinrichtungen. Bidsina. Die ersten Ministergeh\u00e4lter nach der Rosenrevolution, Renten f\u00fcr unz\u00e4hlige Kulturschaffende. Bidsina. Sein gr\u00f6\u00dftes Ding: Geb\u00e4ude, Ausbildung, Polizeiautos und Ausr\u00fcstung f\u00fcr die neue Stra\u00dfenpolizei, der Vorzeige-Beh\u00f6rde Saakaschwilis im Kampf gegen Kriminalit\u00e4t und Korruption, aber auch neue Kasernen und Equipment f\u00fcr das Milit\u00e4r. Keine Waffen, sagt er. Er selbst sch\u00e4tzt die Summe, die er in den letzten Jahren in Georgien verteilt hat, auf rund 1,5 Milliarden Dollar. Einige der gro\u00dfen Erfolge Saakaschwilis w\u00e4ren ohne Iwanischwilis Finanzsspritzen nicht denkbar.<\/p>\n<p>Bidsina Iwanischwili stammt aus wirklich einfachsten d\u00f6rflichen Verh\u00e4ltnissen in Imeretien. Der Vater war Bergmann, Wohlstand kennt andere V\u00e4ter. Nach Schule in Satschchere und Studium in Tiflis hat er im Moskau Jelzins sein Gl\u00fcck als Unternehmer gemacht. Erst Computerhandel, dann eine private Kreditbank, Industriebeteiligungen, Aktiengesch\u00e4fte. Ohne analytische F\u00e4higkeiten und einen wachen Verstand unm\u00f6glich in dem Haifischbecken der russischen Wirtschaft. Auf mehrere Milliarden Dollar wird sein Verm\u00f6gen gesch\u00e4tzt, ein Mann, der mit einem einzigen Aktiendeal so auf die Schnelle ein paar Dutzend Millionen verdient. Innerhalb einer Woche. In Interviews erz\u00e4hlt er mit einem L\u00e4cheln, dass er, im Gegensatz zu vielen im Lande, bereits reich sei, wenn er jetzt die Regierungsgesch\u00e4fte \u00fcbernimmt, wobei er unter all den Oligarchen, die in der Jelzinzeit ihr Geld gemacht haben, als einer saubersten gilt. Kein Fu\u00dfballclub zur protzigen Selbstdarstellung, keine stillos-neureichen All\u00fcren. Gut, ein mehr als \u00a0repr\u00e4sentatives Anwesen in seinem Geburtsort Tschorwila mit Pinguinen und K\u00e4ngurus und einer pr\u00e4chtigen Parkanlage. Eine Gem\u00e4ldesammlung im Wert von ein paar Hundert Millionen, Dali, Picasso und andere. Warum eigentlich nicht? Und sein Glaspalast \u00fcber der Altstadt von Tiflis ist auch nicht zu \u00fcbersehen. Aber die Architektur wenigstens verr\u00e4t einen Stil, den andere seiner Preisklasse selten erkennen lassen.<\/p>\n<p>Was trieb diesen Mann, von dem fr\u00fcher nur ein einziges Bild bekannt war, obwohl das ganze Land sich l\u00e4ngst ein Bild von ihm gemacht hatte, dazu, in die Niederungen der Politik einzusteigen? Es muss wohl im November des Jahres 2007 gewesen sein, dass er mit Saakaschwili gebrochen hat, als dieser regierungskritische Demonstranten mit Wasserwerfern und Gummikn\u00fcppeln die Grenzen der Meinungsfreiheit im Mischaland aufgezeigt hat. Iwanischwili soll damals in internen Gespr\u00e4chen sogar den R\u00fccktritt des Pr\u00e4sidenten gefordert haben. Jetzt ist er die neue Lichtgestalt der georgischen Politik, eine Herausforderung mit der nicht zu \u00fcbersehenden Gefahr des Scheiterns.<\/p>\n<p>Die Erwartungshaltung der Georgier ist \u00fcbergro\u00df. Endlich Arbeitspl\u00e4tze, endlich eine F\u00f6rderung der Kleinbauern, endlich ein angemessenes Sozialsystem, endlich ausk\u00f6mmlichen Renten und eine bezahlbare Krankenversicherung f\u00fcr alle. Das alles hat Bidsina Iwanischwili den Georgiern als neuen Traum versprochen. Der Traum kann Realit\u00e4t werden, er muss es nicht unbedingt, wenn der Milliard\u00e4r weiter als Gutmensch Wohltaten unter dem Volk verteilt. Er wird seinen Landsleuten auch Blut, Schwei\u00df und Tr\u00e4nen zumuten m\u00fcssen. Denn wenn all diese Reformen nicht wirklich nachhaltig strukturiert werden, nicht so konzipiert werden, dass sie eines Tages selbsttragend sind, ist das Scheitern vorprogrammiert. Dazu wird der neue Hoffnungstr\u00e4ger auch von den Menschen im Land einen entsprechenden Anteil an Eigenleistung abfordern m\u00fcssen. Sonst bleibt am Ende nur eines: Bidsina Iwanischwili ist der erste Politiker Georgiens, der reich war, als er sein Amt antrat.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Rainer Kaufmann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: G\u00f6tz-Martin Rosin Bidsina Iwanischwili \u2013 der neue Mann Georgiens\u00a0\u00a0\u00a0 Sp\u00e4tsommer in Tschiatura. Ein kleiner Reporterpulk wartet in der Stadtmitte vor einem unscheinbaren Wohnblock. 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