{"id":1048,"date":"2012-08-06T08:36:38","date_gmt":"2012-08-06T06:36:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1048"},"modified":"2012-08-07T07:46:28","modified_gmt":"2012-08-07T05:46:28","slug":"sicherheit-fur-touristen-legende-und-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?p=1048","title":{"rendered":"Sicherheitshinweise &#8211; Legende und Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1050\" rel=\"attachment wp-att-1050\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-1050\" title=\"2012_08_reisehinweise_raub\u00fcberf\u00e4lle Kopie\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_raub\u00fcberf\u00e4lle-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_raub\u00fcberf\u00e4lle-Kopie.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_raub\u00fcberf\u00e4lle-Kopie-150x123.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_raub\u00fcberf\u00e4lle-Kopie-300x247.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_raub\u00fcberf\u00e4lle-Kopie-364x300.jpg 364w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><strong>Daniel Nitsch \u00fcber die offiziellen Reisehinweise deutschsprachiger L\u00e4nder\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Seit der Rosenrevolution hat sich Georgien zu einem Land mit sehr niedriger Kriminalit\u00e4tsrate entwickelt, auch im europ\u00e4ischen Vergleich. Raub\u00fcberf\u00e4lle, Entf\u00fchrungen und vors\u00e4tzliche K\u00f6rperverletzungen unterschreiten durchaus die Raten in den deutschsprachigen L\u00e4ndern. Die Gruselgeschichten der 1990er, als Entf\u00fchrungen, Raub\u00fcberf\u00e4lle und Bandenkriege auf der Tagesordnung standen, geh\u00f6ren heute gl\u00fccklicherweise ins Land der Geschichten. In diesem Licht sollen hier die offiziellen Reisehinweise der Au\u00dfenministerien der drei deutschsprachigen L\u00e4nder &#8211; der Bundesrepublik Deutschland, der Republik \u00d6sterreich und der Schweizerischen Eidgenossenschaft \u2013 analysiert werden.<\/p>\n<p>Zuerst einmal muss man zwischen Kerngeorgien und den besetzten Gebieten S\u00fcdossetien und Abchasien differenzieren. Die Au\u00dfenministerien aller drei Staaten raten von Reisen in die besetzten Gebiete ab. Das Hauptproblem ist, dass es in den Gebieten immer wieder zu bewaffneten Zwischenf\u00e4llen kommt und Gegenden vermint sind. Die Botschaften k\u00f6nnen aufgrund des umstrittenen v\u00f6lkerrechtlichen Status dieser Gebiete keine Hilfe im Notfall leisten. Die georgischen Sicherheitskr\u00e4fte haben dort keinen Einfluss und auch die regionalen Regierungen und Polizeikr\u00e4fte haben die Gegenden nur teilweise unter Kontrolle.<\/p>\n<p>Zu Abchasien gibt es zwar einige Reiseberichte im Netz, die besagen, dass das Land gefahrlos zu bereisen sei. Zu einer Reise nach S\u00fcdossetien wird jedoch auch auf Reisehomepages abgeraten. In beiden Regionen wurden bereits Touristen entf\u00fchrt. Wikitravel r\u00e4t sogar dazu, sich bei einer Reise in eine der beiden abtr\u00fcnnigen Regionen eine bewaffnete Eskorte zu organisieren. Ein Ratschlag, der zumindest f\u00fcr Abchasien etwas \u00fcbertrieben erscheint.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kerngeorgien wird die Lage von den Au\u00dfen\u00e4mtern allgemein als ruhig angesehen. Das Au\u00dfenamt der Bundesrepublik Deutschland schreibt, dass \u201ein allen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten Georgiens, \u2026 die gleichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen sind, die auch in Metropolen anderswo angewandt werden\u201c. Sinngem\u00e4\u00df schreiben das auch die zust\u00e4ndigen Ministerien \u00d6sterreichs und der Schweiz. Die gegebenen Ratschl\u00e4ge sollten mit gesundem Menschenverstand ohnehin st\u00e4ndig beachtet werden: Keine Wertgegenst\u00e4nde offen zeigen, nicht mehr Bargeld als notwendig einstecken und bei einem \u00dcberfall keinen Widerstand leisten.<\/p>\n<p>Etwas \u00fcbertrieben ist unserer Ansicht nach das vorgeschlagene Verhalten bei Nacht: Die Schweiz r\u00e4t nach Einbruch der Dunkelheit zu \u201ebesonderer Vorsicht\u201c, \u00d6sterreich r\u00e4t, \u201eabgeschiedene Pl\u00e4tze zu meiden\u201c. Das Au\u00dfenamt der BRD geht jedoch einen Schritt weiter und spricht eine konkrete Warnung aus: \u201eIn Tiflis gibt es gelegentlich Berichte \u00fcber Raub\u00fcberf\u00e4lle und Taschendiebstahl. Reisende sollten entsprechende Vorkehrungen treffen, sich bei Dunkelheit nach M\u00f6glichkeit nicht alleine auf der Stra\u00dfe aufhalten und auf eine angemessene Sicherung ihrer Unterk\u00fcnfte achten\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/?attachment_id=1049\" rel=\"attachment wp-att-1049\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1049\" title=\"2012_08_reisehinweise_diebst\u00e4hle Kopie\" src=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_diebst\u00e4hle-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_diebst\u00e4hle-Kopie.jpg 425w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_diebst\u00e4hle-Kopie-150x123.jpg 150w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_diebst\u00e4hle-Kopie-300x247.jpg 300w, http:\/\/www.kaukasische-post.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/2012_08_reisehinweise_diebst\u00e4hle-Kopie-364x300.jpg 364w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Kritikpunkt ist, dass nur unbestimmte Angaben zur H\u00e4ufigkeit der Vorf\u00e4lle gemacht. Dadurch kann ein Reisender nicht zu einer eigenst\u00e4ndigen Einsch\u00e4tzung einer m\u00f6glichen Gefahrensituation gelangen. Der Hinweis auf \u201egelegentliche\u201c und \u201evermehrte\u201c Vorf\u00e4lle ist keine Aussage, wie oft und in welchem Zeitraum tats\u00e4chlich bestimmte Dinge vorgefallen sind. Dieser Stil findet sich bei den offiziellen Reisehinweisen aller drei deutschsprachigen Staaten und zu nahezu allen Staaten der Erde wieder. Vor Taschendiebst\u00e4hlen und \u201egelegentlichen\u201c Raub\u00fcberf\u00e4llen wird beispielsweise auch im sonst sehr sicheren Schweden gewarnt.<\/p>\n<p>Wie die konkreten Zahlen zur Kriminalit\u00e4t wirklich aussehen zeigt die Statistik des United Nations Office on Drugs and Crimes: Die Kleinkriminalit\u00e4t in Georgien, ebenso wie in Armenien und Aserbaidschan, unterschreitet die Werte fast allenr europ\u00e4ischer Staaten, und zwar deutlich. 2009 wurden in Georgien 21,9 Raub\u00fcberf\u00e4lle pro 100.000 Einwohner erfasst, in den drei deutschsprachigen L\u00e4ndern waren es jedoch jeweils drei Mal so viele. 262 Diebstahlsdelikten pro 100.000 Einwohner in Georgien stehen fast 2300 Diebst\u00e4hle pro 100.000 Einwohner in der Bundesrepublik Deutschland gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Daher besteht die Frage, warum man seitens der diplomatischen Dienste so auf Allgemeinratschl\u00e4gen herumreitet, die einem bereits der gesunde Menschenverstand nahelegt. Bergsteiger weist man auch nicht explizit auf die Gefahren des Hochgebirges hin, obwohl das Risiko durchaus erheblich sein kann. In Tirol alleine sterben beispielsweise j\u00e4hrlich \u00fcber 100 Menschen in den Bergen, das sind doppelt so viele Verungl\u00fcckte wie auf der Stra\u00dfe. Dennoch w\u00fcrde kein Ausw\u00e4rtiger Dienst der Welt deswegen eine Reisewarnung f\u00fcr West\u00f6sterreich aussprechen.<\/p>\n<p>Eine weitere Kritik richtet sich besonders das Deutsche Ausw\u00e4rtige Amt: Die Reisehinweise zu Armenien und Aserbaidschan, die eine mit Georgien vergleichbare Sicherheitslage haben, sind hinsichtlich Kriminalit\u00e4t und Sicherheit unspektakul\u00e4r gehalten. Warum gerade Georgien als so gef\u00e4hrlich dargestellt wird?<\/p>\n<p>Das Deutsche Au\u00dfenamt r\u00e4t \u00fcbrigens zu besonderer Vorsicht wegen \u201ein der Vergangenheit vereinzelt erfolgten oder verhinderten Sprengstoffanschl\u00e4gen in Vororten von Tiflis \u2026\u201c. Die Sprengs\u00e4tze wurden vom Russischen Geheimdienst gelegt \u2013 sagt das Georgische Innenministerium \u2013 waren aber so unprofessionell zusammengebastelt, dass die meisten davon nicht einmal detonierten. Bisher gab es keine Verletzten zu beklagen. \u00dcber den vereitelten Anschlag auf ein Privatfahrzeug eines Mitarbeiters der Israelischen Botschaft wurde im Artikel \u201eDie Bombe vor meinem Fenster\u201c in der M\u00e4rz-Ausgabe berichtet. Der Hinweis auf Sprengstoffanschl\u00e4ge fehlt \u00fcbrigens bei den Reisehinweisen der Schweizer und \u00d6sterreicher komplett.<\/p>\n<p>Zumindest die statistischen Zahlen zur Kleinkriminalit\u00e4t zeigen eines ganz deutlich: Der S\u00fcdkaukasus ist au\u00dferhalb der Konfliktgebiete kein gef\u00e4hrliches Reiseziel, ganz im Gegenteil. Es kann nat\u00fcrlich immer etwas passieren, daher sollte man aufmerksam bleiben, um das geringe Restrisiko noch weiter zu minimieren. Aber die statistische Wahrscheinlichkeit, in Mitteleuropa Opfer eines Verbrechens zu werden, ist deutlich h\u00f6her als in Georgien. Daher besteht kein Grund, sich die Reise durch unbegr\u00fcndete \u00c4ngste zu verleiden, denn zu Tode gef\u00fcrchtet ist auch gestorben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel Nitsch \u00fcber die offiziellen Reisehinweise deutschsprachiger L\u00e4nder\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Seit der Rosenrevolution hat sich Georgien zu einem Land mit sehr niedriger Kriminalit\u00e4tsrate entwickelt, auch im europ\u00e4ischen Vergleich. Raub\u00fcberf\u00e4lle, Entf\u00fchrungen und vors\u00e4tzliche K\u00f6rperverletzungen unterschreiten durchaus die Raten in den deutschsprachigen L\u00e4ndern. 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